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Bon Jovi Greatest Hits: The Ultimate Collection


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 142 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine ehemals starke Hardrockband, die mit überproportional vielen Balladen zur Hausfrauenrockband verkommen ist.

Um heutzutage mit CD-Verkäufen auf einen grünen Zweig zu kommen, müssen selbst die ganz dicken Fische der Branche in immer kürzeren Zeitabständen neue Alben veröffentlichen. Die eigentliche Kohle wird dann auf Tournee mit Tickets und Merchandise verdient. Auch Bon Jovi hängen in dieser Mühle. Nur ein Jahr nach dem schwachen „The Circle“-Album (10/2009) und der begleitenden „Live At Madison Square Garden“-DVD (11/2009), legen die New-Jersey-Rocker mit einem weiteren „Greatest Hits“-Album (ihrem – je nach Zählweise – vierten!) nebst großer Open-Air-Tournee im kommenden Jahr nach.

Bisher erschienen mit „CrossRoad“ (1994), „Tokyo Road“ (2001) (für den japanischen Markt) und „This Left Feels Right” (2003) drei offizielle Sampler von Bon Jovi. Mit „Greatest Hits: The Ultimate Collection“ ist nun die nächste Kopplung an der Reihe. Sie beinhaltet 30 Songs aus nunmehr 27 Jahren (wir merken uns: Bon Jovi können bald ihr 30-Jähriges feiern!), darunter auch vier brandneue Kompositionen, womit wir beim einzigen und eigentlichen Kaufanreiz für Bon-Jovi-Fans wären. Denn echte Fans, egal von welchem Künstler, benötigen keine „Greatest Hits“-Alben!

„What do you got?“ heißt der Single-Vorbote der „Greatest Hits”. Doch es darf ernsthaft bezweifelt werden, ob der Track am Ende auch als solcher bezeichnet werden darf. Denn mit dieser Standardballade von der Stange, die im Radio sicher sehr gerne gespielt werden wird, legen Bon Jovi einen Song vor, von denen das Songwriterduo Jon Bon Jovi und Richie Sambora die Schubladen voll haben dürfte, zumal es wie so oft streng nach Baukastenprinzip geht: Intro, Bridge, Break, Gitarrensolo, hymnischer Refrain – fertig! Gähn!

Ebenfalls keine Krönung der Songwriterkunst ist das stampfende „No apologies”. Der Track hängt sich atmosphärisch an den OneRepublic-Sound ran (die ja auch einen Song namens „Apologize“ haben) und kann als moderater Stadionrocker verbucht werden. „This is love this is life” versucht sich ebenso an einem etwas moderneren Sound, stellt sich aber unterm Strich als zweitklassiger „It’s my life”/„Have a nice day”-Abklatsch dar. Ein klarer Fall von Selbstplagiat mit Verdacht auf reaktivierte Ausschussware. Peinlich! Bleibt nur noch „The more things change”, das sich als fröhlicher Singalong ohne nennenswerte Akzente in dieselbe Liga wie z.B. „I’ll sleep when I’m dead“, „Who says you can’t go home“ und „Someday I’ll be saturday night“ einreiht. Enttäuschend!

Anhand der vier neuen Songs lässt sich schön erkennen, was aus Bon Jovi geworden ist: Eine ehemals starke Hardrockband, die mit überproportional vielen Balladen (und damit sind ausdrücklich nicht grandiose Titel wie „I’ll be there for you“, „Bed of roses“, „Always“ und „This ain’t a love song“ gemeint!) zur Hausfrauenrockband verkommen ist, bei der Jon Bon Jovi als Berufsjugendlicher den gutgelaunten (und in Interviews den arroganten) Vorturner gibt, während ein doppelt so schnell gealterter Richie Sambora nur noch gute Miene zum bösen Spiel macht, damit die Rente gesichert ist.

Auf der großen Stadiobühne funktioniert dies fraglos immer noch prächtig, nur auf Platte ist dies mittlerweile ein ausgelutschter Kaugummi aus sich immer wiederholenden Versatzstücken, wie zahlreiche Songs aus den vergangenen zehn Jahren auf dieser Doppel-CD belegen und was am Ende auch auf die Gesamtnote abfärbt.

Anspieltipps:

  • Always
  • Runaway
  • Bed of roses
  • Blaze of glory
  • Keep the faith
  • I’ll be there for you
  • Wanted dead or alive
  • You give love a bad name

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