Bachman & Turner - Bachman & Turner - Cover
Große Ansicht

Bachman & Turner Bachman & Turner


  • Label: Cadiz Music/SOULFOOD
  • Laufzeit: 60 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie schreibt man einen Schlag ins Gesicht? Ein Laut wie „BAM“ oder „KAPOW“, die man früher in Batman (mit dem legendären Adam West) nutzte, um Gewaltszenen zu überblenden? Oder beschreibt man es besser wie eine moderne Slow-Motion-Szene? Jedes Detail vom sich verformenden Kiefer und seinem ins Mark gehende Knacken bis hin zu den tränenden Augen und der Blut-Spicke-Mische, die sich aus dem unfreiwillig offenen Mund verabschiedet. Es ist nicht gerecht, dass Musiker wie Bachman & Turner einfach nur ihren 70er-Rock auspacken und mit kantigen Riffs – mit denen AC/DC noch heute Hallen füllen – dem modernen Rocktum in weniger als vier Sekunden hörbar vors glatt polierte und rasierte Schienbein treten. Bachman und Kollege Turner weigern sich mit der Zeit zu gehen. Der Name hat sich von Bachman-Turner Overdrive nur unmerklich in Bachman & Turner geändert und bei der Musik lässt sich im Vergleich zur bewegten Vergangenheit noch weniger Unterschied ausmachen.

Ganz gleich ob Blues, Southern oder Hard: keine dieser Kategorien beschreiben die Altrocker gänzlich, aber alle sind vertreten. Es gibt die zielgerichteten Rocker, zu denen man schlicht und ergreifend ins Auto steigen möchte und dem Asphalt zeigt, wer oben liegt. Allein der Titel „Rollin' Along“ verrät hier, dass solche Gedankengänge legitim sind. Endlich wieder ein Rockgefühl wie bei Fu Manchus „Hell On Wheels“ oder natürlich dem „Highway To Hell“! Wolfmother-Fans sollten aufmerken, da der Staubtrockene Stil der goldenen Rockjahre hier eine noch authentischere Wiedergeburt feiert, wenn auch in einem ruhigeren Tempo. Zu schnelle Songs könnten für den Laien schließlich hektisch wirken und dieses Attribut kann und darf nicht im Zusammenhang mit dieser Platte verwendet werden.

Die Lieder feiern sich und den Rock ihrer Generation ohne Rücksicht auf etwaige Verluste und so darf man sich an durchgängig über die Paarung aus knackigen Riffs und tollen Melodien freuen. Nur wenige Tracks des Albums gehen am Hörer vorbei und fast jeder Song stellt sich als Perle heraus, die noch auf vielen Rockpartys ihre Daseinsberechtigung erfahren werden. Viele gute Soli sorgen dafür, dass die einfachen Ideen nicht nur ausgeschlachtet werden und der Hörer pro Song mit einem Minimum an Abwechslung abgespeist wird. Natürlich gibt es den ein oder anderen Moment, der etwas lang gezogen wirkt, weil die Melodie für vier Minuten einfach nicht gut genug ist, um ohne Abwechslung auszukommen. Dann ist da noch das aus dem Konzept fallende, überlange „Traffic Jam“ und die überflüssige Singleversion zu „Slave To The Rhythm“ negativ zu erwähnen. Diese Details sind aber auch alles, was den Rocker kurz an den üblichen Stellen juckt, die herzhaft gekratzt werden und mit jeder Menge fantastischer Songs weg gerockt werden. KAPOW! Hat nicht gewirkt, oder?

Anspieltipps:

  • I've Seen The Light
  • Can't Go Back To Memphis
  • Repo Man

Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Bachman & Turner“
comments powered by Disqus