Neil Young - Le Noise - Cover
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Neil Young Le Noise


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 38 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Le noise“ konzentriert sich strikt auf das Zusammenspiel zwischen Youngs mal klagend-trotziger, mal brüchig-verletzter Stimme und seiner Gitarre.

Genug gemeckert! Der Keller des „Godfather of Grunge“ ist entrümpelt, katalogisiert und endlich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Der erste Teil der „Neil Young Archives“ steht nun seit geraumer Zeit (05/2009) im gut sortierten Fachhandel, sodass sich Interessierte den Anfangsjahren (1963-1972) des kanadischen Singer/Songwriters ausgiebig widmen können. Nichtsdestotrotz hat Onkel Neil abseits dieses Projekts an einer neuen Platte gearbeitet, die unter dem Namen „Le noise“ die experimentelle Phase der 80er reaktivieren und den Altmeister zu neuen Ufern führen soll. Für dieses Unterfangen wurde der mit fünf Grammys ausgezeichnete Produzent Daniel Lanois (U2, Sinead O´Connor, Willie Nelson, Bob Dylan) verpflichtet, der Youngs Geschichten so faszinierend, authentisch, aber auch so anders wie möglich auf CD pressen soll.

Gemäß dem Motto „Ein Mann auf einem Stuhl und ich, der einen guten Job bei der Aufnahme abliefert“, konzentriert sich „Le noise“ strikt auf das Zusammenspiel zwischen Youngs mal klagend-trotziger, mal brüchig-verletzter Stimme und seiner Gitarre, lediglich begleitet von elektronisch verfremdeten Effekten, Samples in Dauerschleife oder allumfassender Stille. Bevor die Platte allerdings ihre volle Wirkung entfalten kann, muss man die drei Eröffnungsstücke „Walk with me“, „Sign of love“ und „Someone´s gonna rescue you“ über sich ergehen lassen, die mit den gewohnt kratzigen Riffs durch die Boxen geschliffen werden und wie Youngs Stimme nach Herzenslust mit Hall, Verzerrer oder sonstiger künstlicher Nachbearbeitung verfälscht wurden, was nicht viel Spielraum zwischen Lieben oder Hassen lässt.

Erst „Love and war“ zähmt das scheinbar unkontrollierbare Klangexperiment und fokussiert viel mehr die Geschichte hinter der Musik anstatt unreflektiert seine Kreise zu ziehen. Bevor die minimalistische Komponente jedoch ihren Siegeszug antreten darf, lehnt sich Young mit „Angry world“ zu weit aus dem Fenster und nervt mit einer wirren Mischung aus Akustik-Stadionmetal, durchdringenden Vokalloops und belanglosem Text. Danach steuert er zum Glück persönliche Gefilde an und singt ungeschönt über seine Drogenerlebnisse und dem andauernden Wanderleben („I´m trying to leave my past behind but it´s catching up with me“ aus „Hitchhiker“) oder hält eine Mischung aus längeren Instrumentalpassagen und berührender Story bereit („Peaceful valley boulevard“), die das Album bitter nötig hat, denn nach dem unauffälligen Ausklang „Rumblin´“ ist „Le noise“ schon wieder um.

Zugegeben, den Altmeister beim Entdecken neuer oder schon lange nicht angewandter Facetten zuzuhören macht Spaß, ist aber, wenn das Ergebnis schlussendlich nicht überzeugt, vergeudete Zeit. Young will sich nicht zu hundert Prozent auf seine Schreibfeder stützen, sondern auch musikalisch Zeichen setzen. Das ist keineswegs verkehrt, bei einer Ausbeute von 3 - 4 annehmbaren Songs auf einem Album, das nur 8 beinhaltet, allerdings mehr als mager.

Anspieltipps:

  • Hitchhiker
  • Love And War
  • Peaceful Valley Boulevard

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