Cradle Of Filth - Darkly, Darkly, Venus Aversa - Cover
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Cradle Of Filth Darkly, Darkly, Venus Aversa


  • Label: Peaceville/EDEL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Gibt es etwas Schöneres als ein neues Cradle Of Filth-Album zu Halloween durch den Raum schallen zu lassen? Nach dem eher gewöhnungsbedürftigen „Thornography“ (10/2006), das eine ordentliche Portion Experimentierfreudigkeit an den Tag legte, und dem fesselnd inszenierten Werdegang des Gilles De Rais in „Godspeed on the devil´s thunder“ (10/2008) schnappen sich Dani Filth (Gesang), Paul Allender (Gitarre), Charles Hedger (Gitarre), Dave Pybus (Bass), Ashley Jurgemeyer (Keyboard) und Martin Skaroupka (Schlagzeug) eine weniger bodenständige Geschichte und knüpfen eine eigenständige Mär rund um Adams erste Frau, der sumerischen Gottheit Lilith. COF-Jünger werden es ahnen: Die Dame führt nichts Gutes im Schilde!

Gleichbedeutend mit dieser Feststellung beginnt das neunte Opus der Briten nicht mit einem ausgedehnten Instrumental, sondern begnügt sich mit einer kurzen Vorstellung in Spoken Word-Manier durch den weiblichen Neuzugang Lucy Atkins, bevor die Tore zur Hölle aufgestoßen werden und das Gefolge der verführerischen Lilith über die uns bekannte Welt in Form von keifenden Shouts, wuchtiger Doublebass und zähnefletschenden Riffs eine brandschatzende Schneise zieht. 7 Minuten später setzen Cradle Of Filth mit „One foul step from the abyss“ bereits zum ersten Höhepunkt an und legen mit einer Mixtur aus bomastischen Orchesterelementen, flottem Unterbau und einer eindringlichen Vorstellung Danis die Daumenschrauben an, während es in „The nun with the astral habit“ und „Retreat of the sacred heart“ ähnlich packend weitergeht und neben flüchtigen Pianomelodien der Horror immer dunklere Schatten zieht.

Anfänglich gesetzter geht es in „The persecution song“ weiter, doch auch hier fügen Filth & Co. nach kurzer Zeit aufbegehrend energische Parts zu einem stimmungsvollen Ganzen zusammen, was mit „The deceiving eyes“ trotz gruseliger Keyboardflächen seine wenig innovative Wiederholung feiert. Voll auf die Zwölf zielen Cradle Of Filth dafür mit „Lilith immaculate“, das ganz in der Tradition der von männlicher und weiblicher Stimme getragenen Stücke steht und mit sehnsuchtsvoller Melodie eine romantische Gothic-Atmosphäre versprüht. „The spawn of love and war“ erfordert im Anschluss als vertrackte Komposition einiges an Durchhaltevermögen, zündet nach einigen Durchläufen allerdings von selbst, „Harlot on a pedestral“ vermittelt mit seinen schrägen Streichern und Orgelsamples bombastisches Extrem Metal-Vergnügen, bis „Forgive me father (I have sinned)“ durch seine Maiden-Riffs und dem stringenten Aufbau schon fast einer konventionellen Heavy Metal-Nummer gleich kommt und der Abschluss „Beyond eleventh hour“ der Bezeichnung „Kopfkino“ alle Ehre macht: Miss Atkins darf als Lilith über ihr Reich sprechen, Cradle Of Filth liefern das prügelnde Äquivalent zu ihrem von Sex, Lust und infernalischem Wahnsinn geprägten Schilderungen.

„Darkly, darkly, Venus Aversa“ ist kein typisches Werk für eine Band, die fast 20 Jahre ihre Kreise zieht und in ihrer Diskographie ausschließlich Klassiker vorweisen kann, denn, so sollte man meinen, es muss früher oder später eine Schwachstelle in dem Schaffen der Briten ausfindig zu machen sein, jedoch hält Album Nummer 9 das Niveau mit einer tempo- wie trickreichen Achterbahnfahrt unverrückbar hoch. Für die Kritiker einerseits nicht einfach, jedes Mal aufs Neue eines Besseren belehrt zu werden, für die Fans andererseits ein weiterer Grund das Oeuvre der (derzeit) sechs Herrschaften in den Warenkorb zu legen und eintüten zu lassen.

Anspieltipps:

  • Lilith Immaculate
  • Harlot On A Pedestral
  • Beyond Eleventh Hour
  • The Cult Of Venus Aversa
  • One Foul Step From The Abyss

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