Röyksopp - Senior - Cover
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Röyksopp Senior


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Bezüglich der Ausrichtung von „Senior“ haben Röyksopp zumindest Wort gehalten und bieten eine introvertierte Platte an, die melancholisch-verträumt aus den Lautsprechern perlt.

Was war zuerst? Das Huhn oder das Ei? Das Chaos oder die Ordnung? Kekse oder das Krümelmonster? Schoss zuerst Han Solo oder war es doch der Rodianer Greedo? Fragen über Fragen, die absolut nichts mit Röyksopp zu tun haben, möchte man meinen, doch seitdem sich Torbjörn Brundtland und Svein Berge dazu entschlossen haben mit „Junior“ (03/2009) und „Senior“ zwei völlig unterschiedliche Seiten ihres Sounds der Öffentlichkeit preiszugeben, muss man sich einfach fragen: War zuerst die Idee des lockeren und tanzbaren „Junior“ geboren und entstand der Entwurf eines geteilten Doppelalbums erst im Nachhinein oder hatte das Duo schon von Beginn an einen musikalisch ähnlich gelagerten Nachfolger zu „The understanding“ (06/2005) im Sinne und wollte zwischendurch lediglich ein gewagtes Experiment einschieben?

Nachdem „Senior“ nun mit einem Jahr Verspätung (offziell war eine Veröffentlichung Ende 2009 geplant) auf die Gehörgänge losgelassen wird, bestätigt sich die befürchtete Vermutung: Röyksopp sind in eine Sackgasse gelaufen und wollten mit dem tanzbaren und aufgeweckten „Junior“ scheinbar aktive Schadensbegrenzung betreiben, denn „Senior“ hat zwar alles, was die Alben der Norweger bislang ausgezeichnet hat, vermisst durch das Wegfallen jeglicher Vokalspuren und einem allzu unspektakulären Ambient-Teppich jedoch schnell an Bodenhaftung und driftet ins musikalische Nirvana. Die zweigeteilte Mission von Brundtland und Berge ist damit nicht unbedingt als durch und durch fehlgeschlagen zu bezeichnen, aber ein einziger Longplayer als „Best Of“ der beiden Werke wäre mit Sicherheit die bessere Variante gewesen.

Wie dem auch sei, bezüglich der Ausrichtung von „Senior“ haben Röyksopp zumindest Wort gehalten und bieten eine introvertierte Platte an, die melancholisch-verträumt aus den Lautsprechern perlt. Das „Tricky tricky“-Motiv vom Vorgänger wird zu einer sphärischen Häufchenwolke aufgeblasen und schwebt kopfnickend über dem Haupt des Hörers, „The alcoholic“ ist ein sehnsüchtig seufzendes Synthesizerstück und „The fear“ wird mit einer unwiderstehlichen Melodie bestückt und fährt diese zudem nach allen Regeln der Kunst in einem furiosen Finale an die Wand, doch mehr dramaturgische Eleganz wollen die Norweger ihrem Publikum offensichtlich nicht vorsetzen. „The drug“ will betören, aufkratzen und gleichzeitig beruhigen, geht jedoch in Unentschlossenheit unter, „Forsaken cowboy“ schwurbelt am Rande seiner Existenz umher und langweilt, „Senior living“ ist mit seinen pathetischen Streichern und dem ebenfalls leidenden Chor zu dick aufgetragen und „Coming home“ sitzt wiederum in einer nichtssagenden Endlosschleife fest, die wie geschaffen für die nächste Loungebar scheint, aber kaum zum aktiven Hören einlädt.

„Senior“ bricht ungeniert mit der Tradition der bisherigen Röyksopp-Diskographie und reiht sich als Schlusslicht ins Regal ein. Was bisher zu einem nicht vernachlässigenden Teil die Gastauftritte und der meist sirenenhafte Gesang an zusätzlichen Emotionen aufbringen konnten, muss jetzt allein das kompositorische Geschick von Brundtland und Berge stemmen und versagt. Röyksopps Nummer 4 hat kein neues „Eple“ zu bieten, wandelt nicht auf den schwülstigen Pfaden eines "Sparks" oder offeriert epische Ausmaße wie „Triumphant“, sondern bleibt stets ein nettes, kaum forderndes Produkt mit wenigen Spitzen. Schade!

Anspieltipps:

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