Alter Bridge - AB III - Cover
Große Ansicht

Alter Bridge AB III


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 66 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Alter Bridge vertrauen weiterhin auf großartige Melodien.

Mark Tremonti (Gitarre, Gesang), Brian Marshall (Bass) und Scott Phillips (Schlagzeug, Perkussion, Keyboard) hatten nun ein Jahr Zeit um darüber nachzudenken, was an der Creed-Reunion falsch lief. „Full circle“ (10/2009) sollte den mehrfach platinveredelten Rockact (ca. 35 Millionen Einheiten gingen seit 1995 weltweit über die Ladentische) zurück in die erste Liga der Plattenverkäufe schießen, was den drei Herrschaften mit der Nachfolgeband Alter Bridge nicht und nicht gelingen wollte, doch mit bis dato gerade einmal 400.000 abgesetzten CD´s wurde nicht einmal Gold erreicht und die Ernüchterung dementsprechend groß. Egal, Scott Stapp wird einfach wieder gegen Myles Kennedy ausgetauscht, die Gitarren tiefer gestimmt, der Soloanteil in die Höhe geschraubt und fertig ist die alternative Creed-Version, die mit „AB III“ nach „One day remains“ (09/2004) und „Blackbird“ (11/2007) zum wiederholten Male den ewigen und scheinbar aussichtslosen Krieg zwischen bedingungslosen Creed-Befürwortern und Alter Bridge-Verteidigern entfachen wird.

Zur großen Verwunderung soll es dieses Jahr sogar einige Änderungen im Songwriting-Prozess gegeben haben, ein loses Konzept den Longplayer stützen und statt Hoffnung viel Schmerz und Leid ein zentrales Thema bilden. Nach mehreren Durchgängen ist davon jedoch kaum etwas zu hören. Kennedy mimt auf ein Neues den emotional von Pathos und Rotz getriebenen Sänger mit der warmen Stimme, Tremonti jagt dem Hörer ein ums andere Mal (natürlich nur wenn es der Songkontext verlangt) flotte Riff-Hohlspitzgeschosse um die Ohren, Marshall darf stimmungsvoll den Bass zupfen und Phillips haut ebenso situationsbezogen härter oder weicher auf die Felle, was „AB III“ in diesem Punkt zu einer absolut makellosen Vorstellung macht. Die angekündigte dunkle Note versteckt sich jedoch meist und kommt, obwohl der Opener „Slip to the void“ einen sehr düsteren Einstieg heraufbeschwört, nur recht selten zum Vorschein.

Alter Bridge vertrauen nämlich weiterhin lieber auf großartige Melodien („Ghosts of days gone by“, „All hope is gone“), verheizen kleine Gesten an den ungestümen („Show me a sign“) bzw. kaum interessanten Unterbau („Breathe again“, „Words darker than their wings“), knüpfen aus altbekannten Pathos-Versatzstücken die nächste Bon Jovi-Nummer („Wonderful life“), jagen mit bissigen Riffs durch den Grunge-Gemüsegarten („Still remains“), präsentieren gelungene („I know it hurts“, „Fallout“) und durchwachsene, alternativ rockende Tracks („Make it right“, „Coeur d´Alene“, „Isolation“) oder rufen lautstark zum Feuerzeugschwenken a la Creed auf („Life must go on“), sodass sich nach 66 Minuten die Frage stellt, wieso Alter Bridge und Creed nicht einfach gemeinsame Sache machen, wenn die Grenzen zwischen den beiden Gruppierungen immer mehr verwischen, der Kennedy-Vierer sich nach und nach Creed annähert und Stapp und seine Truppe am härteren Umgangston von Alter Bridge Gefallen finden. Immerhin schafft es sogar jemand wie Miley Cyrus „The best of both worlds“ miteinander zu verbinden, also wieso nicht diese fünf Herrschaften, denn schließlich macht die Trennung musikalisch und kommerziell ohnehin bald keinen Sinn mehr?

Anspieltipps:

  • Fallout
  • I Know It Hurts
  • Life Must Go On
  • Slip To The Void
  • Ghosts Of Days Gone By

Neue Kritiken im Genre „Alternative Rock“
6/10

(How To Live) As Ghosts
  • 2017    
Diskutiere über „Alter Bridge“
comments powered by Disqus