Ne-Yo - Libra Scale - Cover
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Ne-Yo Libra Scale


  • Label: Def Jam/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit seinem vierten Studioalbum „Libra Scale” in nur fünf Jahren durchbricht Ne-Yo (31) erstmals den gewohnten Einjahresveröffentlichungsrhythmus, in dem seine bisherigen CDs erschienen sind. Das mag daran liegen, dass sich der kommerzielle Erfolg und die damit verbundene Promotionarbeit von Album zu Album stetig gesteigert hat (inzwischen sind es über zehn Millionen verkaufte Einheiten), aber Ne-Yo ist neben seiner Karriere als R&B-Sänger auch noch als Schauspieler aktiv („4Chosen“, „Shadow West“) und er ist ein gefragter Auftragssongwriter (50 Cent, The Game, Beyoncé, Rihanna, Mary J. Blige).

Schaut man sich auf der einen Seite Ne-Yos Talent als Sänger und Songschreiber an und vergleicht dies mit den schwankenden Leistungen auf seinen Alben, könnte der neutrale Beobachter durchaus zu dem Schluss kommen, dass der 31-Jährige womöglich auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzt und sich dabei etwas verfranzt. Denn bei Ne-Yos Möglichkeiten wäre bis jetzt sicher mehr drin gewesen als drei Alben, auf denen oft nur der blanke Durchschnitt regiert. Das zeigt sich leider auch wieder bei „Libra Scale“.

„Libra Scale“ ist ein Konzeptalbum über die Geschichte des ersten R&B-Superhelden-Trios namens Clyde, Jerome und Leroy alias „The Gentlemen“. Die Drei waren ursprünglich Müllmänner, denen nach einer Begegnung mit einer mysteriösen Gestalt alle Wünsche von Geld, Ruhm, Frauen und übermenschlichen Kräften erfüllt worden sind. Bedingung: Sie dürfen ihre Superkräfte ausschließlich zur Bekämpfung von Verbrechen in ihrer Heimatstadt einsetzen, und es ist ihnen strengstens verboten, sich zu verlieben; andernfalls ist alles wieder futsch und die jungen Ex-Müllmänner stehen so schlecht wie vorher da.

Eine hübsche Geschichte, die eigentlich nach Prog-Rock von Coheed & Cambria schreit, aber nicht nach R&B. Und ganz ehrlich, wer vorher nichts von der Story wusste, merkt auch nicht, dass diese auf „Libra Scale“ erzählt wird. Denn unterm Strich reiht Ne-Yo auch auf diesem Werk zehn normale Tracks aneinander, bei denen besonders während der ersten Albumhälfte die Gefahr besteht, dass dem Hörer die Füße einschlafen, so uninspiriert klingt das Ganze. Ne-Yo kann zwar (wie immer) mit seiner an Michael Jackson gemahnenden Stimme punkten („Champagne life“), doch auf Songwriterbasis sind die ersten vier Stücke ganz gewöhnlicher R&B-Stoff, der reichlich träge aus den Boxen perlt („Know your name“).

Erst mit „Crazy love“ bekommt Ne-Yo so langsam die Kurve, auch wenn das Tempo nur kaum merklich angezogen wird. Doch allein der Gast-Rap von Fabolous trägt dazu bei, dass sich das Klangbild ins Positive ändert. „One in a million” setzt genau an dieser Nahtstelle an und präsentiert darüber hinaus eine herausragende Melodie, die zwar von den folgenden Tracks nicht mehr getoppt werden kann, aber es geht hörbar aufwärts und der verschnarchte Auftakt wird so gut es geht ausgeglichen. Unterm Strich ergibt dies aber auch nicht mehr als gehobenen Durchschnitt bei maximal zwei bis drei starken Songs. Schade, aber bei Ne-Yo inzwischen auch Gewohnheit.

Anspieltipps:

  • Crazy love
  • Genuine only
  • One in a million
  • Beautiful monster

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