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Anglefire Anglefire


  • Label: TRL/H'ART
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Liebe zu Renaissance oder dem Mittelalter allgemein ist unter Musikern kein seltenes Phänomen. Auch in den jungen Generationen finden sich immer wieder diese Gestalten mit zumeist langen Haaren und exotischen Accessoires. Der durchaus bekannte Gitarrist Steve Morse entzieht sich dem Klischee nicht und ist immer mit langer Mähne und in prunkvoller Robe vorzufinden. Der Deep-Purple-Gitarrist gehört gewiss zu den ganz großen seiner Generation und wenn man selber alles erreicht hat, dann kann man sich entweder ausruhen, einfach weitermachen oder wie Morse eine Schülerin annehmen. Schülerin ist genau genommen das falsche Wort für Sarah Spencer. Die junge Sängerin ist gleichwertige Partnerin beim Projekt Angelfire. Allerdings nur auf dem Papier und so ist davon auszugehen, dass für die junge Sängerin gerade der Lerneffekt im Vordergrund steht. Ob und wie Morse seinen Stil mit der Elfenstimme Spencers brauchbar vermischt, ist die Frage und die Herausforderung, die dieses Album darstellt.

Von der ersten Sekunde ist dieses Album ätherisch und ummantelnd. Es will gar nicht große Stadien fassen, sondern einen kleinen Kreis von Menschen nah an sich ziehen und dann in seinen Bann ziehen. Dass dieses Konzept aufgeht war nicht von vornherein selbstverständlich. Morse musste sich trotz Leitwolffunktion unterordnen, denn dieses Album ist mit Gesang und damit Neuland für eine Morseproduktion. Spencer hingegen musste viel zu den Strukturen beitragen und die Mischung ist beachtlich. Eine Mischung aus Folk, Akustik-Rock und eine klare Popnote. Allerdings bleibt es nicht bei Folk, denn Morse bringt auch viele Blues-, Jazz-, und Rockelemente mit ein. So klingt jeder Track ein wenig anders. Ein wenig ist auf Dauer jedoch nicht genug und auch die feine Stimme Sarahs liefert auf Dauer zu wenig Facetten, um zu begeistern. Es ist eine von diesen Stimmen, die im Chor hervorstechen und die man gerne für eine halbe Stunde in der Bar hört, aber ohne diesen Live-Effekt wirkt die Sängerin nach schon gut 20 Minuten zu gleichbleibend.

Die ansprechende, musikalische Untermalung weiß zwar zu gefallen, aber da der individuelle Teil großteils für Spencer geräumt wurde, sind Soli an der Hand ab zuzählen und machen nur bedingt wett, dass Sarah auf Dauer keine neuen Überraschungen parat hat. Nur wer unaufgeregten Akustikpop mit einigen guten Klangideen seine große Liebe nennt, wird mit diesem Album rundum zufrieden sein. Ansonsten ist das Feuer eher ein Flämmchen und der Engel leider sehr eingeschränkt in seinen Fähigkeiten. Dazu kommt der nahezu unverzeihliche Fauxpas, dass kein Stück so wirklich weiß, wie es aufhören soll und in einem Fade oder abrupt endet. Das muss wirklich nicht sein und klingt nach 90er-Jahre Popmusik. Und das bei einem Klangvirtuosen wir Morse! Viele unausgereifte Einzelheiten, sowie die fehlende Schippe Eigenständigkeit seitens der Sängerin machen aus einem sicher gut klingenden Projekt Durchschnittsware, die man zwar besitzen kann, aber keinesfalls muss.

Anspieltipps:

  • Feelings Are Overrated
  • Omnis Morse Aequat
  • Urban Decay

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