Sufjan Stevens - The Age Of Adz - Cover
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Sufjan Stevens The Age Of Adz


  • Label: Asthmatic Kitty Records
  • Laufzeit: 75 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Sufjan. Fleiß- und Kreativitätspunkte sind im eigentlich bei jeder Veröffentlichung sicher, auch wenn er wohl nie wieder ein Album wie „Illinois“ aufnehmen wird, so schön, so überragend es auch war, es ist natürlich besser so. Als ernstzunehmender Künstler, der Herr Stevens zweifelsohne ist, hat er freilich mehr zu bieten und auch durchaus Lust anderes, unvorhergesehenes zu wagen.

Letzteres lotet der ursprünglich einmal als Indie-Folk-Barde mit Abo auf konstruiertesten Konzeptalben eingeordnete Stevens mehr als nur aus. Was Stevens inzwischen so alles gemacht hat, in Nebenprojekten, auf Alben oder EP’s (zuletzt erst wieder! die wahrscheinlich längste EP der Welt), lässt sich kaum einordnen, geschweige denn vernünftig mit der Klammer Singer-Songwriter benennen. So ist die musikalische Kaleidoskopie, Experimentierlust und Umtriebigkeit zu Stevens musikalischen Charakterzügen geworden.

Doch was wir nun auf „The Age of Adz“ um die Ohren geprustet bekommen fügt Stevens bunten Regenbogen noch einige völlig neue Farben hinzu. Als hätte er zuviel „Alice im Wunderland“ gelesen und/oder geschaut, hört sich Stevens neues Album an wie eine Bewerbungsprobe für eine vakante Stelle bei den Flaming Lips. So ziemlich alle Sorten von modernen Sounds, bis auf die gänzlich aggressiven beziehungsweise brutalen, vereint „The Age Of Adz“ zu einer Wundertüte der Irritationen. Wohl nur in seine Art Musik zu machen ein wenig verliebte Fans werden „The Age Of Adz“ von vorneherein lieben. Doch nach anfänglichen Ressentiments wird sich auch den meisten anderen erschließen, dass Stevens hier nicht nur auf verrückt macht und nervt, sondern mal wieder ein ganz bestimmtes Schema im Kopf hat:

„Der Titel The Age of Adz spielt auf die apokalyptische Kunst von Royal Robertson an (1930-1997), einem schwarzen Schildermacher (und selbst ausgerufenen Propheten) aus Louisiana, der an Schizophrenie litt. Robertsons Werk stellt seine lebhaften Träume und Visionen dar von Aliens aus dem All, futuristischen Automobilen, exzentrischen Monstern und Hinweisen auf das bevorstehende Jüngste Gericht.“

Unter dieser informativen Aufklärung der Promotion erscheint Stevens Vorhaben in anderem Licht: Verrücktheit positiv abzubilden, Schizophrenie zu repräsentieren und Andersartigkeit normalen Menschen näher zu bringen, mögen einige Motive gewesen sein, sich diesen verrückten Schildermacher aus Louisiana zum Albumpatron zu nehmen und musikalisch ordentlich loszuspinnen. Die einzelnen Songs kennen dabei oftmals in sich so viele Wendungen, Stilbrüche und Tempiwechsel, dass repräsentarisch eigentlich nur der letzte, „Impossible Soul“, erwähnt werden braucht: 25 Minuten (!) nicht enden wollender Lagen, die zusammengefügt zu einem unausgegorenen und trotzdem hochwertigen Quilt zusammenfinden und Stevens mal wieder eindrucksvoll als sprudelnder Quell kreativer Ideen ausweist. Verwirrend, schwierig, aber trotzdem Gut.

Anspieltipps:

  • Futile Devices
  • Too Much
  • I Want To Be Well

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