Nikki Yanofsky - Nikki - Cover
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Nikki Yanofsky Nikki


  • Label: Decca/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nikki bleibt noch viel Zeit, ihre Melodien unters Volk zu bringen.

Der Gedanke dass die alten Britney-Spears-Alben in Kanada auch heute noch Höchstpreise auf dem Markt erzielen scheint nicht allzu zu sehr weit hergeholt, wenn man im Jahr 2008 einen Bestseller von einer Nikki Yanofsky in jedem zweiten kanadischen Haushalt ausmacht. Mit alten Hits von Ella Fitzgerald machte sich die damals 14-jährige Kanadierin damals schon einen Namen. Jetzt kommt – nachdem sie bei der Eröffnung der Winterspiele singen durfte – also schon ihr zweites kommerzielles Output und dabei ist sie gerade einmal 16 Jahre alt. Wem dieser Fakt allerdings nicht bekannt ist, könnte stimmlich auch von einer Mittzwanziger ausgehen. Die junge Yanofsky ist ihrem Alter stimmlich tatsächlich zehn Jahre voraus, was sie von anderen Teen-Stars durchaus abhebt. Natürlich kann man viel am Mischpult bearbeiten, aber hier kommt eine Reife an den Tag, die eine Miley Cyrus auch auf ihren Nicht-Hannah-Montana-Alben vergeblich zu Tage fördern versucht. Das Problem, dass sich hier andeutet ist allerdings allgegenwärtig. Wir haben eine fantastische Stimme, aber viele Menschen drumherum, die das musikalische entwerfen und interpretieren.

Das Album beginnt nicht furios, aber auch nicht enttäuschend. Der Opener ist verspielt, ein wenig zu unstrukturiert, aber im Zentrum des Geschehens steht sowieso Nikkis Stimme. Eine Katie Melua muss sich warm anziehen, denn egal ob es beschwingt wie zu Beginn oder nachdenklich und gefühlvoll wie in „You'll Have To Swing It (Mr. Paganini)“ zugeht, Yanofsky macht einen mehr als nur überzeugenden Job. Dieses Mädchen ist im Jazz zu Hause und jede andere Musikrichtung wäre wohl eine Unterforderung für sie. Leona Lewis weiß, wovon ich spreche. Die noch so junge Yanofsky holt das Maximum aus ihrer noch so jungen Stimme und es braucht keinen Experten, um anzuerkennen, mit was für einer traumhaften Stimme das Mädchen gesegnet ist. Was sich auf dem Papier alles so wunderschön anhört, hat aber den bereits genannten Haken. Sobald in die radiofreundliche Richtung gegangen wird, wie in „Cool My Heels“, sinkt die Qualität. Das Charisma der Stimme macht zwar vieles wett, aber man kann die schlechteren Arrangements auch nicht einfach verschweigen.

„You'll Have To Swing It (Mr. Paganini)“ und „Bienvenue Dans Ma Vie“ sind eindeutige Beweise, dass es funktionieren kann. Das ehrgeizige Projekt, dieses blutjunge Mädchen zu einem ernsthaften Star zu machen. Dass man sich an manchen Stellen verkauft ist zwar unschön und stimmt äußerst bedenklich für die Zukunft, doch allein die Liebe zum Jazz könnte uns eine nicht ganz so (kommerziell) erfolgreiche, dafür umso begabtere Künstlerin für die Zukunft schenken. Im Gegensatz zu Leona Lewis, die ihre Engelsstimme für das Radio ansatzweise vergewaltigt und weit unter Wert verkauft, kann man sich bei Nikki und ihrem gleichnamigen Debüt über viele Nummern freuen, in denen die Kanadierin uns ein Jazzambiente schenkt, welches zumindest gesangstechnisch in der ersten Liga mitspielt.

Wenn noch mehr eigene Ideen von der jungen Dame einfließen und man bewerten kann, wie viel der Gesamtarbeit auf ihr Konto geht, lässt sich der Name Yanofsky noch viel leichter einprägen. Bis dahin darf man kleine Perlen der jungen Jazzmusikerin immer und immer wieder anhören, wobei einige länger, andere kürzer im Ohr bleiben. Aber Nikki bleibt noch viel Zeit, ihre Melodien unters Volk zu bringen.

Anspieltipps:

  • You'll Have To Swing It (Mr. Paganini)
  • On The Sunny Side Of The Street/Fool In The Rain
  • Bienvenue Dans Ma Vie

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