Soundgarden - Telephantasm: A Retrospective - Cover
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Soundgarden Telephantasm: A Retrospective


  • Label: A&M/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Stücke auf „Telephantasm“ berücksichtigen die gesamte Schaffensperiode von der Frühphase auf dem legendären Sub-Pop-Label bis zum bitteren Ende.

Anfang des Jahres wurde die Bombe gezündet. Zwölf Jahre nach der Trennung haben Soundgarden, die Heroen des 90er Jahre Alternative Rocks, ihre Reunion angekündigt. In den Jahren der Funkstille wurde immer mal wieder spekuliert, ob es vielleicht doch mal wieder zu gemeinsamen Aktivitäten kommen würde. Die Nachricht der Wiedervereinigung kam dann aber letztlich doch einigermaßen überraschend. Drummer Matt Cameron wurde praktisch unmittelbar nach dem Split von den Seattler Kollegen Pearl Jam angeheuert und ist dort bis heute gut beschäftigt. Sänger Chris Cornell war für drei Alben mit drei Viertel von Rage Against The Machine als „Audioslave“ aktiv und hat darüber hinaus seine Solokarriere voran getrieben. Spätestens mit der von Timbaland produzierten dritten Solo-Scheibe „Scream“ fiel es alten Soundgarden Fans jedoch mehr als schwer die musikalische Entwicklung des Goldkehlchens Cornell nachzuvollziehen. Wie passt da nun eine Reunion hinein? Kann man nach all dem was in den zwölf Jahren passiert ist tatsächlich da weitermachen, wo man auf dem kreativen Höhepunkt mit dem 1996er Werk „Down On The Upside“ aufgehört hat?

Wie dem auch sei, das Quartett lässt den Worten nun erste Taten folgen. Mit „Telephantasm“ gibt es eine Rückschau über die bisherigen Werke von Soundgarden. Ein „Best Of“ ist bei einer solchen Ausnahmeband gar nicht so einfach, denn in ihren aktiven Jahren bis 1997 veröffentlichten sie nur gutes und besseres Songmaterial und waren absolut stilprägend für den Seattle Sound, Grunge oder wie auch immer man die Phase der späten 80er und frühen 90er nennen möchte. Dabei waren Soundgarden immer eine der versiertesten Bands „der Szene“. Mehr als fähige Instrumentalisten und dazu ein Sänger mit einem unfassbaren Stimmspektrum. Keine andere Band hat Metal und alternativen Rock in solch einer Perfektion zusammengebracht.

Die Stücke auf „Telephantasm“ berücksichtigen die gesamte Schaffensperiode von der Frühphase auf dem legendären Sub-Pop-Label bis zum bereits genannten Abgesang „Down On The Upside“. Einzig das Langspieldebüt „Ultramega OK“ bleibt außen vor. Und was soll man sagen? Die Songs reißen nach wie vor mit und es zeigt sich einmal mehr, dass Soundgarden zu Recht als Meilenstein der Rockgeschichte gehandelt werden. Das treibende „Hands All Over“, die tonnenschweren Riffs von „Outshined“, das unwiderstehliche „Fell On Black Days“. Jeder einzelne Song ist ein absoluter Klassiker und über jede Kritik erhaben. Mit dem zwölften und letzten Stück „Black Rain“ gibt es dazu noch ein bisher unbekanntes Stück aus der „Badmotorfinger“-Phase oben drauf. Hier zeigt Cornell die eher höheren Lagen seines einzigartigen Stimmorgans, eingebettet in gewohnt dicke Gitrarrenriffs und leicht vertrackte Rhythmen.

Man fühlt sich schon nach wenigen Takten in die 90er zurückversetzt und hat seine wahre Freude daran. Müsste man hier einfach „nur“ die Musik bewerten, dann wäre die Sache klar: Zehn von zehn Punkten! Doch so leicht ist es nicht, denn wer über „Telephantasm“ spricht, darf über „A-Sides“ nicht schweigen. Nach ihrer Auflösung veröffentlichten Soundgarden nämlich bereits 1997 eine „Best Of Compilation“. Lässt man „Black Rain“ einmal außen vor, dann finden sich von den elf übrigbleibenden Telephantasm-Songs stolze acht Stück bereits auf „A-Sides“. Hinzu kommt, dass „A-Sides“ siebzehn Stücke präsentiert und damit fünf mehr als „Telephantasm“.

Um sich einen Überblick über das Schaffen der Band zu machen, ist „A-Sides“ also nicht schlechter, vielleicht sogar besser geeignet. Fairerweise muss man sagen, dass es auch eine Deluxe Version von „Telephantasm“ gibt, die dann auf zwei CDs und einer DVD insgesamt 24 Stücke und 20 Videos beinhaltet. Trotzdem: Zwölf Jahre nach dem letzten Lebenszeichen in Form einer „Best Of“ gleich wieder mit einer „Best Of“ einzusteigen, die in der Standardversion wie eine verkürzte Version von „A-Sides“ daher kommt, hat einen gewissen Beigeschmack und muss zu spürbaren Punktabzügen in der B-Note führen. Die Reunion wäre eigentlich genau der richtige Anlass gewesen endlich die schon seit Jahren immer mal wieder vage angekündigte B-Seiten- und Raritätensammlung in Angriff zu nehmen. Der Lackmustest für die Rückkehr steht jedenfalls noch aus: Nämlich die Frage ob Soundgarden auch nach dem Jahr 2010 mit neuem Material an ihre alte Brillanz anknüpfen können.

Anspieltipps:

  • Hands All Over
  • Outshined
  • Birth Ritual
  • Spoonman
  • Fell On Black Days
  • Burden In My Hand

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