Weezer - Hurley - Cover
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Weezer Hurley


  • Label: Epitaph/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Müßig zu erwähnen, das auch „Hurley“ längst nicht an die Klasse der frühen Tage heran reicht.

Eines kann man Weezer ganz sicher nicht vorwerfen: Untätigkeit. Seit dem grandiosen Debüt aus dem Jahr 1994 liegt mit „Hurley“ nun bereits das achte Studioalbum vor. Das ist kein schlechter Schnitt. Diese Frequenz ist in der Bandgeschichte jedoch nach wie vor eine recht neuartige Entwicklung. Das war beileibe nicht immer so. Insbesondere in den letzten Jahren scheint Weezer nun aber eine regelrechte Arbeitswut gepackt zu haben. Seit dem „Red Album“ aus dem Jahre 2008 wird nun im Jahresrhythmus abgeliefert. Bis dato hatte man sich eigentlich mit eher längeren Abständen zwischen zwei Alben angefunden. Ist diese Akkordarbeit nun erfreulich, da der Weezer-Freund öfter neue Kost bekommt, oder eher bedenklich, da darunter zwangsläufig die Qualität leiden muss? Letztere Sorge ist dabei zunächst durchaus berechtigt, denn mit dem Vorgänger „Raditude“ gab es vor nicht weniger als einem Jahr schon eine eher fragwürdige Weezer-Veröffentlichung und „Represent“, das Lebenszeichen zur Fußball-WM 2010, war dann auch völlig indiskutabel.

Man kann ein Stück weit durchatmen, denn „Hurley“ ist wieder besser gelungen. Dabei fällt das nicht unbedingt sofort auf, denn mit „Memories“ eröffnet ausgerechnet ein schwächeres Stück das Schaulaufen des neuen Liedguts. Der unterirdische Refrain wird auch nicht dadurch gerettet, dass hier im Verlauf des Liedes praktisch die komplette Jackass-Bande um Johnny Knoxville im Background aushilft. Man fragt sich, warum ausgerechnet diese Nummer als erste Singleauskopplung gewählt wurde. Doch auch in der Vergangenheit hatten Weezer schon nicht immer das beste Händchen bei der Auswahl der Singles. Man denke etwa an das unsägliche „Beverly Hills“ aus „Make Believe“- Zeiten. Aber zurück zu „Hurley“: Schon mit Track Nummer 2 macht sich Erleichterung breit. Das sind Weezer, wie man sie kennt und schätzen gelernt hat. Viel Rock gepaart mit nahezu ebenso viel Pop. Das funktioniert bei den meisten Nummern durchaus gut.

Welche Zutat da noch fehlt ist der Weezer-typische, leicht schräg-ironische Humor. Auch den gibt es natürlich fei Haus serviert, und zwar nicht nur mit dem Cover, das den guten Hurley aus der Serie „Lost“ ziert. Zuckt man etwa zu Beginn von „Trainwrecks“ bei platten Phrasen à la „we sleep all day and rock the night” zunächst kurz zusammen und denkt „Bitte nicht!“, so muss man dann bei Textzeilen wie „we don’t update our blog“ oder „we’re takin’ cabs ’cause both our cars are trashed“ doch unweigerlich schmunzeln, wenngleich hier wohl sehr bewusst mit Selbstironie und Uncoolness kokettiert wird. Als würde Herr Cuomo seine Spielchen mit dem Hörer spielen, wird dann ausgerechnet der absurdeste Text im Fall von „Where’s My Sex“ in eine einnehmende Melodie verpackt, so dass man beinahe widerwillig ins rhythmische Kopfnicken verfällt. Sowieso: Rivers Cuomo schüttelt nach wie vor Melodien aus dem Ärmel, um die ihn abermals viele Kollegen beneiden werden. Das Ganze wird dann gepaart mit zwar wieder recht simplen, aber doch satten Rockriffs. Es wird aber nicht ausschließlich durchgerockt. „Unspoken“ beginnt im akustischen Gewand, unterstützt von Flöten und Streichern. Für die letzten 50 Sekunden wird dann aber doch wieder das Rockbrett rausgeholt und kleiner Höhepunkt serviert.

Einen gewissen Beigeschmack hat die Tatsache, dass trotz allem mal wieder ein paar Lückenfüller auffallen, die zwar nicht wirklich schlecht, aber doch irgendwie belanglos daher kommen (neben dem bereits genannten „Memories“ bspw. auch „Run Away” und “Smart Girls”).

Zum Abschluss der regulären Spielzeit gibt es sie dann ein weiteres Mal: Eine kleine Melodie, die sich schon bald unweigerlich in die Gehirnwindungen fräst. Frontmännchen Cuomo scheint das genau zu wissen, wenn er in der leicht schrägen Nummer „Time Flies“singt: ”Some sad day, they'll be taking me away/But I won't be dead/Cause even when I'm gone, this stupid dance song/Will be in your head/I'll be looking down with a twinkle in my eyes”. Dem ist zunächst einmal nichts hinzuzufügen.

Müßig zu erwähnen, das auch „Hurley“ längst nicht an die Klasse der frühen Tage heran reicht. Dieser Dauervergleich ist zugegebener Weise ziemlich unfair, denn Meilensteine wie das „Blue Album“ oder auch das nach wie vor unterschätzte „Pinkteron“ können wohl kaum wiederholt werden. Die Weezer-Kurve zeigt mit „Hurley“ auf jeden Fall wieder nach oben. Wenn das so weiter geht, dann sollen Weezer gerne jedes Jahr ein Album veröffentlichen.

Anspieltipps:

  • Ruling Me
  • Train Wrecks
  • Unspoken
  • Where’s My Sex

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