Crippled Black Phoenix - I, Vigilante - Cover
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Crippled Black Phoenix I, Vigilante


  • Label: Invada/CARGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Wolf ändert sein Fell, nicht aber seine Natur.

Für die einen ein kurzer Pausensnack, für die anderen die wohl längste Praline der Welt. Ach nee, Moment, falsches Produkt. Korrektur: Für die einen ein kurzes Prog-Rock Album, für die anderen die wohl längste EP der Welt. Wenn man bedenkt, dass zu Vinylzeiten eine Extended Play (EP) Platte nicht mehr als 30 Minuten Musik bieten konnte und auch auf der Langspielplatte (LP) selten 40 Minuten überschritten wurden ohne eine Kompression des Klangs vorzunehmen, so läuft „I, Vigilante“ für eine EP rekordverdächtige 48 Minuten. Crippled Black Phoenix sind dafür bekannt nicht gerade radiotauglich kurze Stücke zu schreiben, insofern wundert es auch nicht, dass die vier eigenen Kompositionen bereits 40 Minuten einnehmen.

Mit „Troublemaker“ beginnt das Album verspielt, voll gepackt mit schweren Riffs aber relativ gut gelaunt, ändert dann zunehmend die Gemütslage, wird immer melancholischer, fast schon depressiv zum Schluss. Einen großen Anteil daran hat die symphonische Komponente, die von Lied zu Lied zunimmt. Erst „Of A Lifetime“ am Ende bringt Entspannung, einen Lichtblick auch dank Frauenstimme und somit doch noch einen versöhnlichen Abschluss des Albums. Ein wahrlich grandios arrangierter Spannungsbogen.

Der Pink Floydsche Geist der Musik lässt nicht leugnen, besonders in „We Forgotten Who We Are“, das mit Piano unterstützt so elegisch vor sich hin gleitet und am Ende mit Gitarrensolo der Marke Dave Gilmour abgerundet wird. Der angesprochene Höhepunkt der Schwermut wird in „Bastogne Blues“ erreicht, das die seelischen Schmerzen thematisiert, die ein Krieg den Betroffenen zufügt. Die Trauer und Betroffenheit der Musik wird durch die immer mehr in den Vordergrund rückende Orchestrierung unterstrichen und durch eine Geschichte aus dem 2. Weltkrieg eingeläutet, die die Stimmung erst richtig greifbar macht.

Wie es sich für eine EP gehört, kommt zum guten Ende noch ein Coversong und dafür haben sich die Engländer einen Journey-Song aus der Anfangszeit ausgesucht, als die frisch aus der Santana Band kommenden Musiker noch Progressive Rock gespielt haben. „Of A Lifetime“ hat eine zeitlos schöne Melodie, die durch keine Coverversion zerstört werden kann, aber Crippled Black Phoenix haben eine tolle Version eingespielt, die ein Anreiz sein sollte sich mit der Pre-Steve-Perry-Ära von Journey zu beschäftigen.

Dann gibt es aber noch einen Hidden Track namens „Burning Bridges“, ein Song der die Titelmusik beim Film „Kelly's Heroes“ im Jahre 1970 war, einem Kriegsfilm mit Clint Eastwood. Die Version auf „I, Vigilante“ hört sich verdächtig nach der Originalvariante von The Mike Curb Congregation an. Die scheinbar unpassende fröhlich poppige Musik erhält durch die Kriegsthematik eine Verknüpfung zu „Bastogne Blues“. Dieses Album ist sehr sorgfältig durchdacht und arrangiert worden, ein wahrer Genuss. Was will man von einer EP mehr erwarten?! Den Wolf im Schafpelz? Denkt dran, ein Wolf ändert sein Fell, nicht aber seine Natur. Das Cover tritt den Beweis an.

Anspieltipps:

  • We Forgotten Who We Are
  • Troublemaker

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