The Outline - Phantasmagoria - Cover
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The Outline Phantasmagoria


  • Label: The Outline/Eigenvertrieb
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

In Deutschland mehr oder weniger nur als Importversion erhältlich, ist es ein Wunder, wenn mehr als eine Hand voll Menschen in Deutschland die Alternative-Rock-Band The Outline aus Los Angeles kennen. Da half wohl auch nicht das Lied „Shotgun“ in einem kommerziell erfolgreichen Rennspiel. Inzwischen sind drei Jahre ins Land gezogen und die Gründe, dass The Outlinje Deutschland erobern sind – wenn dies überhaupt noch möglich ist – weiter geschrumpft. Kein Label mehr, dass die Jungs trägt und eine Webseite, die sich seltener aktualisiert, als wöchentliche Diskussionsforen über die Normgrößen von Schachfiguren. Gerade so eine unbekannte Band läuft da schnell Gefahr, vollends in Vergessenheit zu geraten. Man nehme nur den Vergleich mit Japan, wo Gruppen totgeglaubt sind, wenn sie mal mehr als ein halbes Jahr keine Single auf den Markt werfen. Die letzten drei Jahre waren wirklich keine leichte Zeit.

Dass man einige Wandlungsphasen von Graham, Austen und Max verpasst hat, wird schnell deutlich, wenn die Platte oder in Deutschland vielmehr die MP3-Dateien Klang aus den Boxen prügeln. Aber was heißt hier eigentlich prügeln? „Swinging Away“ ist ein Elektronik-Lounge-Track, der seine knappen drei Minuten in einer Gemütlichkeit über die ühne bringt, dass der Hörer sich ungläubig dir Ohren reibt. Auf „You Smash It, We'll Build Around it“ eröffnete noch „Aesthetics“ den knackigen Rockreigen der damals noch vier Jungs. Donnernde Gitarren, krachendes Schlagzeug und die Elektronik war in einer Form vorhanden, die einem den Atem nahm und nicht in Gemütlichkeit wiegte, wie diese Klänge. Wer glaubt, dass es sich bei diesem Track um eine Ausnahme handelt, hat weit gefehlt. Zwar rockt sich „Back Section“ straight durch seine ebenfalls knappen drei Minuten, wobei allerdings keine Haken und Ösen auszumachen sind. Dieser Sound klingt erwachsen und nicht mehr so brachial wie die fast College-artigen Arrangements des Erstlings.

So wirkt „Back Section“ schon ernüchternd normal. Die Stärken des Albums haben sich bisher mehr im Opener angedeutet. Entspannte Elektronik, die noch immer einen Anklang der Achtziger andeutet, aber viel präsenter und entwickelter als auf dem Debüt klingt. „Count On Us“ macht diese Stärke im Verbund mit „Simpleton“ deutlich. Die Gitarren sind nicht darauf aus, Stimmung zu machen, sondern viel mehr diese zu erzeugen. Klingt kleinkariert, ist aber höchstens undeutlich formuliert. Die Akkorde ergeben mit den stets vorhandenen Synths einen angenehmen Klang, der auf Entdeckungstour einlädt. Dazu kommen Glockenspiel und choraler Hintergrund im Chorus. „Simpleton“ ist der fast nahtlose Fortgang des eben genannten Liedes. Ein rein elektronisch unterlegter Zwischenteil und das wieder auftauchende Glockenspiel unterstreichen den Eindruck. Wer tanzbaren Pogorock sucht, ist bei The Outline an der völlig falschen Adresse gelandet. Inzwischen zumindest.

Psychedelische Experimente wie das anschließende „1969“ sind da eher zu erwarten. Unangenehme Gitarrenriffs, die immer wieder den Synthesizern weichen. Zwei Mal gibt sich dieses Lied dann doch als Rocker und weckt leise Hoffnungen und wehmütige Erinnerungen an die alten, wilden Tage. Diese sucht man jedoch weiterhin vergebens. Wer sich allerdings auf den experimentellen Rock einlässt, der schwer mit einer anderen Band vergleichbar ist, der wird mit sehr schöner Atmosphäre und niemals langweiligen, eingängigen Songs belohnt. Ob das „Paid In Full“ ist, welches ambitioniert zeigt, dass Rockmusik nicht immer fetzen muss oder das lustige und ungeheuer einprägsame „Mr. Brown“ mit psychologischem Mittelteil und so viel Synthesizern, dass es doch einfach altmodisch klingen muss. Müsste trifft es besser, denn Graham, Austen und Max klingen alternativ, experimentell und auf jeden Fall independent, aber nicht altmodisch. Sie klingen anders. Spätestens das knapp einminütigen Keyboard-Solo im langsamen „Pad.C.You“ macht deutlich, dass diese Jungs ihren eigenen Weg gehen.

Als auch der letzte Fan wahrscheinlich schon das letzte Handtuch in Bezug auf alte Zeiten geworfen hat, kommt „Through The Ether“ und klingt, wie eine Fortsetzung des Dbüts klingen müsste. Treibendes Schlagzeug mit intelligentem Rhythmus (das Schlagzeug macht übrigens durchgehend einen starken Job, dafür dass kein festes Mitglied für dieses Instrument vorhanden ist), ein epischer Refrain, der wieder auf Grahams britisch anmutenden Gesang hinweist, tolle Brakes und Gitarren, die laut sein dürfen! Das ganze Paket gibt es natürlich, ohne das der neue Stil verraten wird. Ein Klasse Zwischenteil sorgt für noch mehr Atmosphäre, Hooklines und die nötige Prise Anderssein. Mit der beste Track dieses Albums. Als Konkurrent kommt das schon viel amerikanischer klingende „Dialed Down“. Das Tempo wird unten gehalten, aber die Gitarren klingen dreckiger und freier als in den Tracks der ersten Hälfte. Dazu kommt dann noch der beste Chorus auf dem ganzen Album, der auch mehrere Tage noch durch den Kopf des Hörers flattern dürfte.

Den Abschluss zu diesem - zugegebenermaßen anstrengenden, weil ruhigen und und experimentellen – Album, machen „Coma“, welches nach genialen zwei Minuten einen weiteren Ohrwurm der Sonderklasse raus haut, um den Hörer danach drei Minuten lang die Stimmung der Komathematik in Form von minimaler Instrumentalatmosphäre deutlich zu machen. Für nicht wenige wird das zu viel des Guten sein. Als Bonbon auf diese extravagante Kreation gibt es wieder ein Spoken-Word-Stück mit überlangem Titel. Nicht so einprägsam wie „Broadway & Hurst“ vom Erstling, dafür stilistisch einige Level weiter. Eine musikalische Untermalung die den stärksten Tracks von Massive Attack (natürlich die ruhigen Stücke) gerecht wird und eine Geschichte, die in fünf Minuten tatsächlich eine richtig gute Kurzgeschichte über Selbstbilder erzählt. Damit diese seltsam funkelnde Musikperle nicht nur von einer auserlesenen Menge von Menschen gehört wird, sollte jeder Fan von guter Rockmusik, der sich auch mal in Ruhe Musik zu Gemüte führt, anstatt nur feiern zu wollen oder nach Hintergrundgedudel zu suchen, einen Blick auf das leider nur als MP3-Download erhältliche Album werfen.

Anspieltipps:

  • Through The Ether
  • Count On Us
  • Mr. Brown
  • Maurice And The Oracles Of The Mathildean Forest
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