Asian Kung-Fu Generation - Feedback File - Cover
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Asian Kung-Fu Generation Feedback File


  • Label: Gan Shin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer sind die Asian Kung-Fu Generation? Diese Frage werden nicht wenige Leser dieser Rezension im Vornherein stellen. Die Frage ist mehr als berechtigt, denn Musik aus Japan ist hierzulande weitestgehend unbekannt. Namen wie Gackt und Dir En Grey sind dem ein oder anderen schon mal untergekommen, manch einer hat sie sogar live gesehen, aber nichtsdestotrotz bleibt Musik aus dem Land der aufgehenden Sonne Nischenmusik. Sowieso stehen die Japaner in dem Ruf, Wahnsinn in ihrer Musik zu kreieren. Da wären nun mal Leute wie Gackt, die Pop mit einer Art von Extravaganz und Pathos vortragen, dass der Hörer sich fast in einem Musical statt in einem Popsong wähnt und Dir En Grey und andere lustige Vertreter mischen in makaberen Kostümen die Hardcore-Szene auf. Anscheinend muss die Grenze zum Wahnsinn überschritten werden, damit die Japaner überhaupt eine Chance bekommen sich hierzulande zu etablieren.

Wenn dem wirklich so ist, dann wird die Asian Kung-Fu Generation bis zum Ende ihres Bestehens nicht den Durchbruch schaffen. Keine Schminke, keine ausgefallenen Frisuren, kein Hardcore oder buntes Elektro-Gequietsche. Die Asian Kung-Fu Generation bietet – trotz dem unglaublich platten Namen – Rockmusik der ganz feinen Sorte. Es ist eine dieser Bands, die Rockmusik verstanden und aufgesogen haben, allein hier und da J-Rock typische Elemente und Akkorde einstreuen und Spaß machen wollen. Natürlich will niemand ins kalte Wasser springen und für teures Geld die CDs importieren. Man müsste einen Überblick auf die Musik der Gruppe bekommen. Das ist mit dem Album „Fan Club“ auch möglich, welches doch tatsächlich auch in Deutschland vertrieben wurde. Einen besseren Einblick in die Musik der Gruppe gibt es jedoch mit „Feedback File“. Eigentlich ein B-Seiten-Album und damit ein Beigeschmack von minderer Qualität stört die Idee des Kennenlern-Albums, allerdings sind auf diesem Album Stücke von 2003 bis 2006 vorhanden. Man erlebt also alle Stufen der bisherigen Entwicklung der Band. Nur sind die Lieder in ihrer Qualität auch repräsentativ?

„Entrance“ ist der passende Titel des ersten Stückes und weist gemeinsam mit „Rocket No.4“ auf die Beginne der Band hin. Lebhafter Rock mit durchaus knackigen Passagen, mitreißenden Gitarren und einprägsamer Melodie. „Rocket No.4“ zeigt hierbei noch deutlich den Hang zu Gruppen wie Weezer mit Hintergrundgesang im Refrain, wobei das Lied selbst eines der schwächeren auf der Platte ist. Es fehlt die Kraft, die die Band auszeichnet. In „Kaiga Kyoshitsu“ und „Siren 2“ zeigt die Gruppe ihre wahren Stärken. Ersteres ist ein geradliniger Rocker, der kaum Zeit zum Luft holen lässt und mit fantastischen Riffs für zuckende Glieder sorgt. „Siren 2“ ist eine abgeänderte Version eines alten Stückes vom Album „Sol-Fa“. Dieser Track ist einer der stärksten, die Ajikan, so der Spitzname der Band, bis heute geschrieben haben. Atmosphärische Gitarren, ein treibender und abwechslungsreicher Rhythmus und viele Emotionen, die in diesem atemberaubenden Rockwerk zu finden sind.

Es geht aber auch anders und so findet man auf Feedback File die verschiedensten Töne. „Yugure No Aka“ ist ein mit Dub versetztes Stück, das mit frischem Refrain auftrumpft, der ein Surfer-Feeling hinterlässt, das entspannt rockt und zum Mitsummen anregt (Mitsingen ist dank Sprachbarriere nicht wirklich leicht). Dann ist da ein ganz altes Stück „Hold Me Tight“, das wirklich J-Rock repräsentiert. Keine Elektronik, aber quietsche bunter Aufbau mit seichtem Text. Da wieder experimentelle und treibende Passagen in „Road Movie“, die auch gerne mal asiatisch klingen dürfen (also auch abgesehen von der Sprache), wie das fetzige „Dodomeguri No Yoru“. Auch krachend melodisch darf es zugehen („Tobenai Sakana“), bevor „Eien Ni“ als mitreißende Hymne den Schluss einläuten darf. Wer diesen farbenfrohen Melodiebögen nichts abgewinnen kann, muss entweder Tomaten auf den sprachfixierten Ohren haben oder zu viel schwarze Kleidung sein Eigen nennen.

Als Bonus gibt es noch zum Abschluss fünf Liveaufnahmen von den alten Alben der Band. Die ersten vier Aufnahmen sind vom Debüt und strahlen Erstlingscharme in Form von unkompliziertem Rock zum Mitfiebern aus. Besonders „Flash Back“ und „Understand“ zeigen, welche Qualitäten diese Band auch live zur Schau stellt. Der Höhepunkt der Liveaufnahmen ist jedoch „Re: Re:“, das mit improvisiertem Intro und richtig großem Stadionklang auftrumpft. Ein weiteres Mal kann nur an den Glauben an gute Rockmusik appelliert werden. Es sollte für Fans von Rockmusik nicht an der Sprache scheitern, weil ihnen sonst viele interessante Gruppen entgehen, wie zum Beispiel die Asian Kung-Fu Generation. Wer eine Möglichkeit hat, in einige der Tracks hereinzuhören, sollte es riskieren. Es ist für jedermann etwas dabei.

Anspieltipps:

  • Entrance
  • Siren 2
  • Eien Ni
  • Re: Re: (Yokohama Arena)

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