Tweak Bird - Tweak Bird - Cover
Große Ansicht

Tweak Bird Tweak Bird


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 28 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwei Brüder, eine Band. Caleb und Ashton Bird sind Tweak Bird und treiben Heavy Metal, Stoner-Rock und Heavy Blues in ungewöhnliche Gefilde: den Jazz. Kontraste, unvereinbare Ambivalenzen, gelebte Anachronismen: die beiden Brüder aus Illinois kennen keine Sackgassen und ganz sicher auch keine versteifte Tradition. Fetteste Riffs und erdrückendes Drumming kontrastieren mit hochtonalem 70’s-Rock-Gesang der hippiesken Schule. Und als wenn das nicht schon Zynismus genug wäre, verwässern Bläser und sogar Flöten den einen oder anderen Song, der so vielversprechend Böse begann.

Dass das ganze aufgerundete 28 Minuten weilt und zehn Tracks stark ist, wirkt zu Beginn als Gewinn und kluger, den Zugang erleichternder Schachzug, auf Dauer aber als wahrscheinlich mit Absicht verschwendetes Talent. Unberechenbare Nihilisten am Werk, womöglich. Sehr vielversprechend in jedem Falle. Aber wer sich erinnert, auch bei Helmet fanden es mal alle unglaublich großartig, gewagt und bahnbrechend, dass auf ihrem großen Wurf namens „Betty“, anno 1994, der knüppelnde Hard-Rock in gefühlten zwei Fällen in Free-Jazz-Experimenten mündete. So schön es damals war, so eitel konserviert sich diese wiedervereinte Kombo mittlerweile in veritabler Langeweile, und zwar gänzlich ohne Free-Jazz.

Caleb und Ashton Bird erscheinen, nach dem was ihre Kunst hergibt, da intelligenter, schelmischer zu sein; Clevere weirdos, die ein gewisses Maß an Unberechenbarkeit gepachtet zu haben scheinen. Trotzdem ist das, eingedenk Helmet, keine Garantie, dass die drei Songs, die mit Bläsern und einmal mit Flöte äußerst kreativ, zynisch witzig und überraschend Heavy Rock in Jazz-Bahnen ablenken, dass diese drei Songs („A Sun/ Ahh Ahh“, „Flyin’ High“ und „Distant Airways“) also Tweak Bird für immer auf Heavy-Rock-meets-Jazz bürsten. Dazu sind diese 28 erfreuliche und clevere Minuten einfach nicht genug. Aber ein richtig guter Aperitif allemal. Dass Dale Crover (Melvins) und Toshi Kasai (Big Business) den Spaß produzierten, steckt nicht nur den Einordnungsrahmen ab, sondern garantiert ein gewisses Maß an Authentizität ob die beiden Illinoiser Brüder tatsächlich so durchgeknallt sind, wie sie auf ihrem zu kurzen Debüt tun. Das Melvins-Sigel lügt nicht. Vielversprechend und absichtlich unvollendet, aber mit dem besten Cover des Jahres versehen: Tweak Bird aus Illinois.

Anspieltipps:

  • A Sun/ Ahh Ahh
  • Tunneling Trough
  • Lights In Lines
  • Sky Ride
  • Flyin’ High
  • The Future
  • Distant Airways

Neue Kritiken im Genre „Alternative Rock“
6/10

(How To Live) As Ghosts
  • 2017    
Diskutiere über „Tweak Bird“
comments powered by Disqus