Elvis Costello - National Ransom - Cover
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Elvis Costello National Ransom


  • Label: Concord/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 63 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Beständigkeit von Costellos Musik ist auch eine Tugend.

Irgendwann ist man aus dem Alter raus, in dem man jedem Trend hinterherlaufen muss. Natürlich ist es nicht falsch, wenn man den ein oder anderen Ausflug ins Ungewisse wagt, um den Horizont stetig zu erweitern, doch es muss auch eine Basis geben, zu der man bedenkenlos zurückkehren kann. Wer also neuen Country-, Folk- und Blues-Entdeckungen nicht so recht über den Weg traut, der kann immer zu jemandem wie Elvis Costello greifen. „Secret, Profane and Sugarcane“ war der Beweis dafür, dass Costello sich mit sich abgefunden hat. So negativ sich dieser Satz anhört, so positiv ist er gemeint. Keine krampfhafte Neuerfindung ist mehr vonnöten, denn Costello hat seinen aktuellen Stil gefunden. Der sichere Einsatz altmodischer Arrangements und seiner Stimme in wirklich jedem Unter-Genre, das er gerade behandelt, machen ihn zu einer sicheren Bank, die sich bloß noch auf gute Melodien und Strukturen kümmern muss. Das Drumrum steht wie eine Eins. Ob sich der Altmeister auch auf „National Ransom“ treu bleibt?

Die Antwort soll der Titeltrack selbst geben und liefert amerikanischen Rock der geradlinigen Sorte. Leider auch der einfallslosen Sorte und so plätschert das Lied schnell vor sich hin und lässt den üblichen Charme Costellos vermissen. Er wollte wieder lebendiger wirken, nutzt auch Streicher und raue E-Gitarren, doch das Ergebnis klingt auf der einen Seite überladen und auch der anderen uninspiriert. Dass man Oboen, Bläser und andere eher klassische Instrumente auch gewinnbringend einsetzen kann, beweisen viele andere Interpreten und Songs. Es ist schon eine Farce, dass Elvis Costello in „Jimmy Standing In The Rain“ alles richtig macht, was im Opener nicht zünden wollte. Seine Stimme klingt nicht wie irgendeine Americana-Rock-Stimme, sondern wie ein Sinatra unter lauter Chorknaben. Die Gitarre untermalt das Geschehen prägnant und überlässt die individuelle Klasse Holz- und Blechblasinstrumenten, die einen Track zusammenfügen, der so entspannt klingt, wie es sonst nur Soul und Jazz tun.

Was sollte also diese unausgereifte Einleitung, die auch noch den Namen des Albums tragen darf? Viel besser gefallen die Chansons voller Emotion und gekonnt erzeugter Stimmung. „Stations Of Cross“ macht da weiter, wo der vorangegangene Track aufgehört hat und sorgt mit aufgekratztem Gesang für hörbares Verlangen und legt die Abgeklärtheit von vorher ab. Zwei ruhige Songs, die unterschiedlicher nicht sein könnten. So kennen wir Costello! Es klappt einfach besser, wenn der erfahrene Rock-Barde Geschichten erzählt und eine dichte Stimmung entstehen lässt. „A Slow Drag With Josephine“ ist weit davon entfernt einen Innovationspreis zu gewinnen, aber wer brauch schon ein neues Auto, wenn das alte genauso gut ist und man es dazu noch kennt und liebt. Das Banjo sorgt für angenehmes Southern-Rock-Feeling und Costello holt alles aus der Ruhe seiner Stimme.

Bis auf „The Cast That You Spell“ verkommen die wenigen, geradlinigen Rocksongs zu anspruchslosen Schatten alter Americana-Rock-Größen. Americana hat in Form von Delta Spirit und Black Rebel Motorcycle Club unlängst eine Wiedergeburt erfahren, die sich mit der Jetztzeit vereinbaren lässt. Im Gegensatz dazu enttäuscht der veraltete Rock ohne Überraschungen, den Costello leider immer wieder einbringt. Die Balladen und in Blues getränkten Stücke hingegen überzeugen alle, auch wenn sich mit der Zeit die ein oder andere Länge ausmachen lässt. Das ändert allerdings nichts daran, dass 45 der 63 Minuten des Albums die bekannten Stärken des Mannes gewohnt gut widerspiegeln. Elvis Costello ist der Wein unter all dem Alko-Pop, den der breite Markt auf uns loslässt. Zwar schleichen sich ein paar unreife Jahrgänge ein und der manchmal zu ähnliche Nachgeschmack der einzelnen Lieder kann ein Hörerlebnis am Stück unmöglich machen, doch dagegen steht die Beständigkeit von Costellos Musik. Und diese ist schließlich auch eine Tugend.

Anspieltipps:

  • Jimmy Standing In The Rain
  • The Spell That You Cast
  • You Hung The Moon

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