Till Brönner - At The End Of The Day - Cover
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Till Brönner At The End Of The Day


  • Label: Verve/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Zusammenstoß von Kunst und Kompatibilität mit der Masse wirkt noch unausgereift, aber zu weit hat sich Till Brönner mit diesem Album nicht aus dem Fenster gelehnt.

Nach seinem letzten Album hat man Till Brönner gerne bescheinigt, dass er nicht auf kommerziellen Erfolg aus ist, sondern sich auf das Musizieren konzentriert. Das Ergebnis war zwar zwiespältig, aber keinesfalls ein Reinfall. Kooperationen mit Aimee Mann und Vanessa DeMata ließen Fan-Herzen höher schlagen und man vergab dem deutschen Jazz-Musiker gerne, dass ein knappes Viertel der Platte nicht so recht zünden wollte. „At The End Of The Day“ soll auch diese Schwäche ausmerzen, denn diesmal muss der Hörer sich mit 20 Minuten weniger begnügen. Wenn es sich dabei um eben diese Minuten handelt, die auf dem Vorgänger zu lang gezogen waren, verzichtet der Hörer gerne.

„And I Love Her“ fängt den Hörer mit bekannter Chill-Out-Lounge-Stimmung auf. Jazz, garniert mit einer Prise Bossa Nova. Ein sehr schöner, beruhigender Auftakt, der auch weiterhin nichts von Anbiederung zeigt, sondern Brönner in Reinform präsentiert. Auch „After You've Gone“ bläst in die selbe Posaune und sorgt für wehmütige Wohlfühlstimmung. Was nach diesem wirklich gelungenen Auftakt schief läuft, ist kaum zu erklären. Warum Brönner mit einer poppigen Coverversion von „Human“ von The Killers. Wer hier den Jazz heraushören möchte, der muss es wirklich wollen. Milo wäre stolz auf eine solche Interpretation des Liedes. Null Innovation, Weichspülstimme und garantierter Radioerfolg. Nicht, dass Erfolg etwas Schlechtes ist. Die Kings Of Leon haben es bisher geschafft ohne große Kompromisse bei der Masse anzukommen. Brönner aber liefert hier einen Schmusetrack mit Alibi-Jazz-Einlagen ab, welcher der Qualität der originalen Stücke weit hinterherläuft.

Als wäre nie etwas gewesen, gefällt „Through With Love“ in bester Manier des Auftakts. Diese Musik lebt davon entspannend zu wirken. Hier gibt es nahezu Höchstpunktzahl, wenn die wirklich intensiven Jazz-Einlagen nicht so auf sich warten lassen würden. Brönner schafft gute Lieder, die allerdings hin und wieder den besonderen Kick gebrauchen könnten. Sein obligatorisches Posaunen-Solo ist da nicht immer genug. Abwechslung in Form von „Human“ muss jedoch auch nicht sein. Abwechslung soll es geben und zum Glück entstammt sie nun Brönners Feder. Leider wirkt die erste Kreation wie ein quietschbunter Lollipop, der nicht in das Gefüge passen möchte. Abgesehen davon und nach dem ersten Schreck ist so ein Stück aber eine gute Abwechslung. Besser wäre eine Lounge kompatible Version wie „Said It All“ gewesen. Zwar gibt es hier nicht so viel knallig bunte Sonnenschein-Musik wie im Track davor, doch dafür gefällt die entspannte Stimmung mit Club-Ambiente und lädt zumindest zum Sonnenuntergang ein. Das passt schon mehr zu Till.

Zwei Mal ergibt sich Brönner dann doch noch dem Pop, schafft damit auch die Cover-Kurve, denn „I'm Only Human“ funktioniert schon besser als „Human“. Auf die textliche Ebene begeben wir uns nicht herab, denn warum diese Lieder sich auch noch so ähneln müssen, bleibt ein Geheimnis des Künstlers. „Your Life“ funktioniert ebenfalls, aber es sei daran erinnert, dass „funktionieren“ nicht heißt, dass es superb ist. Es ist okay. Danach gibt es dann einen echten Brönner-Marathon, denn ab dem achten Lied hat Till entweder keine Ideen oder keine Lust mehr auf großes Experimentieren. Jetzt gibt es einfach nur Jazz für die späten Stunden und die großen Gläser. Der Puls der Songs bleibt weit unter 90 und kehrt zurück zu alten Tugenden. Das heißt weniger Gesang und mehr Posaune für alle! Obwohl der Musiker es schafft seinen eigenen Stempel auf die Tracks zu drücken, passt nicht alles zusammen. Die Längen gibt es nicht mehr, dafür die fragwürdigen Popsongs, die nur teilweise Spaß bringen. Gerade der klassische Teil wurde jedoch angenehm gestrafft und die Lieder gehen nicht mehr so schnell an einem vorbei. Der Zusammenstoß von Kunst und Kompatibilität mit der Masse wirkt noch unausgereift, aber zu weit hat sich Till Brönner mit diesem Album nicht aus dem Fenster gelehnt, sodass auch jene zugreifen können, die die poppige Entwicklung nicht gutheißen.

Anspieltipps:

  • If I Saw You Tomorrow
  • Said It All
  • I'm Only Human

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