Norah Jones - ... Featuring - Cover
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Norah Jones ... Featuring


  • Label: Blue Note/EMI
  • Laufzeit: 71 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Verkaufsargument, hier wäre für jeden etwas dabei, war wohl niemals zutreffender.

Norah Jones Werdegang im Musikbusiness als gewöhnlich zu beschreiben, wäre eine glatte Untertreibung. Der Aufforderung ihres Debütalbums „Come away with me“ (09/2003) konnten nur wenige Amerikaner widerstehen und nach acht Grammy-Auszeichnungen und einer Diamant-Auszeichnung für über zehn Millionen verkaufter Platten, war jedem klar, dass die Jazz-Sängerin, Pianistin, Songwriterin und Schauspielerin einen ganz eigenen Weg einschlagen würde. Sieben Jahre später hat sich die Sachlage kaum geändert, doch selbst eine Norah Jones musste sich nach konstanten Verkaufsrückgängen ihrer beiden sukzessiven Werke nun bei ihrem letzten, regulärem Studioalbum „The fall“ (11/2009) mit einer einfachen Platinveredelung in Amerika zufrieden geben, was jedoch keinen Einfluss auf die Qualität ihres musikalischen Portfolios hatte, das sich variabler denn je präsentierte.

Um Kräfte und Ideen für weitere Projekte zu sammeln, entschloss sich die 31jährige kurzerhand für eine kleine Entspannungsübung und bringt mit „...Featuring“ eine Zusammenstellung von Songs auf den Markt, in denen sie als Gastsängerin auftreten durfte. Für den aufgeschlossenen Norah Jones-Hörer ist diese mit 71 Minuten Laufzeit äußerst größzugig bemessene Compilation daher die beste Gelegenheit einen Rundumblick über Jones unterschiedlichste Aktivitäten und Kollaborationen zu bekommen, die nicht immer in die (ohnehin nach und nach aufbrechende) Schublade des Jazz-Pop passen. Angefangen beim verschmitzten The Little Willies-Cover zu „Love me“, der ungewöhnlich jazzigen Foo Fighters-Schunkelnummer „Virginia moon“ über Reggae-Exkurse („Turn them“ mit Sean Bones), Country-Gebärden („Bull rider“ mit Sasha Dobson), schwüle, Calexico-ähnliche Soundteppiche („The best part“ mit El Madmo), bis hin zum, für Outkast-Verhältnisse, reduzierten „Take off your cool“, dem eigentlich nagelneuen Belle & Sebastian-Indie-Pop-Track „Little Lou, ugly Jack, Prophet John“ von „Belle & Sebastian write about love“ (10/2010) oder der Ray Charles-Zusammenarbeit in „Here we go again“ aus dem Grammy-Album des Jahres 2005 „Genius loves company“, „...Featuring“ scheut sich keineswegs die buntesten Einflüsse und hervorstechendsten Eindrücke aus über sieben Jahren zusammenzufassen.

Das Verkaufsargument, hier wäre für jeden etwas dabei, war wohl niemals zutreffender. Dummerweise führt dies auch zu zwei wackeligen Ausreißern, den beiden Hip Hop/Soul-Nummern „Life is better“ mit Q-Tip und „Soon the new day“ von Talib Kwelis Album „Eardrum“. Schlecht sind die beiden Tracks zwar nicht, aber da es sich um die einzigen Stücke mit Rap-Parts handelt, die dementsprechend basslastiger ausgelegt sind, zerstören sie die sorgsam aufgebaute Atmosphäre der anderen Tracks durch ihren Einsatz im Mittelteil. Dennoch ist und bleibt „...Featuring“ ein prall gefülltes, vorweihnachtliches Geschenk für alle Norah Jones-Neueinsteiger, jahrelangen Anhänger oder Sammler ausgezeichneter, handgemachter Jazz/Pop/Soul/Reggae/Country/Folk/Indie-Musik mit der richtigen Prise Charme und Eleganz.

Anspieltipps:

  • Dear John
  • Creepin´ In
  • Here We Go Again
  • Take Off Your Cool

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