The Thermals - Personal Life - Cover
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The Thermals Personal Life


  • Label: Kill Rock Stars/CARGO
  • Laufzeit: 32 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Zeit ein neues Kapitel in der Betrachtung der Thermals aufzuschlagen. Ihre rohen, aggressiv-stürmischen Garage-Rock/-Punk-Tage aus den Zeiten beim Sup Pop Label sind endgültig gezählt. Der Grat war ohnehin immer schmal hin zu melodiösesten Singalong-College-Rock und in Richtung dieses Gebirges scheinen Hutch Harris, Kathy Foster und Westin Glass nun endgültig geklettert zu sein, ohne absehbar baldige Rückkehr wie es scheint, man wird ja nicht jünger.

Vielleicht ist es auch das Problem eines sogenannten overoutputs: zu viel Musik in zu wenig zeitlichem Abstand. Oftmals wird das Alben machen so reiner Selbstzweck ohne echte künstlerische Aussage, die beim Rezipienten hängen bleiben könnte. Viele Bands werden schwächer, wenn sie Jahr für Jahr ohne reflektiven Abstand zu sich selbst veröffentlichen und veröffentlichen, jüngste Beispiele könnten Electric Six, Portugal. The Man oder auch The Mars Volta sein.

Nun schießen The Thermals erstmals in ihrer Karriere schnell, wieder bei Killrockstars im Übrigen, und kommen mit Album Nummer fünf nur ein Jahr nach „Now We Can See“ um die Ecke. Keineswegs sind die Thermals eine schlechte Rockband geworden, emotionsgeladen wie eh und je singt sich Harris den Leidenswolf, drischt das Schlagwerk von Glass und wummert der Bass und hallen die backing vocals von Foster. Doch scheint langsam gewahr, hatte der emotional ungestüme Ausbruch früherer Lo-Fi-Tage, mit karg genutzten Studioressourcen, etwas spezielleres, schöneres letzten Endes, als der heutige, glatt produzierte Thermals-Sound, den man die Garagenherkunft zwar nach wie vor unmissverständlich anhört, der aber immer mehr zum College-Rock-Sampler passt, was, bezieht man mal kurz eindeutig Position, nicht anders als Schade zu nennen ist.

Doch wollen wir das Gesamtbild nicht verzerren, die früheren Garagen-Rock-Lieblinge des stilsicheren Sub Pop Labels, sind einfach älter und gesetzter geworden, nichtsdestotrotz machen sie gut Rockmusik. Zu berühren weiß vor allem nach wie vor Harris Stimme, im konstant stampfenden „I’m Gonna Change Your Life“, im poppigen „Never Listen To Me“, im an frühere Tage erinnernden „Your Love Is So Strong“ und im prototypischen Thermals-Song neuerer, aufgeräumterer Tage „You Changed My Life“. Das Zimmer ist aufgeräumt, mittlerweile: diese Trope funktioniert am Besten, steht den Thermals aber auf Dauer nicht sonderlich zu Gesicht. Einmal gibt’s dafür noch Gut, doch deutet sich, wenn nicht bald ein Kurswechsel eingeschlagen wird die traurige aber wahrhaftige Etikette Belanglosigkeit an. In diesem Sinne hoffen wir auf eine lange Pause, bis zum nächsten Thermals-Album.

Anspieltipps:

  • I’m Gonna Change Your Life
  • Your Love Is So Strong
  • You Changed My Life
  • Never Listen To Me

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