Neil Diamond - Dreams - Cover
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Neil Diamond Dreams


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man selbst oder Freunde eine Band gründen sind die Anfänge meistens gleich. Anstatt von vornherein Eigenkompositionen zu spielen, covert man die selbsternannten Idole. Manche ahmen einfach nur nach, während andere ihre Interpretationen wirklich so nennen dürfen. Irgendwann wird man dann aber musikalisch erwachsen und will eigene Lieder schreiben (also im Idealfall). Das hält sich bis zu einem bestimmten Punkt, an dem man wieder so viel fremde Musik lieben gelernt hat, dass man sie selber wieder zum Besten geben möchte. Es ist kein Geheimnis, dass in Proberäumen gerne Adaptionen fremder Feder gespielt werden, aber es ist inzwischen wohl chic, diese Auflockerungsübungen auf den Markt zu werfen. An einer Hand sind die ganzen Cover-Alben gar nicht mehr ab zu zählen, die monatlich auf dem Markt landen. Diesen November gesellt sich ein großer Name zu den Nachahmern der Musikwelt. Klingt nicht unbedingt wie ein Lob, doch man lässt sich gerne eines Besseren belehren.

Vierzehn Lieder mit einer Gesamtlänge von ziemlich genau 55 Minuten sind das Ergebnis des „Dreams“ den Neil Diamond sich mit dieser Cover-Platte anscheinend erfüllt. Seine Lieblingslieder sind größtenteils keine Unbekannten für den Durchschnittshörer, was bei einem Cover-Silberling allerdings nicht so wichtig ist, da man gerade bei einem Musiker wie Diamond damit rechnen kann, dass variiert wird. Nach „Home Before Dark“ kann man sich auch diesmal auf einen reduzierten und auf die raue Stimme des alten Mannes konzentrierte Instrumentalisierung einstellen. Gleich „Ain't No Sunshine“ und „Alone Again (Naturally)“ sind bei der Eröffnung des Albums genau das richtige. Nicht zu bekannte Songs für den einfachen Hörer, die sich allein auf die Stärken des Songwriters konzentrieren können. Wüsste man es nicht besser, könnte man die Lieder wirklich für Eigenkreationen Diamonds halten. So muss es sein, da beide Lieder angenehm ins Ohr gehen und mit der Intensität und Intimität glänzen, die Neil Diamond auf den letzten Album ausgemacht hat.

Bei „Blackbird“ hilft auch keine Vorstellungskraft mehr, um das Beatles-Original zu verdrängen. Ähnlich wie das anschließende „Alone Again (Naturally)“ schafft es Diamond jedoch das Stück authentisch als beschwingte Country-Nummer zu verkaufen. Wer sich die Beatles in diesem Genre auch nur ansatzweise vorstellen kann, wird nicht allzu viel an dieser Version zu meckern haben. Auch bei „Yesterday“ macht Diamond eine gute Figur, wenngleich der Stil mit Orchester-Ansatz im Klang ein wenig aufgesetzt und aus dem Rahmen fallend wirkt. Auch „Midnight Train To Georgia“ und besonders „Love Song“ klingen aufgesetzt und passen nicht recht zur Stimmung der restlichen, vorgetragenen Stücke.

Das war es aber auch schon mit harscher Kritik, denn allen anderen Liedern drückt Neil Diamond seinen Stempel auf, was weit mehr ist, als viele andere Künstler über ihre Interpretationen alter Klassiker behaupten können. Natürlich haben manche Stücke einfach nicht die emotionale Tiefe, die man von den letzten Diamond-Alben gewohnt ist, aber für „Feels Like Home“ und „Loosing You“ darf man wirklich dankbar sein. Wer sich dann noch nach einer langsamen Version von „I'm A Believer“ gesehnt hat, die von der Stimmung her mehr nach „Hallelujah“ klingt, wird auch bedient. Im Umkehrschluss wird es aber auch nicht wenige geben, die mit dieser Interpretation nichts anfangen können. Auch „Hallelujah“ ist nicht frei von Tadel und gibt ausgerechnet das Titel gebende Wort ungewohnt wieder. An die Qualität der Jeff-Buckley-Version wird hier an Intimität nicht herangereicht, aber man möchte ungern kleinlich sein, wenn jemand wie Neil Diamond sich einen so großen Wunsch erfüllt hat. Und dem ein oder anderen Hörer gewiss auch.

Anspieltipps:

  • Feels Like Home
  • Blackbird
  • Loosing You

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