Steiner - The Light - Cover
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Steiner The Light


  • Label: Timezone Distribution
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Bands mit deutschen und deutschsprachigen Wurzeln haben sich allem Anschein nach auf das Jahr 2010 als großes Comeback-Jahr geeinigt. Wir Sind Helden, Juli, Christina Stürmer, Madsen und Bela B. Sind nur einige der großen Namen, die dieses Jahr wieder für musikalisches Aufsehen sorgen sollten. Bis auf Madsen und Wir Sind Helden sind die großen Würfe jedoch ausgeblieben und allein die schon bestehende Fan-Basis durfte sich über jeweils solide Kost freuen. Die frühherbstlichen Festspielwochen sind nach dem Erscheinen von Christina Stürmers Album erst einmal auf Blitzeis gelegt und der Anhänger guter Musik aus dem deutschsprachigen Raum konzentriert sich auf Polarkreis 18.

Im Zuge der Zugpferde unserer Musikindustrie haben sich aber auch viele neue Namen hervorgewagt und in Sachen Einfallsreichtum und Qualität nicht wenige der Veteranen alt aussehen lassen. Nach fünf Jahren Vorbereitungszeit wagt sich auch Gerald Anton Steiner mit seinem nach ihm benannten Projekt ans Tageslicht. Der inzwischen in Granada lebende Österreicher hatte 2005 genug Ideen für ein ganzes Album und benötigte dafür nur noch eine Stimme. Die Stimme lieh ihm Daniela Lehner, die inzwischen als Sängerin, Schauspielerin/Tänzerin ihr Brot verdient. Bis das aufgenommene Material allerdings seine Reife erfuhr, mussten Schlagzeuger Andreas Mayrhofer und Musiker Christoph Prammer ins Geschehen eingespannt werden, um aus „Steiner“ mehr als nur ein kleines Experiment zu machen.

Von den alten Liedern hat es kaum einer auf das Album geschafft. Zu viele neue Einflüsse haben Steiner geprägt. Dass das Warten und die vielen Korrekturen sich jedoch bezahlt gemacht haben, will niemand bezweifeln, der sich neben all den großen Namen des Musikjahres 2010 auf das Debütalbum „The Light“ einlässt. Allein mit der Wahl des Genres punktet Steiner, denn nicht allzu oft findet man heute noch Trip-Hop-Musik. Der melancholische Klang des Genres macht allein durch seine Rarität und Vertreter etwas her. Björk zu Anfangszeiten, Massive Attack und natürlich Portishead sind zeitlose Vertreter, die jedem Musikliebhaber ein Begriff sein sollten. Ob man wegen der abnehmenden Popularität des Stils oder der Poplastigkeit einiger Stücke Synth-Pop als Beschreibung wünscht ist unklar, doch Vertreter des Trip-Hop zu sein ist – bei angemessener Qualität – beinahe ein Siegel. Gleich „Through Your Eyes“ strahlt die melancholische Ader des Trip-Hop aus. Der Gesang, der beinahe erzählend wirkt und die vielen Synthesizer, die ein tiefes, emotionales Soundbecken entstehen lassen, in welchem der Hörer genüsslich schwimmen und die Stimmungen einsaugen darf.

„The Light“ beginnt mit einer ähnlichen Erzählstruktur, bevor der Track Rock im Stile von Bloc Party präsentiert, ohne sich dem Pop vollends hinzugeben. Die Mischung aus mitreißender Geschwindigkeit und stoischem Tempo beim Gesang ergibt eine interessante Mischung. Das ist ganz starker Tobak, bevor „Release My Mind“ wieder auf die klassischen Stärken von Trip-Hop im Popgewand hinweist. Diese unumgängliche, bezaubernde Art voller Traurigkeit und doch angefüllt mit wunderbaren Details. Genau so darf Synth-Pop klingen. Für Synth-Pop ist die Stimmung der Stücke allerdings zu klar definiert. Bis auf „Smile“ verweigern die Tracks, neue Stimmungen zuzulassen. Danielas Stimme bleibt sich treu und überzeugt durch Stilechtheit und nicht durch großartige Tonspektakel. Auch „Definitely Gone“ sucht eine Mischung aus Pop und Jazz, was an Schlagzeuger Mayrhofer liegen dürfte. Die „Azure Badlands“ sind ebenfalls ein Grenzgänger, der wie Trip-Hop funktioniert, sich jedoch in Jazzmanier präsentiert.

All diese Elemente funktionieren gut und langweilen Fans des Genres an keiner Stelle. Songs der Superlative wie Portisheads „Glory Box“ sucht man zwar vergebens, doch ambitionierte Werke wie der Titeltrack machen aus diesem Debüt alles Andere als einen Fehlkauf. Wer also die Zeit bis zum nächsten „Großen“ der deutschsprachigen Szene nicht mehr abwarten kann, muss nur nach kleineren Outputs Ausschau halten. Steiner zeigt, dass man sich nicht vergebens auf die Suche nach guter Independent-Musik macht.

Anspieltipps:

  • The Light
  • Through Your Eyes
  • Wicked

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