Lizz Wright - Fellowship - Cover
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Lizz Wright Fellowship


  • Label: Verve/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer einfach nur die Seele baumeln lassen will, der ist bei dieser Jazz-Platte an der falschen Adresse.

Dieses Genre ist einfach nicht totzukriegen. Woche für Woche findet sich ein neues Jazz-Album und Jahr für Jahr zaubern die Musiker mit den meist durchdringenden Stimmen neue Talente hervor. Wie kann das sein, dass in Zeiten der Elektronik und des Cyberspace Musik Platz findet, die allein auf organischen Instrumenten basiert, nicht selten sogar allein mit Stimme und Klavier/Piano funktioniert? Jazz und Gospel erleben nicht wie Folk und Americana ein Revival, sondern waren durchgehend erfolgreich. Das Geheimnis liegt wohl genau darin, dass die Musik nicht in die heutige Zeit passt. Hektische Metropolen und umkämpfte Arbeitsplätze, Großstadtlärm und Finanzkrisen. All diese Stress getriebenen Probleme scheinen so weit entfernt von der lebendigen und beschwingten Art der Gospelmusik und so relaxt bleibt der kunstvolle Jazz, egal welche Katastrophe auf ihn zusteuert. Natürlich darf man diese Einstellung blauäugig nennen, aber die Bezeichnung Genießer darf nicht fehlen.

Lizz Wright ist seit geraumer Zeit keine Unbekannte mehr unter Gospel- und Jazz-Fans. 2003 erschien ihr Debüt „Salt“ und die Jazzliebhaber Amerikas entdeckten diese schwarze Perle für sich. Seitdem hat sich Einiges getan und Lizz Wright bringt dieses Jahr schon ihren vierten Output auf den Markt. Ihr Name ist inzwischen eine Größe und kein Geheimtipp mehr und ihre Stimme gehört zu den Konstanten des Genres. Was sich nicht geändert hat, ist ihre immer frische Liebe zum Jazz, sowie zu der mitreißenden kraft des Gospel. Nur wenige Tracks auf dem Album sind als wirkliche Jazzstücke zu betrachten, den viel zu oft dürfen Chöre die wirbelnde Kraft der Kirchenmusik heraufbeschwören. Dieser Gospelgeist wird auch gerne mal mit einer Portion Soul garniert („Fellowship“) das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf Jazz. Der Höhepunkt ist sicherlich das über acht Minuten lange „Gospel Medley“, das so ziemlich alles in die Waagschale wirft, was man sich von Lizz Wright wünschen könnte. Natürlich sind die zarten Passagen nicht so genial wie in „Feed The Light“ und „Imagination“ bewegt sich mit den afrikanischen Rhythmen in interessanteren Gewässern, aber dieses Medley gibt einen superben Überblick.

Wer einfach nur die Seele baumeln lassen will, der ist bei dieser Jazz-Platte an der falschen Adresse. Zu oft will man zumindest mit dem Stuhl wippen, wenn die schnellen Chöre einsetzen. Natürlich gibt es die ruhigen Momente, die im traditionellen „Amazing Grace“ ihren Höhepunkt finden, aber „Fellowship“ ist in erster Linie ein Album, das wieder beweist, was für fähige Musiker die meisten Jazz-Interpreten sind. Lizz Wright überzeugt abermals mit ihrer hierzulande seltenen Mischung aus Gospel und Jazz. Die Kurzausflüge nach Afrika in Form von „All The Seeds“ und „Oya“ wirken noch deplatziert, doch „Imagination“ ist ein erster Versuch die Wurzeln der Vorfahren in ihre Musik einzubinden. Ob Lizz nach Experimenten ist, darf allerdings bezweifelt werden, da sie sich mehr als Wohl in ihrem bisherigen Genre fühlt. Denn genau dabei geht es doch bei dieser Musik: An Altes zu erinnern, statt dem Neuen immer gleich nachzugeben. Klingt altbacken, senkt den Puls jedoch ungemein vorm nächsten Meeting.

Anspieltipps:

  • Gospel Medley
  • Amazing Grace
  • Imagination

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