Ace Of Base - The Golden Ratio - Cover
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Ace Of Base The Golden Ratio


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach ABBA und Roxette sind Ace Of Base die Könige des Schwedenpops. Über 30 Millionen weltweit verkaufte Platten sprechen eine deutliche Sprache, obwohl die Formation mittlerweile mehr Greatest Hits- und Best Of-Zusammenstellungen als Studioalben veröffentlicht hat und wohl nicht zu Unrecht hauptsächlich auf ihre großen Singlehits wie „All that she wants“, „The sign“, „Lucky love“, „Beautiful life“ oder „Life is a flower“ beschränkt wird. Dabei konnten Ulf Ekberg, Jonas Berggren und seine beiden Schwestern Malin und Jenny nach dem fulminanten Erfolg des Debüts „Happy nation“ (02/1993), das aus heutiger Sicht mit recht billigen Synthiesounds bestückt war und abseits der allseits bekannten Singleauskoppelungen schlecht gealtert ist, gerade mit „The bridge“ (10/1995) und „Flowers“ (06/1998) zwei gelungene Longplayer vorlegen, die lockeren, gelegentlich auch durchaus melancholischen Pop in Reinkultur versprachen.

Songs wie „Just´n´image“, „Edge of heaven“, „Strange ways“, „Experience pearls“, „Blooming 18“ (aus „The bridge“), „Always have, always will“ oder „Don´t go away” (aus „Flowers“) zeugten außerdem vom Veränderungswillen der Truppe, die orientalische Rhythmen ebenso wenig fürchtete wie ruhige Balladen, dunkle Klanggebilde oder tempogeladene Ausreißer. Ungeachtet dessen integrierten Ace Of Base immer wieder die einzigartigen Samples aus ihren beiden größten Hitparadenstürmern „The sign“ und „All that she wants“ in die neuen Stücke und schufen so ein musikalisches Gütesiegel, das dadurch immer wieder geschickt reanimiert wurde und Fans sofort ausmachen konnten. Wie viele Bands, die in den 90er Jahren ihre kommerziell ertragreichste Phase hatten, waren jedoch auch die Schweden vom stets nagenden Zahn der Zeit betroffen und lieferten mit „Da capo“ (09/2002) einen unterdurchschnittlichen Aufguss ihres bewährten Erfolgsrezeptes ab, das so gut wie niemanden interessierte.

Nach dem Weggang von Malin (2007) und Jenny (2009) war die Zukunft des Acts in doppelter Hinsicht gefährdet und Viele glaubten trotz Ankündigung eines neuen Studioalbums überhaupt nicht mehr an ein Comeback des schwedischen Erfolgsquartetts. 2010 soll sich alles ändern. Ulf und Jonas haben nämlich nicht nur die zwei unbekannten Sängerinnen Clara Hagman und Julia Williamson mit an Bord, sondern auch eine Handvoll neuer Songs, bei denen sich jedoch die Frage stellt, ob sie im Gesamtkontext der Band zu sehen sind oder ob man die neuen Ace Of Base mit „The golden ratio“ besser als eigenständiges Projekt ansieht, die mit der alten Formation nichts mehr gemeinsam hat.

Die erste Single „All for you“ gibt bestens darüber Aufschluss: Ein stampfender Beat zerrt einen sofort auf die Tanzfläche, die Synthesizer gluckern fröhlich vor sich hin und der unverschämt eingängige Refrain verzaubert den Hörer sofort und lässt den Fuß im Takt mitwippen. Doch etwas passt nicht. Der Song ist für sich genommen nämlich nicht mehr als seelenlose, 0815-Standardware, die nicht weh tut, aber darüber hinaus keine übermäßigen Emotionen herausfordert. Das anschließende „Blah, blah, blah on the radio“ ist zwar zum Glück die erhoffte Rückbesinnung auf alte Tugenden und hat trotz subtiler Reminiszenzen zu „Lucky love“ Charme, doch das war es dann auch schon wieder. Auf die weiters angebotene Mischung aus schlecht abgekupferten, gagaesken Synthesizer-Bummsbeat-Melodien („The golden ratio“, „Told my ma“, „Doreen“), sehnsuchtsvoll dargebrachten Radioballaden („Southern California“, „Juliet“, „Who I am“), Plastikdancetracks („Vision in blue“), technoiden Groove Coverage-Kopien („Black sea“), Schunkelreggae-Nummern („Mr. Replay“) oder mittelmäßigen Anknüpfungspunkten an das eigene Oeuvre („Precious“) kann man größtenteils verzichten.

„The golden ratio“ vereint keineswegs, was Ace Of Base groß gemacht hat, sondern beschränkt sich auf aktuelle Trends und stellt (womöglich sogar bewusst?) die beiden Sängerinnen in den Hintergrund und übergibt das Szepter an die tausendfach gehörten Basslinien, Samples und Strukturen anderer, ähnlich gelagerter Bands. Ein kleiner Aufschwung im Vergleich zu „Da capo“ ist zu hören, doch wenn sich die Schweden in Zukunft an ihrem schlechtestem Werk messen lassen müssen, wäre es besser, wenn sie gleich das Handtuch werfen.

Anspieltipps:

  • One Day
  • Mr. Replay
  • Southern California
  • Blah, Blah, Blah On The Radio

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