O.Children - O.Children - Cover
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O.Children O.Children


  • Label: Deadly People/Rough Trade
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4/10 Leserwertung Stimme ab!

Neulich im Jenseits: Der Joy Division Sänger Ian Curtis hat bereits 30 Jahre der Ewigkeit hinter sich und ein Zufall lässt ihn auf die Soul-Legende Barry White treffen, der im verflixten siebten Jahr der Ewigkeit steckt. Gemeinsam beschließen sie einen Blick auf den Planeten Erde zu werfen, dort fällt ihnen ein gewisser Tobi O’Kandi auf. Dessen Stimmbänder beseelen Ian Curtis und Barry White gemeinsam, sie segnen ihn und überlassen ihn dem irdischen Sein.

Tobi O’Kandi (Vocals) ist ein dunkelhäutiger 20-jähriger, der mit Andi Sleath (Drums), Gauthier Ajarrista (Guitar) und Harry James (Bass) die Band O.Children ins Leben rief. Nach einem Nick-Cave-Song benannt, trägt auch ihr Debüt-Album den Titel „O.Children“. Dieses tritt in die musikalischen Fußstapfen von Joy Division, Bauhaus, Sisters Of Mercy und Nick Cave. Das Album beginnt mit dem dunklen, mächtigen „Malo“. Dumpfe Bässe, mechanische Schlagzeugrhythmen und Streicherarrangements, die dem Song das Fliegen beibringen. Der „Dead Disco Dancer“ ist ein finsterer Hit mit psychedelisch leuchtenden Orgelläufen, O’Kandis Stimme singt mit der himmlischen Fügung, mit Herz und Seele („Heart & Soul“ war ein Titel von Joy Division).

O.Children gehen einen schmalen Grat, über den sie hier beinahe schwebend hinweg balancieren. Die Gefahr ist der Bombast, der auf „Heels“ aufblitzt, aber im Zaum gehalten wird. Echo & The Bunnymen und die Simple Minds hatten in späteren Karrierejahren damit ihre Probleme, womit sie bekanntermaßen auch scheiterten. O.Children umschiffen dies hier geschickt, die Synthies und Chöre auf „Fault Line“ werden perfekt in den Song integriert und die glasklare Produktion tut ein Übriges. „Smile“ wird rhythmisch dumpf geerdet, der Song läuft wie ein Uhrwerk und hat doch Seele, nicht zuletzt des Sängers wegen. Die E-Gitarren mahnen an Joy Division, selbst Velvet Underground steckt in einigen wenigen Riffs.

Das Debüt von O.Children spielt mit dunkler Melancholie und seelenvoller Eleganz, man kann nur hoffen, dass Ian Curtis und Barry White ihre schützenden Hände über O.Children halten werden und nicht der schnöde Mammon seine Kinder fressen wird. Beten wir also, dass der Sinn des Titels „Pray The Soul Away“ nicht eintrifft. Dann dürfen wir weiter tanzen auf den „Ruins“, zu den „Radio Waves“, um immer wieder den „Dead Disco Dancer“ zu feiern.

Anspieltipps:

  • Dead Disco Dancer
  • Smile
  • Ruins
  • Radio Waves

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