Graziella Schazad - Feel Who I Am - Cover
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Graziella Schazad Feel Who I Am


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 46 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Aimee Mann hat es vorgemacht, Amy MacDonald hat es für die Hitparaden perfektioniert: das Zusammenspiel von Frau und Gitarre. Das in beiden Fällen auch noch Bands diese begabten Damen begleitet haben, ist nicht weiter von Belang. Von einer Ausstrahlung wie einer japanischen Biwaspielerin zu sprechen ist natürlich übertrieben, aber eine gewisse Faszination strahlt die Kombination aus Frau und Gitarre zu haben. Das hat sich wohl auch Graziella Schazad gedacht, als sie sich für ihr Cover hat ablichten lassen. Hübsche Frau in nicht minder schönem Kleid und eine weiße Gitarre. Hach, da möchte man doch gleich anfangen zu schwelgen und zu träumen. Gelegenheit dazu hat man allerdings auch nach der guten Dreiviertelstunde, wenn die Stimme Schazads langsam verklingt.

Bevor man zu „Inner Peace“ den Namen MacDonalds in Leuchtbuchstaben zu der unkomplizierten Gitarren und den Streichern schreiben möchte, zeigt die Frau mit dem einprägsamen Namen, was sie zu etwas Besonderem machen könnte. Die Gitarre wird gezupft und das schafft schon eine ganz andere Atmosphäre, als es das doch etwas ausgelutschte Spiel der großen Konkurrentin tut. Zu dumm nur, dass die tiefere Stimmung aus dem Titeltrack für eben solchen Zuckerpop wie gerade noch angeprangert in „Picture In A Puzzle“ und „Inner Peace“ gestrichen wird. In der sanften Coverversion zu a-has „Take On Me“ darf die Gitarre wieder so verspielt klingen, was jetzt jedoch mehr darauf hinweist, dass dieses Stilmittel nicht allzu kreativ eingesetzt wird. Karies-süß ist die Neuinterpretation des Hits der Norweger zwar, aber die Kraft des Originals wird in einer Art wiedergegeben, die weder Kraft, noch echtes Gefühl ausdrückt. Hier wird von der Leitmelodie allein gezehrt und von sonst nichts. Ist das wirklich alles, was Graziella zu bieten hat?

Die Musik auf „Feel Who I Am“ beweist nach dem Opener zumindest eines: Schazad könnte nie auch nur einer Fliege etwas zu Leide tun. Zumindest nicht mit ihrer Musik. Der brave Pop traut sich nur selten, wirklich emotional zu klingen. Damit ist gar nicht gemeint, dass die junge Sängerin gehässig oder frech werden soll, aber auch tiefe Gefühle sucht man in ihren Liedern vergebens. Anstatt dessen wird mit kleinen Einschüben von fremden Instrumenten auch aus „Breathe & Reboot“ eine anspruchslose Popnummer kreiert, die sich jeglichem Leben entzieht. Ausgerechnet der Amy-MacDonald-Klon „Everybody“ schafft mit seinem Country-Flair etwas Abwechslung. Gerade die Streicher versuchen im letzten Teil des Albums für richtige Gefühle zu sorgen, aber den Trauerklos nimmt man Graziella auch weiterhin nicht ab. Das ist ärgerlich, weil somit nur die wirklich simplen Popnummern bleiben, denen durchweg der Kick fehlt, um im Ohr zu bleiben. Die langsamen Stücke hingegen wissen nicht zu berühren und so bleibt ein wabbeliger Popbrei, der aus der Ferne glänzend scheint, aus der Nähe jedoch zeigt, dass alles nur Zucker und künstliche Farbstoffe sind.

Anspieltipps:

  • Feel Who I Am
  • Everybody
  • Pain

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