Bad Religion - The Dissent Of Man - Cover
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Bad Religion The Dissent Of Man


  • Label: Epitaph/INDIGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Bad Religion liefern streng genommen seit 30 Jahren ein identisches Programm ab.

Kann es nach 30 Jahren und 15 Alben wirklich noch Steigerungsmöglichkeiten geben? Will sich eine Band nach so langer Zeit überhaupt noch neu erfinden? Was ist das Ziel? Einfach Spaß haben? Den einen oder anderen Song schreiben, weil er echt super ist? Musik machen, weil es der Beruf ist, den man gewählt hat? Was geht Musikern wie den Männern von Bad Religion nach so langem Bestehen durch den Kopf?

Die Welt hat sich seit der Bad-Religion-Gründung in unglaublichem Maß verändert. Trifft die Band deshalb noch den Zeitgeist oder sind ist sie nur noch eine Reminiszenz an frühere Tage? Sollte man sich wirklich so viele Gedanken machen? Sollte man nicht viel lieber die Klappe halten und sich freuen, dass eine nachweislich gute Punkrockgruppe neues Material auf den Markt wirft oder sollte man hinterfragen, wie wichtig eine Gruppe wie diese für den heutigen Rockfan ist?

Bad Religion liefern streng genommen seit 30 Jahren ein identisches Programm ab. Die Texte und Botschaften veränderten sich mit der Zeit nur wenig. Es wurden und werden Kriege, Politiker und soziale Missstände angeprangert. Die heftigen Instrumentalpassagen und Mosh-Pit-Momente wurden dabei von Jahr zu Jahr seltener und zwischenzeitlich klang das Ganze mehr nach Alternative Rock, als nach Punk. Doch wer meint, dass Bad Religion ausgedient haben, hat die Verkaufszahlen der letzten Jahre nicht mitbekommen. Das Konzept scheint immer noch aufzugehen. Es scheint sich sogar zu etablieren, denn mit dem kurzen Opener, der ziellos an alte Punk-Tage erinnert, kann niemand etwas anfangen. „Only Rain“ und „The Resist Stance“ zeigen zwar, dass die alten Herren immer noch können – wenn sie denn nur wollen – aber das Gros der Lieder ergötzt sich an konventionellen Rockstrukturen, die einen Hauch 90er Jahre in sich tragen und lieber zum Augenschließen, statt zum rebellieren anstiften.

Die Lieder halten sich hierbei die Waage, wobei die meisten Punkstücke der neuen LP in einer solchen Art dargeboten werden, dass Liebhaber der Alternativ-Fraktion keine Probleme mit diesen Tracks haben sollten. Selbst „Meeting Of Minds“, das wirklich stürmisch beginnt und sich nicht der Versoftung der Neuzeit auszusetzen scheint, zeigt im Chorus sein massenkompatibles Gesicht. Oft schaffen es Bad Religion, dass die Lieder im Kopf bleiben, allerdings jeweils nur so lange, bis der nächste bessere Song kommt. Sucht der Hörer anschließend nach der Melodie des vorigen Tracks, steht er auf verlorenem Posten.

Die Rock-Veteranen bieten auch auf ihrem 15. Album alles, wofür sie in den letzten Jahren ihrer Karriere bekannt sind. Einfache, gute Rockkost, die sich innerhalb einer Dekade – diesen Kritikpunkt muss man den bösen Zungen lassen – nur wenig verändert. Wer vorher wissen möchte, was sich in der Verpackung befindet, wird hier nicht fürstlich, doch immerhin solide bedient. Kleine Ausrutscher und schwache Momente werden mit durchgehend stimmigen Refrains ausgeglichen. Unterm Strich gibt es weder echte Höhepunkte noch Nieten. Doch: Braucht die Welt ein solches Album und inwiefern ist es wichtig für diese?

Anspieltipps:

  • Only Rain
  • Meeting Of The Minds
  • Ad Hominem

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