My Heart Belongs To Cecilia Winter - Our Love Will Cut Through Everything - Cover
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My Heart Belongs To Cecilia Winter Our Love Will Cut Through Everything


  • Label: Chop Records/H'Art
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wenn die Drei noch ein wenig üben, werden sie die neuen Arcade Fire“, titelte das Zitty Magazin Berlin. Vergleiche mit einer Band, die Coldplay Frontmann Chris Martin gerade erst zur besten Band der Welt kürte, sind nie unwillkommen. Passend für diesen Vergleich ist, dass Arcade Fire aus Kanada kommen und nicht eben aus dem sonst so erfolgreichen Nachbarn, den USA. Auch die Europäer mit dem überlangen Namen My Heart Belongs To Cecilia Winter kommen eher aus einem B-Land der internationalen Rockmusik, der Schweiz. Ich betone in diesem Fall zwar gerne wieder und wieder, dass auch die Band Manana aus dem Land der Eidgenossen stammt, aber ein Argument in Form von Verkaufszahlen habe ich damit nicht meiner Seite.

Warum es bei Cecilia Winter anders aussehe könnte, ist wirklich das richtige Timing. Erst vor zwei Monaten erschien neues Material von Arcade Fire und „The Suburbs“ und „Ready To Start“ hallen noch immer im geneigten Hörerohr nach. Da kommt eine Band mit Glockenspiel, atmosphärischen Gitarren und ungewöhnlichem Gesang genau zum rechten Zeitpunkt. „Our Love Will Cut Through Everything“ macht da weiter, wo Arcade Fire angefangen haben. Keine Hitsingles mit großartiger Entwicklung, sondern Lieder, die sich mit ihrer internen Dynamik und ihrer Natürlichkeit in die Herzen der Hörer zu spielen versuchen. Das funktioniert gleich mit „Eighteen“ hervorragend, welches ebenso unaufgeregt wie sphärisch klingt. Genau das ist auch das Rezept für den Großteil des Albums, wobei die Flexibilität der Suburbs von Arcade Fire jedoch vermisst wird. Hier werden langsamere Töne angeschlagen und auch der Gesang wirkt weniger fesselnd, dafür umso spezieller.

Die Klangexperimente bleiben auch nicht aus, wie zum Beispiel im minimalistischen Beginn von „When The Devil Speaks My Name“. Dann explodiert der Song und präsentiert sich, wie es schon zwei oder drei vorige Stücke taten. Kratzender Rock mit Dissonanzen und Wut im Bauch. Tatsächlich passt dieser Rockeinschub und sorgt für die ganz eigene Interpretation ihrer Musik. Es wird also nicht versucht, bei dem aufgezwungenen Vorbild abzugucken. Der eigene Weg steht Cecilia Winter sowieso viel besser. „Guide Me To The Stars“ ist eine klasse Rockhymne im Indiegewand. Gerade diese Lieder machen es immer wieder schwer, das Wort Indie zu kategorisieren. Heißt es nun „untypisch“ oder „anders“? My Heart Belongs To Cecilia Winter klingt einfach anders, aber die schwelgenden Gitarren, gerade in den schnelleren Stücken, bieten sich auch für die großen Bühnen dieser Welt an.

Vielleicht ist es auch nur Erfolg, der über die Bezeichnung des Genres bestimmt. In diesem Fall kann man nur hoffen, dass wir das Wort Indie bald streichen dürfen, denn die psychedelischen und vor sphärischer Stimmung strotzenden Stücke haben ihre Erwähnung wirklich verdient. Sie sind nicht nur für Fetischisten angedacht, sondern bieten auch Massen kompatible Klänge, ohne sich und ihren Stil zu verkaufen. Das zeigt sich in der erwähnten Single „Eighteen“ und „My Heart My Heart“, das sich allein durch penetrantes Glockenspiel von den Rockballaden der Charts unterscheidet. Dazu kommen einige, wirklich fetzige Rocknummern, die erst am Ende des Albums den vertrackt geratenen „Lover“-Stücken und der Handclap-Nummer „You You You You You“, sowie dem nicht weniger Radio untauglichen „I Made You A Tape“ den Vortritt lassen müssen. Eine Spur niedlicher und rauer als Arcade Fire zugleich. Der aristotelische Mittelweg ist noch nicht gefunden, was aber auch dafür sorgt, dass man sich Ideenklau und arge Vergleiche sparen kann. So sind die Schweizer einfach nur eine gute Alternative.

Anspieltipps:

  • You You You You You
  • My Heart My Heart
  • Guide Me To The Stars

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