Delilahs - Delilahs - Cover
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Delilahs Delilahs


  • Label: Chop Records/H'ART
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Rainbirds und Bell, Book & Candle. Das sind zwei Namen der deutschen Musikszene, die man nur kennen kann. Auch wenn Namedropping nicht die Stärke des jeweiligen Hörers sein sollte, klingelt es bei den Liedern „Blueprint“ und „Rescue Me“ sofort klingeln – also, wenn man sie hört. Beide Tracks und die Debütalben der Bands tummelten sich in den Top-10 der deutschen Charts und kleben heute noch wie metaphorische Zuckerwatte im Ohr der Hörerschaft fest. Beide Erfolgsgruppen kommen aus dem deutschsprachigen Bereich, haben ihr Bestehen bereits hinter sich oder fristen nur noch einer Schattendasein. Wer sich wieder so eine durchdringende Stimme wie Jana Großs Stimmorgan wünscht und Gitarrenriffs aus dem deutschen Länderdreieck hören möchte, der sollte aufmerken: Delilahs aus der Schweiz klingen nach Rock, klingen International und trotzdem auf ihre ganz eigene Art verspielt und nicht für den Markt weichgespült.

Muriel Rhyner (Gesang und Bass), Bruder Phillipp (Gitarre), Isabella Eder (Gitarre) und Daniel Fischer (Schlagzeug) erzeugen gleich mit dem ersten Track ein Gefühl von Vertrautheit. Muriels Stimme erinnert entfernt an Bell, Book & Candle und setzt sich gut gegen die frischen Gitarrenriffs durch. Roher Gesang und handfeste Musik, die die Melodie jedoch nie hinten anstehen lassen. „2 Bodies“ und „Void Of Feeling“ funktionieren beide nach bestem Power-Pop-Rezept. Gerade letzteres Stück beweist, wie gut die Eidgenossen es verstehen, ruhige Strophen und richtig laute, ungeschliffenen Rock zugleich auf den Hörer loszulassen. Die Tracks bleiben dabei im Ohr und ziehen sich nicht in die Länge. So kann es weiter gehen. Ausgerechnet „B For Banana“ ist dann ein wenig eintönig geraten, gefällt aber durch den harschen Gesang, der schon an Punk erinnert und so einige trashige Soundeinschübe, die deutlich machen sollen, dass die Delilahs nicht bierernst sind, sondern durchaus Spaß verstehen.

Neben den frechen Rockern gibt es natürlich auch die leisen Töne der Schweizer Gruppe. „Calm Me Down“ gefällt allerdings nicht allein durch den bloßen Akustik-Charme, sondern begeistert mit dem Fakt, dass ein ruhiges Stück nicht gleich eine Ballade sein muss. Hier herrscht eine ernste Atmosphäre vor, die nachdenklich stimmt und intensiver klingt, als so manche Pop-Liebesarie. Die Rocksongs dagegen bringen genug Abwechslung in die knappe Dreiviertelstunde des Albums. „Reasons For Love“ biedert sich als Single mit ordentlich Wumms hinter den Verstärkern an. Hier werden keine Kompromisse für den Erfolg eingegangen. Auch wenn sich der Track im Schlussteil etwas zieht, genießt man die ungestümen Riffs bis zuletzt. Das ironische „I Wanna Be A House“ beweist wieder ihren Hang zum Punk, welcher auch im Bonustrack noch einmal aufflackert. Fans dieser Sparte dürfen also auch einen Blick riskieren.

Ob ruhige Stücke („Fury“, „Tell Me“), Punk („75 E“) oder richtig guten Independent-Rock („My Own Destiny“): Die Hörer werden auf allen drei Levels in gleichem Maße beglückt. Die verschiedenen Arten beweisen alle ihre Stärken und Ausfälle werden durchgehend vermieden. Hier und da zieht sich ein Lied oder die Melodie bleibt nicht gleich im Kopf hängen, doch das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Es bleibt zu hoffen, dass die Delilahs ihrem Stil treu bleiben, denn die Musik klingt erfrischend und anders im Vergleich zum Gros des aktuellen Marktes. Ob sie sich auf Punk- oder Power-Pop-Rock spezialisieren sollten, um griffigere Tracks zu schaffen, ist eine Frage, vor der man keine Angst haben muss. Das Talent zu beiden Richtungen hat der Schweizer Vierer bewiesen und wird uns in seiner rauen, unverbrauchten Art hoffentlich erhalten bleiben.

Anspieltipps:

  • 2 Bodies
  • I Wanna Be A Housewife
  • Fury

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