Kings Of Leon - Come Around Sundown - Cover
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Kings Of Leon Come Around Sundown


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Moderne Rocksongs und Retro-Lieder halten sich die Waage.

Ein Blick zurück: Die Kings Of Leon sind nach ihrem Debütalbum ein Hoffnungsträger des Retrorocks geworden und mit dem schnell anschließenden „Aha Shake Heartbreak“ leider in der Versenkung verschwunden. Ein kleines Schwächeln reicht bei der Sintflut an neuen Bands pro Jahr, dass die Followills in Vergessenheit geraten und es sind allein die Engländer, die den Wanderpriestersöhnen den nötigen Respekt für ihr großartiges „Because Of The Times“ (2007) erweisen. Das Album zeigt nach dreijähriger Pause völlig neue Facetten. Vom einfachen Rock mit trockenem Südstaaten-Flair war das Wichtigste geblieben und wurde durch anspruchsvolle Rhythmen, Experimente an den Saiteninstrumenten und ein Gespür für große Melodien erweitert. Das war teilweise schon Prog-Rock, der den Hörer trotz einfacher Songstrukturen zu fordern vermochte. Auf „Only By The Night“ klang das Ganze ein gutes Stück zugänglicher für die breite Masse und seitdem genießen die Kings Of Leon einen Ruf von Weltrang.

Wie Tokio Hotel müssen sich die Kings Of Leon wohl keine Sorgen um die Verkaufszahlen ihres Albums machen, nur dass bei den Kings immer wieder hochwertige Kost erwartet werden darf. Zwei Jahre sind vergangen und nachdem der große Erfolg inklusive Welttournee gefunden wurde, äußert niemand Ängste vor dem möglichen Versagen der neuen Platte. Auch die Angst vor Wiederholung könnte sich einschleichen, sodass die frisch gebackenen Weltstars einfach ihr Geheimrezept neu aufbacken. „The End“ ist gleich der erste Grund, solche Befürchtungen zu hegen. Durchdringende Gitarren wie in „Closer“, durchdringender Gesang und klares, heraus stechendes Schlagzeug: Willkommen zurück in der Erfolgsspur. Kein Schelm, wer hierbei an Wiederholung denkt, doch die Qualität spricht für sich. „The End“ bringt den Hörer von der ersten Sekunde an zurück in den Kings-Of-Leon-Kosmos.

So entspannt und kraftvoll zugleich mit Calebs rauer Stimme wirkt das Lied, wie es kein zweites zur Zeit tut. Die Vorab-Single „Radioactive“ beschwört ebenfalls alle Stärken der Band herauf, klingt typisch nach Ihnen, allerdings mit weniger hörbaren Parallelen zu alten Songs. Die Gospel-Note, die der Track im letzten Drittel erfährt ist nur ein kleines Detail, welches jedoch zusammen mit den verspielten Riffs und Calebs sympathischen „Oooohs“ ein völlig neues Gesamtbild vermittelt. Hier vereint sich so ziemlich alles, was man an den Followills lieben kann. Gleiches lässt sich über „Pyro“ sagen, welches das Herz der Hörer im Sturm erobern dürfte. Ähnlich wie „Use Somebody“ wird hier eine Stadionhymne gebastelt, die es in sich hat. „Pyro“ setzt weniger auf den offensichtlichen Stadioneffekt eines „Use Somebodys“, doch der Chorus wurde erfunden, um mitgesungen zu werden und das Crescendo zum Ende des Tracks sorgt für die letzten nötigen Glückshormone. Den Titel „Pyro“ einfach vormerken, da er als eine der schönsten Rockhymnen 2010 in die Jahrbücher gehen dürfte.

Auch die Caleb und Co. dürfen Schwächen zeigen und so ist „Mary“ ein wenig sehr zuckersüß geraten, ohne Besonderheiten zu bieten. Nicht weniger romantisch, aber um einige Facetten reicher gibt sich „The Face“, welches (immer diese elendigen Vergleiche) ansatzweise an das wunderschöne „Cold Desert“ erinnert. Der bisherige Verlauf des Albums zeigt, dass die Kings es auch diesmal nicht für nötig halten, leichtere Rocker wie „Sex On Fire“ am Fließband zu produzieren. Ein Fakt, der nicht jedem schmeckt, dafür ein breites Spektrum und die atmosphärischen Rocker, welche die Band so gut beherrscht, zulässt. „The Immortals“ ist wieder so ein Beispiel einer Hymne, zu der man weder wirklich ausrasten, noch einfach nur träumen kann. Es ist von allem etwas enthalten und so bleibt nur noch eines: Genießen!

„Back Down South“ stützt den Genuss mit Country-Streichern und zeigt, dass es dieser Band gegeben ist, ein Stück ganz ohne Innovationen zu schaffen und trotzdem nicht zu langweilen. Keine hektischen Riffs oder komplizierten Klangabfolgen. „Back Down South“ ist einfach nur ein schöner Track, der zum Ausspannen einlädt und sich gar nicht erst damit abmüht, wie ein Meisterwerk wirken zu wollen. So merkwürdig es klingt, ist die gewollte Limitation hier etwas Angenehmes. „Beach Side“ funktioniert nach demselben Prinzip und gefällt mit gemütlichen Reminiszenzen an „Razz“ von „Aha Shake Heartbreak“. Überhaupt keimt die Ära der Leon-Beginne auf, denn „No Money“ bringt ungeschliffene Gitarren und schnelles Tempo. Allein Calebs stark veränderter Gesang, sowie der Hang zu langen „Oooohs“ und „Aaaaahs“ verdeutlicht, dass es sich um die aktuellen Rocker handelt. Auch „Pony Up“ klingt ungewöhnlich nach dem Rock der ersten beiden Alben. Dieser wird jedoch mit der Experimentierader von „Because Of The Times“ und dem Gefühl für die Massen aus „Only By The Night“ gepaart.

Was sind Songs wie „Birthday“, die gerade in den Soli-Passagen zeigen, dass sie an die Beginne der Band erinnern. Sind diese eher altmodischen – oder aber zeitlosen – Arrangements ein letzter Blick zurück oder die Zukunft der Band? Gerade die zweite Hälfte liefert genug Gründe, um den Schluss zu ziehen, dass die Band wie früher klingen möchte. „Mi Amigo“ reiht sich ebenfalls bei den entspannten Rockern ein, die den Großteil des Albums ausmachen. Moderne Rocksongs und Retro-Lieder halten sich letzten Endes jedoch die Waage und lassen nicht mehr als Spekulationen zu. Albert Einstein sagte zwar „mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben“, aber bei aller Neugier lehnt man sich zu den durchweg gelungenen Tracks des neuen Albums so gerne zurück, dass die Gegenwart ruhig noch ein wenig verweilen darf.

Anspieltipps:

  • Pyro
  • The Face
  • Pony Up

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