Porcupine Tree - Recordings - Cover
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Porcupine Tree Recordings


  • Label: KScope/EDEL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Was, es gibt ein neues Album von Porcupine Tree? Neu ist es nicht, aber für einen großen Teil der jüngeren Liebhaber dieser Band wohl schon. Die Fans der ersten Stunde haben dieses Sammlerstück (20.000 Exemplare) seit neun Jahren im CD-Schrank stehen. Der große Rest durfte seitdem nur die dreistelligen Preise bei amazon, eBay und co. bewundern. Endlich gibt es eine Neuauflage und im Gegensatz zu „Lightbulb Sun“ und „Stupid Dream“ haben sich die Musiker entschieden dieses Album nicht zu remastern und auch keinen 5.1-Mix abzumischen, um den Händlern der alten längst vergriffenen Auflage den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Der Titel verrät bereits den Inhalt. „Recordings“ beinhaltet einzelne Stücke, die es damals nicht auf die Alben „Stupid Dream“ und „Lightbulb Sun“ geschafft haben. B-Seiten würden es wohl einige nennen, doch damit tut man den Stücken absolut unrecht. Jedes Porcupine Tree Album ist einer Grundstimmung unterworfen, entsprechend fällt die Auswahl der bereits aufgenommenen Stücke (Recordings) und deren Anpassung ans große Ganze aus. Diese hier waren zu leise, zu akustisch, hatten zu wenig Popattitüde und zu wenig Rockeinschlag um auf den genannten Alben zu landen. Wer hätte vermutet, dass solche Zuckerstückchen geopfert wurden und auch noch so sorgsam miteinander zusammengestellt auf „Recordings“ landen?

Gleich zu Beginn wird mit „Buying New Soul“, was einige bereits von Konzerten kennen, einmal mehr das Songschreiberische Können von Steven Wilson bewiesen. Kann dieser Mann überhaupt schlechte Songs schreiben? Dieser jedenfalls gehört zu den besten der Engländer und ist schon allein das Geld für das ganze Album wert, so akustisch ruhig zu Beginn, mit mehr Tempo und Spielwitz im Mittelteil, verstärkte Soundscapes und Gitarrensolo im letzten Teil und immer wieder dieser grandiose Refrain. Kontrastiert wird dieser erste Höhepunkt von dem flippigen „Access Denied“, welches ein Stakkato Grundmuster für Piano und Gitarre auffährt, aber zwischendrin immer wieder umschwenkt, verlangsamt und fast schon Beatles Charakter annimmt.

Einige Stücke wabbern in Ambient-Manier vor sich hin („Oceans Have No Memory“, „Cure For Optimism“), andere entwickeln sich zu richtig psychedelischen Nummern, die besonders an die älteren Taten der Band erinnern, wie „Ambulance Chasing“, das eine innere Unruhe dank der in den Vordergrund gemischten harten Schlagzeugbeats ausstrahlt bevor es plötzlich quasi ausbricht. Eine Fortsetzung von „Buying New Soul“ ist in „Untitled“ zu hören, ein ähnlicher musikalischer Rahmen nur ohne Gesang, improvisiert und mit spät einsetzender Gitarre, die langsam ein Crescendo aufbaut und dann wieder abklingt. „Disappear“ hingegen ist ein sehr schöner Pop-Rock-Song geworden, zunächst entspannt mit Trommeln im Hintergrund nimmt er langsam mehr Fahrt auf. Als Extra Sahnehäubchen gibt es die ungekürzte 14minütige Fassung von „Even Less“, einem weiteren Prog-Meilenstein dieser Band.

Die Songs sind unterschiedlich und doch miteinander verknüpft, vermehrt sphärisch sowie leise und trotzdem voller rockiger und psychedelischer Ereignisse. Von einer Resteverwertung kann hier zu keinem Augenblick gesprochen werden, denn von der Qualität her kann „Recordings“ locker mit den regulären Alben von Porcupine Tree mithalten. Von solchen vermeintlichen B-Seiten können viele Bands nur träumen.

Anspieltipps:

  • Buying New Soul
  • Disappear
  • Ambulance Chasing
  • Even Less

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