Of Montreal - False Priest - Cover
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Of Montreal False Priest


  • Label: Polyvinyl/CARGO
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit 15 Jahren verabreichen uns Of Montreal einen Cocktail aus Indie-Pop, Glam, Funk und R&B, der viele andere Acts zu Coverversionen hinreißen ließ.

Die Indie-Weirdos von Of Montreal kehren mit dem Grammy-nominierten Produzenten Jon Brion (Kanye West, Fiona Apple) an den Reglern zurück an die brodelnde Oberfläche ihrer schwer greifbaren, psychedelisch entflammbaren Musik. „False Priest“ heißt das neue Album der Truppe um Mastermind Kevin Barnes und bietet Gastauftritte von Janelle Monáe sowie Solange Knowles, der Schwester von Beyoncé. Große Namen für eine verquere Mischung, die einen nicht unbeeindruckt zurücklassen kann. Auf elektronische Präsenz, also Sequencer und Keyboards, wurde weitestgehend verzichtet, dafür setzen Of Montreal auf Live-Schlagzeug, Streicher und Piano.

Seit 15 Jahren verabreichen uns Of Montreal einen Cocktail aus Indie-Pop, Glam, Funk und R&B, der viele andere Acts zu Coverversionen hinreißen ließ. Die Musik ist so ruhelos wie anscheinend auch Kevin Barnes selbst: Im Auftrag der Kindershow „Yo Gabba Gabba“ ackert er genau so wie mit Susan Sarandon oder bei den sechs Songs, die er in Las Vegas komplett nackt spielte. Nun aber (vermutlich) angezogen und so bunt wie das Plattencover im Opener „I Feel Ya´ Strutter“ inklusive feurigem Funk, Falsett-Stimme, leichtfüßigen Classic Rock-Gitarren und vor allem viel viel Tanzbarkeit, bei der es dennoch genug zu entdecken gibt. Nicht nur die Breaks sitzen in diesem vollmundig ausformuliertem Stück bestens, werden vom Glockenspiel eingerahmt, auch die Instrumentierung raubt einem schier den Atem. Fragt sich der Hörer an einigen Stellen noch, ob nun das Piano den Ton angibt, die Streicher zum Höhenflug ansetzen oder doch die Glam-Gitarren im Vordergrund stehen, ist es am Ende doch einfach nur richtig, diesen bunten Strauß Verrücktheit zuzulassen.

Dennoch steht nach den ersten Songs die Frage im Raum, wohin die Reise noch gehen soll, wie diese Vielfalt und die wahnsinnigen Instrumental-Abfahrten noch getoppt werden sollen. Mit Reduktion, wie das kühle, von Synthesizer und Flöten dominierte „Enemy Gene“ gut aufgelegt zeigt. Einer von zwei Songs mit Janelle Monáe, die dem stellenweise nervtötenden Falsetto-Gesang von Kevin Barnes eine Auszeit gönnt, während „Girl Named Hello“ ausgeprägte Bass-Läufe im hüftenschwingenden Funk beheimatet. Der Platte kommt zugute, dass die überbordende Spielfreude mit sehnsüchtiger Zurückhaltung abwechselt wie in „Famine Affair“ oder „Casualty Of You“, einer Piano-Ballade erster Güte. So landet der Hörer sanft, obgleich die Explosion immer im Hintergrund lauert.

Anspieltipps:

  • Coquet Coquette
  • Enemy Gene
  • Famine Affair
  • Casualty Of You

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