Nabiha - Cracks - Cover
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Nabiha Cracks


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 32 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Land der Geheimtipps schlägt wieder zu. Dänemark schickt einen weiteren, viel versprechenden Act in den Ring!

Das Land der Geheimtipps schlägt wieder zu. Dänemark schickt einen weiteren, viel versprechenden Act in den Ring, die Charts Europas zu erobern. Oder etwa nicht? Im Heimatland blieben Nabiha die Top 10 der Albumcharts und auch die Top 3 der Single-Charts verwehrt. Zwar ist der erste Platz im Königreich Dänemark kein muss für Erfolg, aber normalerweise heißt es doch: je mehr, desto besser! Da aber auch Kashmir mal wieder den großen Erfolg in Deutschland und dem Rest der Welt verpasst haben, kann man diese Zahlen links liegen lassen. Genug Beliebtheit und musikalische Qualität soll die junge Nabiha zumindest haben, dass ihr Album nun auch zu uns kommt. Was uns da aus dem Heimatland Hans Christain Andersens präsentiert und aufgetischt wird? Aufgeweckter Pop mit viel Elektronik (wer hätte das bei skandinavischer Popmusik erwartet?!) und einer guten Portion Soul. Zusammen mit dem Schweden Carl Ryden wurde ein Album gezaubert, dass versucht so flippig zu sein wie Jamiroquai zu besten Zeiten. Wenn es gelingt, wird hinterher niemand böse sein.

Die Wörter Lebensfreude und Energie prägen die Texte von Warner über ihre junge Soul-Pop-Maus aus dem schönen Dänemark. Natürlich ist man es gewohnt, dass diese Promotiontexte wöchentlich im Dutzend neue Kings of Pops ausmachen und versprechen, aber Lügen wollen wir die werten Kollegen nun wirklich nicht strafen. Gerade wenn dann wirklich so eine energiegeladene Pop-Bombe wie Nabiha einschlägt. Lady Gaga hat gerade ganz frisch mehr als ein halbes Dutzend Awards mit ihrem neuen Beats für den Dancefloor abgesahnt, was das Potenzial von beatlastiger Popmusik zur Genüge auszeichnen sollte. Warum diese Parallele? Nabiha ist ein ganzes Stück weniger auf Sex getrimmt, macht das ganze aus rein musikalischer Sicht jedoch mit viel mehr Energie als Fräulein Gaga wett. Wie das Rezept bei den Massen ankommt, ist die andere Geschichte.

„Deep Sleep“ quietscht von der ersten Sekunde und fügt an Regenbögen gleich noch ein paar Farben an. Dazu kommt Gesang, der an eine aus Versehen gut gelaunte Amy Winehouse erinnert. In den Strophen wird Nabiha beinahe nur vom Schlagzeug unterstützt und mit ihrer Stimme ist das auch kein Problem. In Sachen Tanzbarkeit und Rhythmusgewalt offenbart sich dieser Track als höchst infektiös. Haken und Ösen sucht man bei solcher Musik natürlich vergebens. Gaga hat es vorgemacht: Es braucht eine gute Melodie, die in Form des Chorus im Kopf bleibt. Alles weitere ist Zugabe. Da möchte man fast neckisch von einem Fehler in „The Enemy“ sprechen, da die Strophen noch besser sind als der „ba ba da“-Chorus. Simplicity first. Gerade wenn Nabiha aber ruhige Töne anschlägt, schafft sie es nicht so eine Sogkraft zu entwickeln, wie Katy Perry und Konsorten. Die Stimmung ist zwar angenehm, aber wirklich mitreißen möchte „You“ nicht. Dass solche Lieder jedoch viel versprechend sein können, beweist das lahme „Teenage Dream“ von Katy Perry. Wer die Lobby hat, muss nicht um Verkaufszahlen fürchten.

Nabiha muss sich einen solchen Ruf erst noch erwerben und da tun ihr Soul-lastige Tracks wie „Cracks In The Concrete“ und „Computer Love“ mit viel Flair und einigen Eselsbrücken zu Jamiroquai deutlich besser. Warum will ich eine Niemandslandballade der Marke „My Friend“, die keinerlei Entwicklung durchmacht? Partytracks und ruhige Stücke sind zwei Paar Schuhe. Erstere Leben von Lebensfreude, Letztere von Details und Liebe zu eben diesen. So scheitert ein „My Friend“ an der großen Kunst, während ein eigentlich monotones „Boomerang“ dank anderer Anlage mit heftigen Beats, schnittiger Elektronik und kraftvollem Stimmorgan für nickende Köpfe. Ebenso tut es „If I Cared“, das Spaß macht, ohne kompliziert zu sein. Das einzige Merkmal an Nabihas Musik, dass die jungen Massen vertreiben könnte, ist die ungewöhnlich bunte musikalische Untermalung ihres Sounds. Ähnlich wie zu Indie-Rock-Zeiten vor Arcade Fire sind hier eher die Sonnenbrillenträger bei Nacht gefragt, als die Partytruppen in allen Farben, die der begehbare Kleiderschrank zur Verfügung stellt.

Zwar gönnt sich Nabiha eine Verschnaufpause zum Abschluss des Albums und bringt zwei kühle Soullieder zum Besten, die dann aber auch sein dürfen und sich trotz ihrer Coolness nicht aus dem Whirpool der guten Laune wagen. Es geht einfach nur einen Tick lässiger zur Sache, nachdem 25 Minuten lang am Stück gefeiert wurde. Nabiha bietet Musik, die sich nur schwer ignorieren lässt. Und wer nicht gerade Tanz-affin ist, den wird es nicht lange Abseits der Tanzfläche halten.

Anspieltipps:

  • Sneaking Out The Backdoor
  • Deep Sleep
  • Computer Love

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