Icon Clan - Rock´n´Roll Rodeo - Cover
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Icon Clan Rock´n´Roll Rodeo


  • Label: Whirlwind Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Rock’n’Roll wird nicht alt. Lediglich die Musiker, die ihn spielen. Da wären Motörhead und AC/DC die Stadien mit einem Publikum füllen, welches ein deutlich höheres Durchschnittsalter aufweisen dürfte als die Arctic Monkeys, The Mars Volta oder Tokio Hotel (wie haben die sich denn in diesen Text verirrt?). Wofür sind die erstgenannten Bands jedoch bei alteingesessenen aber auch immer wieder jungen Hörern so berühmt? Für fetzige und mutige, sowie oft ausladende Gitarrensoli, brutale Eingängigkeit und Mitmachstimmung in Form von leicht epileptisch angehauchten Bewegungen während der vollen Spielzeit des Konzertes. Oft funktioniert so eingängiger Rock – recht frei von Überraschungen – auch heute noch sehr gut, wenn er live vor feurigem Publikum präsentiert wird. Gerade bei Liveerlebnissen wird ab und an darüber hinweggesehen, wenn die Musik sich nicht wirklich vom Mittelmaß absetzen kann.

Auf dem Silberling wirkt das euphorische Gehopse dann doch auch mal wie unbeholfenes Stolpern und was in der ersten Reihe ohne Gehörschutz für Hörsturz sorgt, macht im Wohnzimmer nicht immer ganz so viel Freude. Dieses Schicksal ereilt auch die neueste Platte von Icon Clan. In der Ruhe des heimischen Wohnzimmers, frei von jeglicher Gig-Stimmung kann, darf oder in manchen unglücklichen Fällen muss der Hörer sich detailliert auf die Musik einlassen. Hier fällt auf, dass die Tonlage des Sängers nicht einmal um eine Terz nach unten oder oben variiert und mehr als die Hälfte der Tracks auf Höhepunkte verzichtet, die sich in Form von Crescendo (oder auch professionelle Krachmacherei) oder eben genannten Soli widerspiegeln könnte. Was als Übergang während des Konzertes nicht allzu schwer ins Gewicht fällt, weht hier ungemütlich wie eine steife Brise auf See entgegen und die klatschenden Wellen hinterlassen einen salzigen Geschmack im Mundwinkel, während man mit Icon Clans neuestem Streich „Rock’n’Rock Rodeo“ über das altbekannte Rockfahrwasser schippert.

„One And Only (Love Of My Life)“ ist eines von vielen Beispielen, die es verpassen, für Stimmung zu sorgen. Die Finnen schaffen es nicht, den Funken ihrer Liveperformance auf Platte zu bringen. Ob das an der Aufnahmemethode liegt, die wohl möglich an Kraft nimmt oder ob die Jungs einfach gehemmter im Proberaum sind. Ganz böse ungen würden einfach behaupten, dass sich hier das wahre (nicht so formidable) Potenzial der Band zeigt. Der Gute-Laune-Wir-Gehen-Auf-Ein-Konzert-Bonus ist im Eigenheim nicht immer vorhanden und so fällt auf, dass nur wenige Lieder mitreißen, wie es das klassische „Highway's My Home“ tut, welches sich wirklich nach Rock’n’Roll anhört und eine Melodie liefert, die im Kopf bleibt und nicht bloß auf Durchreise oder auf Kaffeefahrt ist (im melodiösen Sinne). Dann wäre da noch „Get Out!“, das sich endlich erbarmt und keine Angst vor einem altmodischen Solo hat. So darf, nein, so muss es sein bei einer Band wie Icon Clan. Wem es an genialen Einfällen mangelt, der muss es mit Spielfreude wettmachen.

Zu gleich klingen am Ende die meisten Ideen, wobei dafür alles recht solide ist und sich besonders live gut vorstellbar gibt. Nur ist das neue Album der finnischen Rockgruppe kaum am Stück zu ertragen. Im Hintergrund kann diese irgendwie immer gleiche Musik ruhig laufen, aber wirkliche Freude wird man an diesen leicht punkigen Rock’n’Roll-Stücken wohl nicht haben. Zumindest nicht am Stück. Wer mal nach leichtverdaulichem Rock mit Punkader sucht und sowieso nur den ein oder anderen Song anhören wollte, kann sich das Album schnappen und mal diesen, mal jenen Track feiern. Zumindest auf diese Weise können Icon Clan die Stimmung der ein oder anderen Rockerparty heben. Ansonsten sind wohl doch eher die Altmeister mit ihren Melodien für die Ewigkeit gefragt.

Anspieltipps:

  • Get Out!
  • Highway's My Home
  • I Need Your Love Tonite

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