Helen Schneider - The World We Knew: The Bert Kaempfert Album - Cover
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Helen Schneider The World We Knew: The Bert Kaempfert Album


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Manche Alben brauchen als Einleitung Informationen über den Künstler. Helen Schneiders neues Album „The World We Knew – The Bert Kaempfert Album“ ist auf jeden Fall ein Album jener Sorte. Doch weniger geht es in dieser Einleitung um Helen Schneider, die Frau mit dem deutschen Namen und den amerikanischen Wurzeln. Die erste westliche Künstlerin, die im Palast der Republik in der DDR auftreten durfte. Nein, das illustre Schicksal dieser Frau soll nicht Kern der Einleitung sein. Wir wollen uns den Namen Kaempfert in Erinnerung rufen. Bert Kaempfert war bis zu James Last der erfolgreichste Orchesterleiter Deutschlands. Die Arrangements des Nordlichts aus Hamburg waren international gefragt und so schaffte er es von der Big Band „Pik Ass“ bis zu Arrangements für Freddy Quinn, Ivo Robic und den King höchstpersönlich, Elvis Presley. Auch mit Hildegard Knef, Al Martino und Frank Sinatra folgten Kooperationen, was den Stellenwert Kaempferts unterstreicht. Dazu kommt, dass er die späteren Beatles als bloße Begleitband für eines seiner Projekte in petto hatte.

Um diesen Mann zu ehren, nimmt Helen Schneider also mit dem SWR-Orchester ein Jazz-Album auf. Bei all den Tribute-Alben, die den Markt schier überfüllen muss Frau Schneider es allerdings verzeihen, wenn man solcherlei Alben eher mit einem kritischen Auge betrachtet und nicht dankbar auf die Knie geht, dass an einen großen Künstler erinnert wird. Dazu kommt die Ungewissheit, ob die neuen Jazz-Versionen der Grandeur der Originale gerecht werden. An Helen Schneiders Stimme sollte es nicht liegen, denn die bald sechzigjährige Lady kann mit genug Preisen und ausverkauften Hallen beweisen, wie stark ihre Stimme ist. Schon eine nicht allzu alte Automobilwerbung nutzte den Hit „L.O.V.E“ und zeigte, wie weichgespült die alten Hits im neuen Popgewand wirken. Genau das sollte einer Helen Schneider doch nicht passieren. Oder?

Die Voraussetzungen sind mehr oder minder perfekt. Mit Orchester im Rücken kann Madame Schneider aus dem vollen Schöpfen und den Big-Band-Sound zur Not auch erweitern. Aber die Interpretin möchte nicht bloß kopieren, sondern ihre eigene Note einbringen. Wenn damit ihr Gesang gemeint wäre, wäre alles in Ordnung, aber nein, die Instrumentalisierung ist der Knackpunkt. Bert Kaempfert sagte einmal: „Ich will Musik machen, die keinen stört.“ Löblich ist dieser Ausspruch allemal, aber böse Menschen könnten bei diesem Satz an Fahrstuhlmusik denken. Vielmehr war es jedoch Kaempferts Ziel möglichst eingängige Musik zu machen, welche den Hörer nicht in den Bann zieht, aber angenehm mitschunkeln lässt und wo das Mitsummen nur schwer zu unterdrücken ist. Wiederum böse Zungen brüllen jetzt laut den Namen von Bands wie Coldplay, was gar nicht mal so unbegründet ist. Chris Martin hat sich schließlich auch schon in der Richtung geäußert, dass sie einfache „Sing-Alongs“ mit immer frischem Klang bieten wollen. Diesem Schema ist auch Bert Kaempfert gefolgt, der während seiner zahlreichen Zusammenarbeiten viele verschiedene Klangwelten und Rhythmusarten kennenlernte und auch benutzte.

Hier ist auch die Krux für das Album auszumachen. Die immer wieder auf derselben Besetzung und Stimmung basierende, musikalische Untermalung plätschert manchmal einfach so vor sich hin, anstatt den Hörer zum Mitmachen zu animieren. Schneider scheint auf alle Kenner der Lieder zu setzen, die die Parallelen zu den Originalen ausmachen und sich in der Melodie verlieren. Bei „L.O.V.E.“, „Strangers In The Night“ und natürlich „Danke Schön“ ist es leicht sich in der Hauptmelodie zu verlieren, aber an die alten Klassiker wird nicht gleichwertig herangekommen. Zu sehr fixiert sich Schneider auf Genre-Treue bei ihren Umsetzungen, anstatt den Pomp der Lieder zu übernehmen. Ihre Aussage, dass die Musik Kaempferts zeitlos sei, hat sie sich wohl zur Maxime gemacht, was merkwürdig ist, da Jazz nicht unbedingt als moderne Richtung angesehen werden kann. Für richtig guten Jazz fehlt aber der freie Geist der Instrumente, der in einem Orchester nur schwerlich zu erzeugen ist und Kamepferts Stücke klingen in der normalen Fassung nun mal doch ein gutes Stück besser, womit Fans der Diva sich besser nach einem anderen Album umsehen und Anhänger Kaempferts auf Vinyljagd gehen, um sich die wahre Pracht dieses Dieter Bohlens in gut zu gönnen.

Anspieltipps:

  • L.O.V.E.
  • Danke Schön
  • Strangers In The Night

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