Selig - Von Ewigkeit Zu Ewigkeit - Cover
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Selig Von Ewigkeit Zu Ewigkeit


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer sich mit dem neuen, geradlinigen Stil der Nordlichter auf ihrem Comeback anfreunden konnte, wird auch auf der neuen Scheibe von Beginn an seine helle Freude haben.

Selig sind zurück. Schon wieder. „Und Endlich Unendlich“ war ihre große und erstaunlich erfolgreiche Rückkehr in die deutschen Charts und wie das Raubtier in der Savanne haben Selig Blut geleckt. Die neue Platte „Von Ewigkeit Zu Ewigkeit“ soll Rock mit deutschen Wurzeln gehobener Klasse bieten und dazu Texte, die Möchtegernpoeten wie die Revolverhelden oder Silbermond auf ihre Plätze verweisen sollen. Schon das letzte Album zeigte, dass Seligs Musik auch heute noch aktuell klingt und die Texte tatsächlich mehr Substanz hergeben als die meisten Bestseller der deutschen Rockszene. Selig gesellen sich zu Kettcar, Wir Sind Helden und Turbostaat, die mit Textfragmenten und viel Raum zur Interpretation arbeiten. Wie sich das gehört, liefern Selig gleich eine volle Stunde Musik ab und so ist man quantitativ bereits mehr als gut bedient. Jetzt müssen die Hamburger nur noch die Eingängigkeit und das Charisma ihres Comeback-Albums wieder aufleben lassen.

Wer sich mit dem neuen, geradlinigen Stil der Nordlichter auf ihrem Comeback anfreunden konnte, wird auch auf der neuen Scheibe von Beginn an seine helle Freude haben. Ein stimmungsvolles Instrumentalintro erinnert an alte Zeiten und dass man auch ohne Metal famos rocken kann, beweist „Eingang/5000 Meilen“ problemlos. Nachdenklicher Text und Gitarren, die verstehen klassische Rockfans zu begeistern. Wer früher schon Probleme mit der unspektakulären Stimme des Sängers Jan Plewka hatte, wird auch diesmal keine Erleuchtung finden. Wer erwachsenen Rock und intelligente Texte mag, wird von der ersten Sekunde an mehr als herzlich willkommen. Anhänger von Progressiv-Musik oder den Meistern der orchestralen Kompositionen witzeln bis heute, dass moderne populäre Musik aus nicht viel mehr als drei Akkorden besteht, aber was soll es, wenn Lieder so mitreißen, wie Coldplays „Viva La Vida“, das sich hartnäckig in den Kopf eines jeden Radiohörers festsetzte? „Freier Fall“ funktioniert ebenfalls dank einer einzigen Idee . Das stört die knappen vier Minuten keine Sekunde lang, da Selig die Stimmung des Liedes perfekt ausnutzen und auskosten, ohne zu leiern. Hier zeigt sich die Stärke des letzten Silberlings.

Auch die melancholische Ader kommt nicht zu kurz und so darf man zu „Wirklich Gute Zeit“ gerade im Refrain das Feuerzeug herausholen. Wer Neuheiten sucht, sucht so vergebens danach wie man Berge in der Region um Hamburg sucht. Darum geht es aber auch gar nicht. Für solche Sperenzchen sind Polarkreis 18 da, die den deutschen Herbst 2010 abrunden sollen. Selig will viel mehr alles bieten, wofür man typischen Rock mit 90er-Jahre-Wurzeln liebt. Ab und an fehlt es den Stücken an nötigem Unterschied zueinander, so dass „Lass Sie Reden“ und der Titeltrack gerade im Chorus als Zwillinge durchgehen könnte. Zweieiige Zwillinge zwar, aber immer noch Zwillinge und mehr als bloße Geschwister. Dagegen wird sich natürlich auch rockig aus dem Fenster gelehnt. „Tausend Türen“ und „Hol Mich Hier Raus“ sind doch eine ganze Spur kantiger, als die gelassenen Rocker, die dafür mit Details spielen.

Das Fazit fällt zweischneidig aus. Selig verstehen ihr Handwerk und hier und da lässt sich mehr als nur handwerklich begabtes Talent blicken. Insgesamt bekommt man durchgehend gute Rockmusik geliefert, die allerdings nicht mehr wie das letzte Album vom Überraschungseffekt lebt. Diesmal wusste man, worauf man sich einlassen wird. Stellenweise trauen sich die deutschen Rocker im besten Alter mehr zu, was Klangexperimente angeht und auch Jan Plewkas Stimme passt beinahe durchgehend wie die Faust aufs Auge der musikalischen Fassade. Es scheint auch dieses Mal vermessen, Selig für ihre Eingängigkeit zu kritisieren, da Balladen wie Rocker unproblematisch funktionieren und diese Art von Musik gerne die deutsche Flagge hochhalten darf. Allein die – gerade durch Plewkas Stimme bedingte – stets recht ähnliche Stimmung verdient in schwächeren Momenten das Prädikat eintönig anstatt eingängig. Zu gut ist aber das Album und knappe 20 Minuten mehr als auf den meisten aktuellen Releases in solcher Qualität machen die ein oder andere Schwäche wett. Da freut man sich lieber über die hochklassigen Melodien made in Germany. Selig sind zurück. Schon wieder.

Anspieltipps:

  • Du Fährst Zu Schnell
  • Von Ewigkeit Zu Ewigkeit
  • Hol Mich Hier Raus

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