Deerhunter - Halycon Digest - Cover
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Deerhunter Halycon Digest


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mittlerweile bei ihrem vierten Album „Halycon Digest“ angelangt, ist das Quartett Deerhunter aus Atlanta zu einer festen Institution im amerikanischen Indie-Rock mit psychedelischer Shoegaze/Noise-Prägung geworden. Deerhunter sind Mastermind Bradford Cox, der zuletzt mit einem Album seines Nebenprojektes Atlas Sound glänzte, Lockett Pundt, Joshua Fauver und Moses Archuleta. Ihre musikalischen Vorlieben reichen von The Fall, Stereolab, My Bloody Valentine bis hin zum renommierten Electro-Label Kompakt Records und Soul des legendären Motown Labels. So abwechslungsreich wie die Vorlieben und Einflüsse des Quartetts sind, so ist auch ihre Musik eine überaus spannende Mischung aus verzerrten Soundscapes und lieblichen Melodien samt herzzerreißendem Gesang eines Bradford Cox, dessen exzentrische Bühnenshows für offene Münder sorgen.

Die Entwicklung ihres letzten Albums, nämlich „Microcastle“ (2008), wird auch auf „Halycon Digest“ fortgeführt. Weg von allzu verschachtelten Eskapaden und hin zu entspannter, song-orientierter Ausrichtung. Nicht selten bilden da die Sechziger eine tragende Säule, die zum Beispiel beim Quasi-Hit „Revival“ oder „Fountain Stairs“ mit melodie-seliger Beat-Musik und träumerischer Leichtigkeit aus anderen Sphären für sonnige Unterhaltung sorgt, ohne die experimentelle, flächige Seite von Deerhunter ganz zu verstecken. So beginnt das Album in Form von „Earthquake“ im Zeitlupentempo, verschleppte Beats umkreisen die Klänge einer gezupften Gitarre und werden von industriellen Sounds (die besonders per Kopfhörer ihre verstörend schöne Wirkung entfalten) nochmals ergänzt. Ganz zu schweigen von den entrückten Vocals, die einen tief in die Dunkelheit ziehen, ist dieser Track ganz sicher einer der atmosphärischen Höhepunkte auf „Halycon Digest“.

Dafür dass dieser Höhenflug nicht das gesamte Album anhält, ist der zu deutliche Hang in Richtung 60´s-Frohmut verantwortlich. Obwohl die Spannung gerade durch diese Breite an Gefühlen und Ausdrucksformen lebt, hätte dem Longplayer eine länger anhaltende dunkel pulsierende Tendenz noch mehr Präsenz geschenkt. Besonders deutlich ist es, da der Opener eben diese Facette von Deerhunter auf die Spitze treibt und auch „Sailing“ zerbrechlich erobert. Andere Jahrzehnte haben ebenso ihre Spuren hinterlassen. So punktet „Desire Lines“ mit Wave-Gitarren und zart tanzbarer Note a la The Jesus & Mary Chain. Ein schöner Jam-Part mit dicht gewebten Gitarren-Effekten holt so manches aus dem Song raus, während der Schlusspunkt „He Would Have Laughed“ mit einer Widmung an den kürzlich verstorbenen Musiker Jay Reatard bedrückend verzückt. Es wäre in der Gesamtheit mehr Intensität drin gewesen, aber das sind Makel einer ansonsten bestechenden Platte.

Anspieltipps:

  • Earthquake
  • Revival
  • Desire Lines
  • Helicopter

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