KT Tunstall - Tiger Suit - Cover
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KT Tunstall Tiger Suit


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Tiger Suit“ atmet den Geist der Eigenständigkeit und der Selbstverwirklichung.

„Eye to the telescope” (05/2005) war ein musikalisches Kleinod. Vollgestopft mit herzerwärmenden Melodien, die gelegentlich in raue, dann wieder in träumerische Umgebungen gesteckt wurden, entfachte KT Tunstalls Debüt international nach kleinen Anlaufschwierigkeiten einen mittelgroßen Hype um die Musikerin chinesisch-irischer Abstammung. Der mehrfach mit Platin ausgezeichnete Erfolg sollte dann zumindest in England mit dem sukzessiven „Drastic fantastic“ (09/2007, die Akustikplatte „Acoustic extravaganza“ (09/2006) mal außen vor gelassen) wiederholt und mit einer offensiveren Strategie eingefahren werden. Die Quittung für lautere Arrangements und größere Gesten folgte auf dem Fuß: Trotz guter Kritiken und einem anfänglich guten Start in den Charts, sackte KTs Zweitling schnell ab und erreichte im Vergleich zu den fast zwei Millionen verkauften Einheiten des Debüts nur mehr schwache 225,000. Wie Kate Victoria Tunstall diesem Umstand nun entgegentritt? Gar nicht!

Ihr neuestes Studioalbum „Tiger suit“ atmet den Geist der Eigenständigkeit, der Selbstverwirklichung: KT macht, was sie will. Leider beschreitet sie diesen Weg sehr engstirnig und vergisst oftmals darauf, dass außer ihr vielleicht noch andere Individuen in den Genuss ihrer in Musik gepressten Gedankenkonstrukte kommen wollen. Vieles ist nämlich einfach zu aufgekratzt („Push that knot away“), verläuft sich komplett in einer Spirale aus gewagtem Songwriting und lästigen Einsprengseln aus dem Computer („Difficulty“) oder gebärdet sich allzu oberflächlich („Glamour puss“) um als sinnvoll, in sich abgeschlossene Komposition zu gelten. Es ist zwar nicht abzustreiten, dass Miss Tunstall in den letzten Jahren einige Kniffe dazugelernt hat, doch selten ist das Ergebnis so abgedreht, dass es schon wieder genial ist („Madame Trudeaux“), packt einen sofort mit fabelhaften Melodien („Fade like a shadow“) oder berührt durch sensiblem Umgang mit KT´s bekanntem Wechselspiel aus sanfter Stimme und sehnsuchtsvoller Lagerfeuerstimmung („The entertainer“).

Möglicherweise sind der Dame aber auch einfach nur die Ideen ausgegangen oder wieso wird „Black horse and the cherry tree“ als Blaupause für eine neue Nummer verwendet („Come on, get in“) bzw. warum orientiert sich die 35jährige an der längst in Vergessenheit geratenen Shea Seger, die auf ihrem Debüt „The may street project“ (03/2001) eine ähnliche Mischung aus elektronischen Elementen, Rock und Pop verfolgte und darauf einen Song namens „Clutch“ hatte, der frappierende Ähnlichkeit mit der Melodieführung des „Uummannaq song“ besitzt? Fragen über Fragen und „Tiger suit“ liefert keine vollends befriedigende Antworten darauf. Ach, was soll´s! Lassen wir Miss Tunstall ihren Spaß und sich nach dem ernüchternden Absatz ihres Vorgängers erst einmal munter austoben. Hoffentlich bedeutet das für den folgenden Longplayer dann eine fokussiertere Vorstellung. Immerhin wissen wir, dass du es kannst, KT. Also streng dich an!

Anspieltipps:

  • The Entertainer
  • Madame Trudeaux
  • Fade Like A Shadow

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