Deep Purple - Come Taste The Band (35th Anniversary Edition) - Cover
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Deep Purple Come Taste The Band (35th Anniversary Edition)


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 90 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Come Taste The Band“ war im Vergleich zu den vorherigen Deep-Purple-Alben ein Flop.

Obwohl Deep Purple bereits im Jahr 1973 den Abgang ihres zweiten Sängers Ian Gillan (Nachfolger von Rod Evans) zusammen mit Bassist Roger Glover sehr gut verkraftet hatten (Ian Gillan folgte David Coverdale, Glenn Hughes ersetzte Roger Glover), schien mit dem Ausstieg des sturköpfigen Gitarristen Richie Blackmore nach dem „Stormbringer“Album (11/1974) die Katastrophe im Deep-Purple-Lager besiegelt zu sein. Mark I bis IV hin oder her – ohne ihr wahnsinniges Genie an der Gitarre traute man der britischen Hardrocklegende nicht mehr viel zu.

Für Richie Blackmore kam der 25-jährige Tommy Bolin aus den USA in die Band. Zusammen mit David Coverdale (dem späteren Whitesnake-Gründer) am Mikro, Jon Lord an der Orgel, Ian Paice an den Drums und Glenn Hughes am Bass spielten Deep Purple ihr zehntes Studioalbum seit dem Debüt „Shades Of Deep Purple” (1968) in den Musicland Studios in München ein. Der programmatische Titel lautete „Come Taste The Band“. Es erschien im Oktober 1975 und wurde vom legendären Martin Birch (u.a. Iron Maiden, Rainbow, Whitesnake, Black Sabbath) produziert.

Mit der „35th Anniversary Edition“ von „Come Taste The Band“ macht EMI Records das Dutzend neu aufgelegter Deep-Purple-Alben voll. Es ist das erste und einzige Album der Mark-IV-Besetzung, da Jon Lord und Ian Paice die Band im März 1976 notgedrungen auflösen mussten, um den massiven Drogenproblemen von Glenn Hughes und Tommy Bolin Herr zu werden. Bolin starb neun Monate später vermutlich an einer Überdosis Heroin und Deep Purple lagen acht Jahre auf Eis.

„Come Taste The Band“ war im Vergleich zu den vorherigen Deep-Purple-Alben ein Flop. Offenbar konnte sich das Publikum nicht mit den neuen Einflüssen von Glenn Hughes und Tommy Bolin anfreunden. Allein Bolin konnte bei sieben Songs auf „Come Taste The Band“ Songwriter-Credits für sich verbuchen und prägte damit den Sound des 1975er Werks ganz entscheidend. Seine Spielweise war im Vergleich zu der von Richie Blackmore mehr von Funk- und Jazzrock inspiriert („Drifter“, „Gettin’ tighter“, „I need love“), was sich positiv auf das Endergebnis auswirkte und eine angenehme Alternative zum breitbeinigen Hardrock der frühen 70er Jahre darstellte. Blackmore-Fans konnten dem progressiven Gedudel („Love child“) nebst Ausflügen in seichte Gewässer („This time around“) dagegen nicht viel abgewinnen.

Die „Come Taste The Band“-Jubiläumsausgabe kommt als Doppel-CD auf den Markt. Silberling eins enthält das Originalalbum in digital überarbeiteter Klangqualität, während Silberling zwei als 2010er Remix-Version mit leicht umgestellter Tracklist daherkommt. Den Remix übernahm Produzent Kevin Shirley (u.a. Iron Maiden, Black Country Communion, Mr. Big, H.I.M.), der auf die bis vor kurzem noch als verschollen geltenden Original Mastertapes zurückgreifen konnte und dabei gleich noch zwei unveröffentlichte Bonus Tracks ausgrub („Same in L.A.“, „Bolin/Paice Jam“).

Ob es gleich einer doppelten Überarbeitung bedurft hat, lassen wir einmal dahingestellt. Fakt ist, dass „Come Taste The Band“ ein Album ist, das die damalige Fangemeinde von Deep Purple gespalten hat und für lange Jahre das letzte Werk der Rock-Dinosaurier war. Wie die Geschichte der Band ab Mitte der 80er Jahre weitergegangen ist, wird demnächst an anderer Stelle erzählt.

Anspieltipps:

  • Dealer
  • Drifter
  • Lady luck
  • You keep on moving (Single Version)

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