Ashley Hicklin - Parrysland - Cover
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Ashley Hicklin Parrysland


  • Label: Ferryhouse/WEA
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie hätte James Blunt geklungen, wenn er nicht im Krieg gewesen wäre. Ein Satz, der vor Konjunktiven nur so strotzt, wird nur selten echte Antworten liefern, aber ein passender Anfang für den Songwriter-Pop von Ashley (auch ein Jungenname. Diese Engländer...) Hicklin ist das trotzdem. Wer jetzt damit argumentiert, dass Blunt auf seinem zweiten Album entspannter klang hat nur teilweise recht, denn auf diesem Klang der gute Mann schon aufgesetzt. Hicklin nimmt sich derselben Themen wie Blunt an. Kleine Lebensweisheiten sind hier und da gesät, aber an vorderster Front stehen natürlich zuckersüße, tief emotionale Liebesballaden. Dass der 24-Jährige bei seinen ersten Soloauftritten oftmals mit einem neunköpfigen Orchester unterwegs war, spricht Bände. Wer mit schmachtenden Brit-Pop-Arien nichts anfangen kann, schaltet bei diesen Voraussetzungen am besten gleich ab.

Wer sich an ausschweifender Liebeslyrik nicht satt hören kann, dem wird schon der „Blood On The Moors“ die Freudentränen in die Augen treiben. So viel Gefühl, Optimismus und eine nasale, typisch britische Stimme, gewürzt mit Gesang im Hintergrund, besagten Streichern und warmen Gitarrenklängen. Ashley Hicklin liefert alles, wofür man als Radiohörer Brit-Pop in Songwritermanier lieben beziehungsweise hassen kann. „She Is Love“ weigert sich inständig auch nur irgendetwas anders zu machen als der Opener, was daran liegt, dass die Eingängigkeit großgeschrieben wird. Den Löwenanteil auf dem Album bekommen eben diese vor Pathos strotzenden Nummern, aber natürlich wird auch ein wenig variiert, sodass der geneigte Hörer sich vor Hasstiraden anderer Hörer verteidigen kann. Minimalistische Nummern wie „Masquerade“ verbinden den Mainstream wunderbar mit Intimität und „Eskimos To Astronauts“ könnte von Amy McDonald stammen.

Verspielte Country-Einlagen („Dublin, I'm Coming“) und tanzbarer Spaßpop („Whizz Bang Bang!“) sind rar gesät, fallen qualitativ allerdings nicht von Hicklins Paradedisziplin ab. Auch die angestammte Abgeklärtheit moderner Soulgrößen ahmt Ashley ein ums andere Mal beachtlich nach („Memories & Faces“). Und da dieses Album das Brit-Pop-Rad ausgiebig nutzt, aber auf keinen Fall neu erzählt, darf auch die Piano-Ballade als abrundendes Bonbon nicht fehlen. Hicklin nutzt seine Begabung, Melodien zu schaffen, die im Ohr bleiben, bis zum Äußersten. Freunde der fast schon zu gefühlvollen Songwriter-Musik werden noch Stunden später die Melodie eines der Stücke singen. Seien es die groß angelegten Lieder oder die leisen, ebenfalls vor Gefühl triefenden Nummern, alles passt. Die drei bis vier Ausnahmestücke fügen dem Debüt des Engländers noch eine Prise Individualismus hinzu. So ein Debüt kann sich sehen lassen und erinnert uns daran, wie sehr wir Schmachtpop süß verpackt lieben können... oder hassen.

Anspieltipps:

  • Dublin, I'm Coming
  • Blood On The Moors
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