Yoav - A Foolproof Escape Plan - Cover
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Yoav A Foolproof Escape Plan


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Albumtitel „A Foolproof Escape Plan“ trifft es in der Hinsicht, dass diese Musik narrensicher beim Publikum ankommen wird.

Es gibt sie immer häufiger. Die großen Stars, die weltweit Hit um Hit an die Spitze der Charts katapultieren und die Massen bezaubern. Ihre Gesichter prägen die Cover der wichtigsten und einflussreichsten Musik- und Gesellschaftsmagazine. Der pure Wahnsinn spielt sich ab, wenn ihr Name auf den großen Werbetafeln dieser Welt erscheint. Und dann gibt es noch Musiker, deren Namen sich für die meisten immer noch nach einer Kaffeemarke oder einem Haushaltsmittel anhören und die trotz Live-Erfolgs und Spitzenpositionen in Charts von B-Ländern nicht mehr als ein überlegtes Stirnrunzeln ernten. Zu diesen Künstlern gehört auch Yoav, der in Israel geboren, in Südafrika aufgewachsen ist und in Russland schon mal die Nummer eins und in Kanada Headliner war. Das ändert wenig daran, dass die Deutschen weiter die Stirn runzeln.

Da Stirnrunzeln jedoch alt aussehen lässt und das momentan nicht in Mode ist, will der Rezensent Abhilfe schaffen. Dieser junge Mann zaubert mit seiner Gitarre beinahe im Alleingang Melodien hervor, die zumindest auf dem Album alleine noch von einem Produzenten unterstützt werden. Natürlich kommen da noch viele Effekte und andere Instrumente zum Einsatz, doch das Grundgerüst bilden Yoav und seine Gitarre. Frei nach dem Motto: Never Change A Winning Team. In bester Singer/Songwriter-Manier beginnt ein Album, das noch viele Tiefen aufweisen wird, in denen man sich verlieren kann. Andeuten tun sie sich im Eröffnungsstück nur andeutungsweise. Denn da tauchen doch einige Töne auf, die man der Gitarre so nicht zugetraut hätte oder zumindest nicht allzu oft hört. Von innovativer Musik zu sprechen scheint übertrieben, aber Hoffnung macht der Spannungsbogen des entspannten „Greed“ auf jeden Fall.

„Greed“ ist aber nur ein seichter Vorgeschmack auf das Repertoire des israelischen Südafrikaners… oder andersrum. Gleich „Moonbike“ zeigt, dass Yoav nicht auf bloße Ohrwürmer aus ist, sonder auch am Experimentieren seine helle Freude hat. Elektro-Glockenspiel und klar afrikanisch angehauchte Rhythmen sorgen im Zusammenspiel mit sphärischer Gitarre und Falsetto-Gesang für eine starke Atmosphäre, bei der alles passt, was passen muss. Hier muss ein Justin Timberlake aufpassen, dass ihm der Electro-Pop nicht streitig gemacht wird. Mindestens genauso heiß klingt nämlich auch Yoav. Dass „Moonbike“ kein Ausrutscher ist, zeigt das anschließende „Safety In Numbers“ und auch „Anonymous“, wenngleich hier mehr auf Hymne gemacht wird, beweist Clubqualitäten. „We Are All Dancing“ ist dann noch der Anwärter für alle Chill-Lounges von Kapstadt bis New York und Tokio. So wird es gemacht! Aber nicht nur Clubgänger und Charthörer haben ihre Freude mit dem Gitarristen.

Gerade die Einflüsse seiner Heimat machen das Album aus. „Yellowbrite Smile“ und „Easy Chair“ wären einfach nur gute Songwriter-Perlen britischer Qualität, wenn da nicht die mitreißenden Rhythmen wären und in letzterem Lied noch die nahöstliche Gitarre. Anstatt nur auf diese fremdkulturellen Elemente zu setzen werden die Songs beide mit tollem Chorus untermalt, was abermals zu zufriedenem Gesichtsausdruck beim Hörer sorgt. Coldplay zeigten auf ihrem letzten großen Output mit „Strawberry Swing“ bereits, welch frischer Wind aus südlicher Richtung wehen kann und bei Yoav funktioniert das ganze noch ein gutes Stück experimenteller und so paart sich das klar ans Dance-Genre orientierte Klavier problemlos mit Gitarren-Pop und Afrika-Beats in „Yellowbrite Smile“, während „Easy Chair“ die Ballade mit Nahost-Charme stellt, in der besonders Yoav wieder mit seiner einprägsamen Stimme glänzen darf.

Der Albumtitel „A Foolproof Escape Plan“ trifft es in der Hinsicht, dass diese Musik narrensicher beim Publikum ankommen wird. Warum ein Fluchtplan? Nun, womöglich die Flucht vorm Mainstream, ohne dass es dem Hörer auffällt. Zu gängig funktioniert eine reduzierte Ballade wie „Spidersong“ und doch klingt sie esoterisch wie es kein Charthit tun möchte. Im gleichen Reduktionsgewand präsentiert sich „Little Black Box“, welches eine tanzbare Nummer zwischen Club, Lagerfeuer und Lounge zaubert. Wer hier nach Höhepunkten während des Tracks fragt, merkt nicht, dass die Stücke selbst den Höhepunkt darstellen. Schnell lassen sich typische Melodiefolgen der Chartgrößen heraushören und doch klingt Yoav ganz anders. Dieser Mix aus Tanzbarkeit, Songwriter-Ehrlichkeit und Eingängigkeit sollte in keinem CD-Regal fehlen, welches auch nur ansatzweise auf Singer/Songwriter fixiert ist. Yoav bringt frischen Wind und wenn auch der ganz große Widererkennungswert noch nicht vorhanden ist, ist die Stärke des Materials nicht wegzuhören.

Anspieltipps:

  • Yellowbrite Smile
  • Moonbike
  • Spidersong

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