Marnie Stern - Marnie Stern - Cover
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Marnie Stern Marnie Stern


  • Label: Souterrain Transmissions
  • Laufzeit: 34 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Chaos-Strukturierung, die, erstens, überfordert und, zweitens, staunend macht.

Marnie Stern und ihre Stressrockrhythmen. Ein wenig leer und sprachlos bleibt man schon zurück nach dem Konsum ihres Math Rock. Und doch ist es jedes Mal wieder außergewöhnlich, wenn diese Musikerin zur Gitarre greift und loslegt mit ihrem unnachahmlichen finger-tapping.

Die Chaos-Strukturierung, die, erstens, überfordert und, zweitens, staunend macht, ist das einzig stetige auf all ihren nun drei Alben. War „In Advance Of The Broken Arms“ noch ein Kritikergeheimtipp, gelang es ihr 2008 mit ihrem zweiten Album, mit dem schmissigen Titel „ This Is It and I Am It and You Are It and So Is That and He Is It and She Is It and It Is It and That Is That”, Gehör zu finden in weiten Kreisen internetfokusierter Musikkenner. Marnie Stern und ihr verrückter Sound wurden zu einem Blog- und Expertenthema.

Trotz aller Loberei aufgrund des Mutes zum Ungewöhnlichen kann man es recht kurz machen mit Marnie Stern’s dritten Album: es wird die Geister scheiden. Und eine Mehrheit wird verneinen. Zuviel Stress, zuviel Krach. Dieser Krach ist zwar respekteinflößend klug und clever zusammenkonstruiert, aber eine Gehörtortur ist nun einmal eine Nagelprobe auf den eigenen Verständnishorizont. Und die ringt aufgeschlossenen Gemütern heutzutage des Öfteren ein Daumen-hoch ab, um nicht spießig und unflexibel zu erscheinen, weniger aber, weil der eigentliche Gegenstand der Sache sie zu überzeugen weiß. Und für mich ist es mit Marnie Stern exakt das Gleiche: es sicher toll, will heißen: bereichernd, das es so etwas gibt, ja; auch, dass das Niveau auf dem sich das Gitarrengegnidel hier surreal austobt ein respekteinflößendes ist, ja. Aber trotz alledem: Marnie Stern kann gewaltig auf den Sack gehen. Überladung und Kakophonie gehen hier Hand in Hand mit musikalischem Können. Und sich hierbei meinungstechnisch konservativ zu positionieren und zu sagen, sorry Marnie, aber wo bleibt das zusammenhaltende Fünkchen Harmonie?, erscheint eingedenk des ach so ewig weiten Musikhorizont eines aktuellen Musikjournalisten häufig als altbackenes Sakrileg. Aber genug eruiert warum Marnie Stern wohl mehr Kritikerfreunde als zahlende Fans zu haben scheint.

Imposant an Marnie Stern empfinde ich ja, obwohl alle bei ihr vom Gitarrenspiel sprechen, das Drumming. Die Breaks, die schrägen Rhythmen, das infernalische Gekloppe: Marnie Stern’s Drummer Zach Hill setzt dem ganzen wirklich die irritierende Krone auf: eine Überladung die permanent in die Fresse schlägt. Unerbittlich und bemerkenswert gekonnt. Und doch: ich bleibe bei der anderen Math Rock-Band aus New York, die dieses Jahr Furore macht. Fang Island haben nämlich nicht nur Krach, sondern auch noch Harmonien.

Die bei dieser Musik schnell aufkommenden und bereits oft zitierten ADHS-Assoziationen ignorierend, ergebe ich mich einfach mit dem Fazit: beeindruckend gemacht, aber einfach zu anstrengend. Nicht für diese Welt.

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