Fran Healy - Wreckorder - Cover
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Fran Healy Wreckorder


  • Label: Rykodisc/WEA
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wreckorder“ ist weder ein Befreiungsschlag, noch eine wie auch immer geartete künstlerische Offenbarung geworden.

Fran Healy gehört zu der seltenen Spezies Mensch, die mit ein paar gesungenen Worten die dunkelste Seele zum Strahlen bringen kann. Der mittlerweile 37jährige Schotte und seine Band Travis sind daher gern gesehene Gäste, wenn zerbrochene Herzen geflickt, tiefgreifender Weltschmerz verarbeitet oder zornige Gemüter besänftigt werden sollen. Der sagenhaft-geniale Blumenstrauß an BritPop-Melodien, der besonders ab „The man who“ (05/1999) jedes Mal aufs Neue für Entzücken sorgte, musste es zwischenzeitlich mit dem dunklen „12 memories“ (10/2003) aufnehmen und rehabilitierte sich nur kurzzeitig auf „The boy with no name“ (05/2007), denn mit dem anschließenden „Ode to J.Smith“ (09/2008) wandten sich Travis ihren Anfangstagen zu und gingen deutlich ruppiger ans Werk. Verständlich, wenn nach über zehn Millionen verkaufter Platten die Experimentierlust die Oberhand gewinnt und theoretisch keine Zugeständnisse mehr an den Massenmarkt gemacht werden müssen.

Eine ähnliche Devise könnte man theoretisch auch für das Soloalbum „Wreckorder“ des Travis-Sängers erwarten, immerhin würde ein völliger Reinfall oder ein klarer Punktesieg nur dem Ansehen Healys schaden bzw. zugute kommen und nicht unbedingt die Reputation der Band selbst angreifen. Ungeachtet dessen bleibt der Schotte aber lieber auf der sicheren Seite und eckt nur im äußersten Notfall mit seinem Solowerk an. Wer die erste Singleauskoppelung „Buttercups“ schon hören durfte, wird wissen, was gemeint ist. Eine unwiderstehliche Ohrwurmmelodie setzt sich hartnäckig im Ohr fest und abgesehen von gelegentlich heiseren Ausbrüchen Frans könnte die Nummer ohne weiteres von Travis stammen. Das selbe Spiel wiederholt sich noch beim streicherunterstützten „Anything“, doch dann ist es soweit, die auffälligsten Gemeinsamkeiten sind abgehakt und die Linie zwischen bekannten Songstrukturen und eigenen Entwürfen verwischen zusehends, obwohl gewagtes Material definitiv anders klingt.

Den Auftakt inszeniert Healy mit „In the morning“ jedenfalls sehr packend, spielt seine ganzen Singer/Songwriter-Trümpfe aus und fasziniert durch eine dichte und emotional mitreißende Erzählstruktur. Der Gastauftritt im gefälligen „Sing me to sleep“ von Neko Case hat ein paar nette Momente, aber mehr nicht, „Rocking chair“ bezieht seine Spannung aus klagendem Gesang und vordergründiger Melancholie, nicht zu Ende gedachte („Shadow boxing“) oder generell unbefriedigende Langweiler („Holiday“) trüben zwischenzeitlich das musikalische Geschehen, bis „Moonshine“ einen ungewohnt lässigen Kopfnicker-Beat spendiert bekommt und sowohl „Fly in the ointment“ als auch „As it comes“ (mit Paul McCartney am Bass) dezent rauere Umgangstöne anschlagen um eine Brücke zur verschrobenen Ader von „The man who“ zu schlagen.

„Wreckorder“ ist also weder ein Befreiungsschlag, noch eine wie auch immer geartete künstlerische Offenbarung des Herrn Healy geworden, sondern bildet lediglich eine weitere Songsammlung, die schlicht und ergreifend zu unentschlossen für einen Travis-Output gewesen wäre. Die eine oder andere Perle werden Anhänger des Wahl-Berliners durchaus finden, doch übel nehmen sollte man dem Schotten seinen Soloausflug im Falle einer Enttäuschung trotzdem keinesfalls, denn jahrelang perfekte Popsongs abzuliefern und dann die eine oder andere weniger überzeugende Komposition abzuliefern, macht Mr. Healy nicht nur einen Tick menschlicher, sondern ebenso sympathisch und das ohne einen Blick auf das Cover geworfen zu haben.

Anspieltipps:

  • Moonshine
  • As It Comes
  • Rocking Chair
  • In The Morning

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