Aeroplane - We Can´t Fly - Cover
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Aeroplane We Can´t Fly


  • Label: Eskimo/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Theorien, die sich mit den unterschiedlichsten Formen des Zeitreisens beschäftigen, gibt es einige. Ob Michael J. Fox zur cineastischen Untermauerung dafür in einem De Lorean sitzen muss („Zurück in die Zukunft“), am Spielesektor fehlgeschlagene Experimente zur Schaffung eines „Zeitmanipulationsgerät“ herhalten („Singularity“) oder schlicht und ergreifend schwarze Löcher das Raum-Zeit-Kontinuum durcheinanderwirbeln sollen, allein die Annahme einmal durch die Zeit zu reisen hat eine unbestreitbare Faszination und bietet Stoff für tausend Bücher, Filme, Spiele und hat natürlich auch in der Musik einen nicht zu vernachlässigenden Stellenwert, denn immerhin hat die Retrowelle zu einem gewissen Grad ebenfalls mit einer Reise in die Vergangenheit zu tun, wie Alben, die ihrer Zeit voraus sind und erst in einigen Jahren den Tribut für ihre Pionierleistung einfahren.

Der Belgier Vito De Luca mag mit seinem ersten Soloausflug „We can´t fly“ nach der Trennung von seinem Remixpartner Stephen Fasano nicht unbedingt daran gedacht haben, eine Platte vorzulegen, die klingt als wäre sie bereits vor 20 Jahren als Hommage an vergangene Dekaden entstanden, doch letztendlich ist die unter dem Banner Aeroplane veröffentlichte Zitateschleuder genau das geworden. Schon nach ein paar Sekunden fräsen sich 80er Jahre-Synthies in die Gehörgänge als hätten wir 1984 und Eddie Murphy würde zum ersten Mal als Detective Axel Foley auf Gangsterjagd gehen („Mountains of Moscow“). Ein sanfter Reggaebeat darf anschließend mit Reminiszenzen an Michael Grays Houseklassiker „The weekend“ Händchen halten („We can´t fly“), während die Scissor Sisters ein kurzweiliges Workout veranstalten („Superstar“), schwelgerische Streicherakkorde und sanfte Keyboardflächen ihre Arme ausbreiten und durch französischen Luftraum schweben („The point of no return“) und Abba ihren Discohit „Lay all your love on me“ in einem weitaus elektronischerem Umfeld, dafür aber ohne Peinlichkeiten umgesetzt wissen („My enemy“).

Kurzum: „We can´t fly“ ist ein exzessiver, dezent psychedelisch angehauchter Retro-Trip, der sich lohnt. Nicht, weil Mastermind Vito De Luca mit ohrenbetäubenden Kratztönen oder einer legendären Gästeliste protzt (diese stammt nämlich mit Au Revoir Simone, dem Poni Hoax-Sänger Nicolas Ker, Songwriter Jonathan Jeremiah und den beiden Sängerinnen Sky Ferreira und Merry Clayton hauptsächlich aus dem Independentbereich), sondern weil er sein kunterbuntes Ausgangsmaterial mit Samthandschuhen anfasst und würdevoll behandelt. Zeitreisen kann so einfach sein!

Anspieltipps:

  • My Enemy
  • We Can´t Fly
  • Mountains Of Moscow

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