Two Chix & A Beer - Friends Of Dolores - Cover
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Two Chix & A Beer Friends Of Dolores


  • Label: Butterama Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Achtung! Achtung! Wer das Genre Americana ausmacht und gleich an den fantastischen Black Rebel Motorcycle Club denkt, wird in wütender Manier nach erstem Hören dieses Albums auf den Rezensenten losgehen. Um dies zu verhindern wurde dieser Text von einem der ausdrücklichsten und unfreundlichsten Worte der deutschen Sprache eingeleitet. Americana ist nicht immer vorwärts gewandter Rock in BRMC-Manier, sondern auch gerne mal ruhiger und bedächtiger, wie es die nicht minder hervorragenden Delta Spirit kürzlich erst wieder vorführten. Americana hat viele Schichten und bewegt sich von rassigen Rockhymnen (BRMC) über poppige und verspielte Arrangements mit viel Herz und Indie-Seele (Delta Spirit) bis hin zu richtig langsamer Singer/Songwriter-Musik mit viel Country-Einschlag, der zeigt, wo Wilco ihre Wurzeln haben. Allerdings bleibt bei Two Chix & A Beer jegliche progressive Idee zu Hause und auch mit rockigen Riffs hält man sich zurück.

Lagerfeuergitarren und langsame Rhythmen, die nur selten in die Regionen des Mid-Tempos eintauchen. „Friends Of Dolores“ ist ein altmodisches Stück Musik, das den alten Helden der Lagerfeuermusik huldigt und mit Keyboardsoli und Erzählgesang für alles andere als Herzkasper sorgt. Die Botschaft ist klar: Mögt unseren Stil oder schaltet gleich ab! Der Beweis ist der Titel gebende Opener „Friends Of Dolores“. Ganz langsame, ruhige Atmosphäre. Ein Keyboard, das in seiner Einsatzart der Bezeichnung altmodisch spottet. Das modisch in diesem Wort kann man sich schenken, sparen oder welches Wort der geneigte Leser auch immer bevorzugt. Fast um zu beweisen, dass die Band um Otto von Bismarck die Finger von schnellen Riffs lassen will, zelebrieren sie diese in „All The Girls“ in einer derart nervtötenden Weise, dass man für die ruhigen Passagen betet.

Der eigentliche Höhepunkt der Lebensfreude zeigt sich im akustisch angehauchten „Keep The Aspidistra Flying“. Hier kommt mal so was wie Schwung in den instrumentalen Alltag der Two Chix & A Beer. Wer schon immer Lo-Fi-Americana mit einer queren Caleb-Followill-Gedächtnisstimme hören wollte, wird sich zumindest ein Lächeln nicht verkneifen können. Wer dazu aber noch richtig gute Musik haben will, der heizt sich weiter mit der neuen Kings-Of-Leon-Single auf, hört in Delta Spirit rein oder sucht sich anderweitig Spaß für das nächste, echt amerikanische BBQ. Ungewiss ist allerdings welcher der vier apokalyptischen Reiter Herrn von Bismarck geritten hat, als er „Shook Up Sugar“ schrieb. Ohne Entwicklung und ohne echte Struktur und mit nicht viel mehr als einer Zeile Text wütet der Text langsam, verstörend und ziellos über sechs Minuten lang durch traute Heime. Nach neun Nummern ist dann Schluss und außer dem spaßigen „Keep The Aspidistra Flying“ zeigt sich nur wenig Material, das der Hörer so noch nicht kennt oder geschweige denn braucht. Die Alternativen zu Two Chix & A Beer sind nahezu endlos und großteils besser.

Anspieltipps:

  • Keep The Aspidistra Flying
  • Friends Of Dolores
  • Watermelons

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