Pure Reason Revolution - Hammer And Anvil - Cover
Große Ansicht

Pure Reason Revolution Hammer And Anvil


  • Label: Superball/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Pure Reason Revolution haben mit ihrem zweiten Werk „Amor Vincit Omnia“ wahrhaftig eine kleine Revolution gestartet und dies zum Leidwesen vieler Prog-Rock-Fans. Sie haben sich musikalisch stark auf die Synthesizer-Klänge der 80er Jahre rückbesonnen und einen konfusen Mix aus Elektro und Pop kreiert, eine völlige Kehrtwende zum sehr positiv aufgenommenen Debüt „The Dark Third“. Das Kuriosum maximum war aber diese sehr experimentelle und unausgereifte Platte als neue Identität der Band zu bezeichnen. Eine Fanbasis baut man eher anders auf. Wird auf dem dritten Album „Hammer And Anvil“ nun alles besser?

Generell schon, denn die Band hat einen Zwischenweg gefunden, der ihre beiden Alben und damit beide musikalische Seiten in Einklang bringt. Die Band ist weiterhin auf der Suche nach einer endgültigen Identität, hat aber einen großen Schritt nach vorne getan. Die meisten Songs wirken viel stimmiger als auf dem Vorgänger und schaffen es Melodien und Elektroklänge mal kontrastreich, mal ineinander greifend zu verbinden. Übertriebene Elektro-Attacken sind nicht mehr allgegenwärtig, ganz verschont wird man aber nicht, denn die Beats pluckern an jeder Ecke. Bis auf das ziemlich nervige zweiphasige „Fight Fire“, welches gleich zu Beginn den Geschmack auf das Album leider etwas verderben kann, weil es wie eine Alarmglocke daherkommt, wird es danach deutlich angenehmer. Nicht abschrecken lassen, zur Not die Skip-Taste betätigen!

Wer diese erste Hürde genommen hat, wird mit genau dem belohnt, was sich wohl einige erhofft haben, einer Fusion aus alt und neu. Diese gelingt in den Songs mal mehr, mal weniger und klingt zum Glück nicht so strikt nach Sythiepop der 80er wie zuvor auf „Amor Vincit Omnia“. Es ist überraschend wie gut sanfte Melodien und Elektro-Beats zusammen passen können. „Black Mourning“ ist ein sehr gelungener Vertreter dessen, besonders die sich überlagernden Gesangslinien von Chloe und Jon verleihen dem Lied das Prädikat wertvoll.

Falls sich jemand schon immer gefragt hat wie Techno-Pop wohl klingen könnte, „Blitzkrieg“ ist die Antwort. Wem die Kriegsthematik des Albums zunächst entgangen ist, sollte dies spätestens zum Ende hin an den Titeln erkennen. Pure Reason Revolution vertonen drei mögliche Phasen des Kriegs und das in sehr großen Kontrasten, nennen wir es ruhig Gegensätzen. Dem Blitzkrieg folgt der Aufstand („Open Insurrection“), mit viel Spannung und einer richtigen Noise-Wand, die nur von den gesungenen Zwischenparts ein wenig in die Knie gezwungen wird. Die Intensität dieses Songs ist wirklich mitreißend. Die Kehrtwende, sprich der Waffenstillstand („Armistice“), wird durch einen absoluten 80er Jahre Popsong in die Wege geleitet, frei nach dem Motto: Friede, Freude, Eierkuchen.

Progressive Rock ist „Hammer And Anvil“ nicht, was wohl auch niemand mehr erwartet hat, aber auch allgemein lässt es sich nur schwer der Rocksparte zuordnen. Sicherlich wird es auch so seine Anhänger finden, weil es handwerklich viel besser gelungen ist als sein Vorgänger. Wer sich für solch untypische Verbindungen von Elektro-Beats mit anderen Musikstilen interessiert, sollte auch die aktuelle 65daysofstatic Probehören.

Anspieltipps:

  • Black Mourning
  • Open Insurrection
  • Never Divide
  • Blitzkrieg

Neue Kritiken im Genre „Electro“
Diskutiere über „Pure Reason Revolution“
comments powered by Disqus