Pony Pony Run Run - You Need Pony Pony Run Run - Cover
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Pony Pony Run Run You Need Pony Pony Run Run


  • Label: Wagram Music/EDEL
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als Keane „Perfect Symmetry“ auf den Markt brachte. Der Vorbote „Spiralling“ hatte nicht gelogen und ein Album voller Anspielungen auf den Pop der vergangenen Jahrzehnte wurde geliefert. Bis heute tobt die Diskussion, ob Musik dieser Ära nur von so großen Namen – die eine gewisse Erfolgsgarantie mitbringen – interpretiert werden darf. Schließlich kann es gut sein, dass man die Musik nur hört, weil sie von Keane ist und wer die Rotations der Radiosender Deutschlands studiert, der wird die Klavier-Balladen der Band hören, nicht aber die Synthie-Ausflüge der Briten. Jetzt bekennt sich eine französische Band aus dem schönen Nantes sogar ausschließlich auf die 90er, die nicht gerade als Paradebeispiel guter Popmusik in die Geschichtsbücher eingehen wird. Kann viel Lebensfreude und eine Mischung aus Boy Kill Boy und Keane dafür sorgen, dass Pony Pony Run Run trotzdem funktioniert?

Gefühle sind unersetzlich. Was Musik in einem regt, ist was zählt. Für den Hörer. Für die Band selber zählt letzten Endes meistens nur eines: die blanke Verkaufszahl. Pony Pony Run Run haben ihre Single „Hey You“ 150.000 Mal unters Volk bringen können und das zweifelhafte Qualitätssiegel von fünf Millionen Klicks bei Youtube waren genug Gründe, um die Wiedergeburt des Synthie-Pop auch in Deutschland feiern zu können. Tatsächlich hat die Single mit einem Hauch Mika und jeder Menge quietschender Elektronik gute Argumente auf seiner Seite. Toller Rhythmus, gutes Gefühl für die Melodie und auch der Gesang kann sich sehen lassen. Wer so frei von kitschiger Peinlichkeit „Woo-Hoo“ singt, wie es sonst nur Jimmy Eat World tun (oder eher: taten), der hat Vertrauen in seine Musik. Tatsächlich muss man sich keine Sorgen um den Dreier aus Frankreich machen, denn was schon in den ersten Liedern an potenziellen Hits auf den Hörer nieder regnet, ist aller Ehren wert.

Die Zwiespältigkeit des Albums zeigt sich wirklich in der elektronischen Veranlagung der Musik. Schon „Out Of Control“ ist ein Opener, auf den mehr als die halbe Pop-Welt neidisch sein müsste, wären da nicht die prägnanten Synth-Elemente, die schon Boy Kill Boy zu schaffen machten. Natürlich überwog am Ende die frische Musik und auch bei Pony Pony Run Run gibt es einfach zu viel Gutes, um ernsthaft über Zeitgeist und Geschmäcker zu streiten. Es wird Leute geben, die in plastischem Synthie-Pop auch heute noch ein ernsthaftes Stilmittel sehen. Andere werden glauben, dass man zu „Cherry Love Brazil“ und „First Date Mullet“ herrlich alte Jump'n'Runs spielen kann, während man sich unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Substanzen befindet.

Jeden Rockfan wird es kribbeln, wenn die Gitarre von „1997 (She Said It's Alright)“ einen Track knackig und ohne Sperenzchen eröffnet, nur um schnell einen der ruhigsten Songs des Albums zu hören. Der Pop ist hier König und seine Herzdame nennt die 90er ihr Zuhause und versucht gar nicht erst die PC-generierte Musik ins neue Jahrtausend zu hieven, wie es Thom Yorke zum Beispiel schon tat. Wer nach harmloser Retro-Pop-Unterhaltung-Ausschau hält, der ist hier am rechten Fleck. Dazu werden wirklich gute Harmonien geliefert, die den großen Chartbreakern in Nichts nachstehen. Allein wer auf zeitgemäßen Pop hofft, wird weitestgehend enttäuscht und überlässt das Feld lieber wieder den Experten aus Großbritannien. Wobei Keane ja vielleicht das gute Beispiel waren, dem Pony Pony Run Run folgen wollten.

Anspieltipps:

  • Out Of Control
  • Hey You
  • Show Me Show Me

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