Tokyo Sex Destruction - The Neighbourhood - Cover
Große Ansicht

Tokyo Sex Destruction The Neighbourhood


  • Label: Stag-O-Lee/INDIGO
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Alles was im Umfeld des Sixites-Garagen-Rock auf den Markt kommt stammt vornehmlich aus den USA, UK, Australien oder Schweden. Ausnahmen bestätigen die Regel, hier in der Form von Tokyo Sex Destruction aus Barcelona. Einige behaupten ja der FC Barcelona würde wie ein Sinfonieorchester spielen mit einem Dirigenten namens Lionel Messi. Aber Fußball ist neben dem technisch-taktischen Spiel immer noch eine Lauf- und Kampfsportart. Wäre der FC Barcelona eine Band, würde sie klingen wie Tokyo Sex Destruction. Lassen wir die Kirche im Dorf und sagen sie spielen wie Mainz 05 und wo die derzeit stehen weiß jedes Kind. Die Tabellenführung in Sachen souliger Garagen-Rock ist Tokyo Sex Destruction mit „The Neighbourhood“ in Europa vorerst nicht zu nehmen.

Alle Bandmitglieder hören auf den Nachnamen Sinclair, dem Black Panther Führer und MC5 Manager John Sinclair geschuldet. Die Tokyo Sex Destruction haben auch politisches Bewusstsein, das ohne Umwege ins musikalische transformiert wird. Man wird von ihrer Energie und Dynamik förmlich weggeblasen. Im wahrsten Sinne des Wortes werden hier die Hörner in die Höhe geschwungen und blasen dir mitten ins Gesicht als stünde der jüngste Tag bevor. Die Orgel mäandert furios zwischen dem mörderisch groovenden Bass- und Schlagzeuggeklöppel. Die Stromgitarren treten ordentlich in den Hintern und der Sänger spuckt Gift und Galle.

Hinzu kommen halsbrecherische Tempi- und Stilwechsel, auf einen höllisch rockenden Groove kann schon mal ein psychedelisches Jazzpiano a la Doors folgen oder schwarz triefender Funk der sich vor Sly & The Family Stone verneigt, pumpt Songs wie z.B. „Cold Sweat“ in den schieren Wahnsinn. „I Think You Lie“ ertönt ganz im Balladengeiste der Rolling Stones (zwischen „Beggars Banquet“ und „Exile On Main Street“), um schließlich in der psychedelischen Schönheit des Nichts zu leuchten, wo Bläser und eine Pedal Steel miteinander flirten.

Der Wahnsinn hat bei Tokyo Sex Destruction Methode. Die können Songs schreiben und sie entsprechend umsetzen, ein kreatives Kollektiv wie Thomas Tuchel und Mainz 05. Einer für Alle und alle für Einen. Vier Sinclairs sollt ihr sein, der Star ist die Mannschaft. Für Tokyo Sex Destruction zahle ich gerne ins Phrasenschwein. Viel machen sie nicht anders als die Anderen, aber einiges entscheidend anders. Selbst das Feierbiest Louis Van Gaal weiß: „Mainz 05 kann Meister werden.“ Unser aktueller Tabellenführer hört auf den Namen Tokyo Sex Destruction. Und unser Thomas Tuchel ist Stag-O-Lee Labelchef Reinhard Holstein. Solange er im Hintergrund die Fäden zieht dürfte eigentlich nichts schief gehen.

Anspieltipps:

  • Dope & Love
  • It Was ‘69
  • Cold Sweat
  • I Think You Lie
  • Prodigal Stones Blues

Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
6.5/10

Niente
  • 2017    
Diskutiere über „Tokyo Sex Destruction“
comments powered by Disqus