Arcade Fire - Funeral - Cover
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Arcade Fire Funeral


  • Label: Rough Trade/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer mit der alternativen Rockbesetzung zu Gitarre, Bass und Schlagzeug nichts anfangen kann, der wird sich schwer tun, die Essenz von Arcade Fire zu begreifen.

Die große Indie-Überraschung 2005 hatte einen überraschenden Ausgangspunkt. Die neue Hoffnung der angestaubten und biederen Indie-Gemeinde kam aus Kanada und sorgte dafür, dass auch Menschen mit hellen Klamotten im Club wieder angesagt waren und nicht nur jene, die auch bei Schwarzlicht die Sonnenbrillen nicht absetzen wollten. Da kamen untypische Instrumente und ein nicht minder unkonventioneller Einsatz dieser gerade richtig. Die Wiedergeburt des Akkordeons und ein nahezu exzessiver Einsatz von Streichinstrumenten sorgte für die etwas andere Rockuntermalung im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. Hatte dieses mit Vorschusslorbeeren betuchte Stück Musik überhaupt Schwächen. Wir versetzen uns zurück ins Jahr 2005 und blicken nach vorn!

Kernpunkt von „Funeral“ ist natürlich das Neighborhood-Quartett. Hier gibt es von der einfachen Indie-Hymne mit emotionalem und heiserem Gesang, einfacher Hookline und Keyboard und Glockenspiel zur Untermalung der schwelgenden Gitarren wirklich alles bis hin zu einem Trash-Akkordeon-Rocker, der so viel Kunst ist, dass man den Rock hartnäckig suchen muss. Aber er ist eben doch da und genau das macht die Mischung aus. Man möchte sich zu Arcade Fire bewegen, aber anstatt flottem Gitarrengewitter sind Streicher hier Taktgeber. Variieren tun die Lieder innerhalb kaum, dafür wird ein breites Spektrum über das Album hin angeboten. Natürlich ist die Frage berechtigt, was ein tolles Gesamtkonzept bringt, wenn die einzelnen Teile nicht mal im Ansatz versuchen, dem Hörer den Stuhl unter dem Hintern wegzuziehen?

Arcade Fire leben nicht von genialen Strukturen, sondern von der Macht, große Stimmungen erzeugen zu können. „Power Out“, der dritte Teil des Quartetts ist zum Beispiel so eine kraftvolle Hymne, die zusammen mit „Rebellion (Lies)“ zwei der wohl schönsten Rocksongs des Jahres darstellt. Wert gerne unterteilt, der findet zwei Typen von Stücken vor, die sich auf diesem Album die Hand reichen. Die perfiden Rocker, die sich nur selten auf den ersten Blick als solche verraten und die Balladen. Letztere wirken meist abwechslungsreicher, weil sie minimalistischer ausfallen und sich verändernde Details schneller zu erkennen geben. Paradebeispiel ist der Abschlusstrack „In The Back Seat“, das an und für sich einem Schema folgt, jedoch von Laut-Leise-Wechseln und dem Einsatz vieler Instrumente profitiert. Es ist dieses Anderssein, diese neuen Gewänder, die die an und für sich nicht revolutionären Tracks tragen dürfen. Der Mut ein wenig folkloristischer zu klingen, wird belohnt.

Wer mit der alternativen Rockbesetzung zu Gitarre, Bass und Schlagzeug nichts anfangen kann, der wird sich schwer tun, die Essenz von Arcade Fire zu begreifen. Sie reißen im Stadionrocksinne nicht sofort mit und offenbaren erst einmal jede Menge interessante Melodiebögen. Wer geduldig ist oder es gleich schafft, sich auf dieses Musikerlebnis einzulassen, wird nicht mehr zu halten sein, wenn „Power Out“, „Rebellion (Lies)“ und „Wake Up“ erklingen. In diesen Liedern findet sich eine ähnliche Sogkraft, wie die Kings Of Leon sie in einfache Strukturen verpacken. Von einem Meisterwerk möchte man nicht bedenkenlos sprechen, aber „Funeral“ ist definitiv ein Album, das am Ende dieses ersten Jahrzehnts unter den erwähnenswerten sein sollte.

Anspieltipps:

  • Neighborhood #3 (Power Out)
  • In The Back Seat
  • Rebellion (Lies)
  • Neighborhood #1 (Tunnels)

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