Bruce Springsteen - The Promise: The Darkness On The Edge Of Town Story - Cover
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Bruce Springsteen The Promise: The Darkness On The Edge Of Town Story


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 89 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Promise“ macht klar, dass „Darkness On The Edge Of Town“ bei entsprechender Songauswahl ein komplett anderes Album hätte werden können.

Es gibt Künstler, die schreiben pro Album nur so viele Songs wie unbedingt nötig und dann gibt es wiederum Musiker, die ihre Kreativität kaum bändigen können und einen Song nach dem anderen raushauen. Bruce Springsteen in seinen jungen Jahren als Songschreiber zählte definitiv zu letzteren Sorte, was regelmäßig dazu führte, dass fertige Stücke liegen blieben, um auf zukünftigen Alben Verwendung zu finden, was dann aber nicht geschah, weil es dazu ebenfalls wieder eine ganze Stange neuer Songs gab. Durch diese Arbeitsweise dürften die Archive im Hause Springsteen mittlerweile zum Bersten gefüllt sein. Zeit also für eine Bestandsaufnahme, die Archive zu räumen und um den Fans neues Futter zu bieten.

Bei den Sessions zum „Darkness On The Edge Of Town“-Album (06/1978) – also dem Werk zwischen dem kommerziellen Durchbruch „Born To Tun” (08/1975) und dem monumentalen Epos „The River“ (10/1980) – entstanden massenhaft neue Tracks, die niemals auf einem Album unterzubringen waren. Deshalb reichte Bruce Springsteen den einen und den anderen Song an befreundete Künstler weiter (Patty Smith bekam z.B. „Because the night“ und landete damit im Frühling des Jahres 1978 ihren einzigen großen Hit) oder hob sie für spätere Alben auf. Dennoch schlummerten seit über dreißig Jahren weitere Titel in den Archiven des Boss, die er seinen Fans nun zugänglich macht.

Als „The Promise“ erscheinen 21 damals nicht verwendete Songs als Doppelalbum sowie als ebenso luxuriöses wie liebevolles Box-Set in DIN-A4 Ringbuchformat, das zudem mit dem remasterten Originalalbum sowie drei hochinteressanten DVDs mit sechs Stunden Filmmaterial daherkommt. Neben einem Konzertmitschnitt aus Houston Texas aus dem Jahr 1978 ist die Dokumentation „The Making of Darkness On The Edge Of Town“ das Herzstück der Veröffentlichung, die wieder einmal zeigt, dass es Box-Sets und Box-Sets gibt. Sprich: Die großen Kisten zum reinen Geld scheffeln und die penibel und sinnvoll zusammengestellten Fan-Pleaser.

„The Promise“ macht klar, dass „Darkness On The Edge Of Town“ bei entsprechender Songauswahl ein komplett anderes Album hätte werden können. Poppiger, pathetischer und deutlich optimistischer als das offizielle Endergebnis (man höre dazu nur „Ain’t good enough for you“). Dabei gibt es auf „The Promise“ diverse Metamorphosen zu bestaunen, durch die Songs wie „Racing in the street“ (hier in einer balladesken Version), „Candy’s boy“ (später als „Candy’s room“ bekannt geworden) oder „Come on let’s go tonight“ (wurde unter dem Titel „Factory“ veröffentlicht) gegangen sind. Wir hören weitergereichte Songs wie „Fire“ (The Pointer Sisters) und „Because the night“ im Springsteen-Original und verschollene Perlen wie „Save my love“, „City of night“ und den Titeltrack „The promise“.

Unterm Strich wäre auch „The Promise“ ein würdiger Nachfolger zu „Born To Run“ gewesen. Das Album hätte freilich eine gewisse Straffung benötigt, denn 21 Songs sind auch für den Boss fast schon zuviel des Guten, doch bei der Auswahl an starken Songs wäre dies kein Problem gewesen. Die Frage ist nur, wie dieses Werk in die Zeit gepasst hätte, wie es beim Publikum angekommen wäre und ob die Karriere von Bruce Springsteen eventuell einen anderen Verlauf genommen hätte.

Anspieltipps:

  • The promise
  • City of night
  • Save my love
  • Because the night
  • Racing in the streets (’76)
  • Come on (let’s go tonight)
  • Someday (we’ll be together)
  • The little things (my baby does)

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